Veröffentlicht: 20. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2026
Autor: S. Fiedler 
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Value-Aktien einfach erklärt: Substanzwerte an der Börse verstehen

Value-Aktien sind Aktien von Unternehmen, die am Markt vergleichsweise günstig bewertet erscheinen. Anleger suchen dabei nach Unternehmen, deren Börsenwert aus ihrer Sicht niedriger ist als der wirtschaftliche Wert des Unternehmens.

Im Mittelpunkt steht also nicht die Frage, welches Unternehmen gerade besonders stark wächst, sondern ob ein solides Unternehmen möglicherweise zu pessimistisch bewertet wird.

Typische Value-Aktien findet man häufig bei etablierten Unternehmen mit stabilen Gewinnen, starken Marken, Dividenden, Substanzwerten oder zyklisch schwankenden Geschäftsmodellen. Dazu können Banken, Versicherungen, Energieunternehmen, Industrieunternehmen, Konsumgüterhersteller oder Telekommunikationskonzerne gehören.

Wichtig ist aber: Eine Aktie ist nicht automatisch attraktiv, nur weil sie günstig aussieht.

Was bedeutet Value bei Aktien?

„Value“ bedeutet übersetzt Wert. Beim Value-Investing versuchen Anleger, den inneren Wert eines Unternehmens einzuschätzen und diesen mit dem aktuellen Aktienkurs zu vergleichen.

Die Grundidee lautet:

Wenn ein Unternehmen mehr wert ist, als der Aktienmarkt aktuell einpreist, könnte die Aktie langfristig interessant sein.

Dabei geht es nicht nur um niedrige Kurse. Entscheidend ist, ob das Unternehmen trotz niedriger Bewertung wirtschaftlich solide bleibt.

Ein Aktienkurs kann aus guten Gründen gefallen sein. Wenn Gewinne dauerhaft sinken, das Geschäftsmodell veraltet oder die Verschuldung zu hoch ist, kann eine vermeintlich günstige Aktie riskant sein.

Typische Merkmale von Value-Aktien

Value-Aktien haben häufig bestimmte Merkmale. Diese müssen aber nicht immer gleichzeitig auftreten.

Typische Hinweise können sein:

  • niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis,
  • niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis,
  • stabile Gewinne,
  • regelmäßige Dividenden,
  • hoher freier Cashflow,
  • etablierte Marktposition,
  • solide Bilanz,
  • geringere Erwartungen des Marktes,
  • weniger Wachstumsfantasie als bei klassischen Wachstumsaktien.

Besonders häufig werden Value-Aktien in reiferen Branchen gesucht. Das können Unternehmen sein, die nicht mehr extrem schnell wachsen, aber weiterhin Gewinne erwirtschaften und Kapital an Aktionäre zurückgeben.

Beispiele für bekannte Value-Aktien

Die folgenden Unternehmen werden häufig mit Value, Substanz, Dividenden, defensiven Geschäftsmodellen oder zyklischen Bewertungsphasen verbunden. Die Beispiele dienen nur zur Einordnung und sind keine Empfehlung.

Aktie Branche Warum sie häufig als Value-Beispiel genannt wird
Berkshire Hathaway Beteiligungen / Versicherungen breit aufgestellte Beteiligungsgesellschaft mit langfristigem Investmentfokus
Coca-Cola Getränke / Basiskonsum starke Marke, defensives Konsumgütergeschäft, lange Dividendenhistorie
Procter & Gamble Konsumgüter etablierte Produkte des täglichen Bedarfs, defensives Geschäftsmodell
JPMorgan Chase Banken große US-Bank, zyklisch, aber ertragsstarkes Finanzgeschäft
ExxonMobil Energie Öl- und Gaskonzern, abhängig von Rohstoffpreisen, häufig mit Dividendenfokus
Allianz Versicherung großer europäischer Versicherungs- und Finanzkonzern
BASF Chemie / Industrie zyklischer Industriewert, abhängig von Konjunktur, Energiepreisen und Margen
Intel Halbleiter Beispiel für eine Aktie, die zeitweise als Turnaround- oder Value-Fall diskutiert wird
Volkswagen Automobil zyklischer Industriewert mit Bewertungsabschlägen und Transformationsrisiken

Gerade an dieser Tabelle wird deutlich: Value-Aktien sind nicht automatisch defensive Aktien. Einige Unternehmen sind sehr stabil, andere hängen stark von Konjunktur, Rohstoffpreisen, Zinsen oder Branchenwandel ab.

Value-Aktien und Dividenden

Viele Value-Aktien zahlen Dividenden. Das liegt daran, dass etablierte Unternehmen häufig nicht mehr jeden Euro in schnelles Wachstum investieren müssen. Stattdessen können sie einen Teil des Gewinns an Aktionäre ausschütten.

Eine Dividende allein macht eine Aktie aber noch nicht zur guten Value-Aktie.

Entscheidend ist, ob die Dividende aus Gewinn und freiem Cashflow nachhaltig finanziert werden kann. Eine sehr hohe Dividendenrendite kann auch ein Warnsignal sein, wenn der Aktienkurs stark gefallen ist oder der Markt eine Kürzung erwartet.

Mehr dazu wird im separaten Artikel Dividende einfach erklärt behandelt.

Value-Aktien vs. Wachstumsaktien

Value-Aktien werden häufig Wachstumsaktien gegenübergestellt.

Bei Wachstumsaktien zahlen Anleger oft hohe Bewertungen, weil sie künftig stark steigende Umsätze und Gewinne erwarten. Solche Unternehmen investieren häufig viel in Forschung, Entwicklung, Marktanteile oder neue Produkte.

Bei Value-Aktien steht dagegen eher die Frage im Vordergrund, ob das Unternehmen bereits heute günstiger bewertet ist, als es aufgrund von Gewinn, Substanz, Cashflow oder Marktstellung sein müsste.

Vereinfacht gesagt:

Punkt Value-Aktien Wachstumsaktien
Fokus Substanz, Bewertung, Cashflow Umsatz- und Gewinnwachstum
Bewertung oft niedriger oft höher
Dividenden häufiger seltener oder niedriger
Branchen Banken, Energie, Industrie, Konsum, Versicherung Technologie, Software, Plattformen, innovative Geschäftsmodelle
Risiko Value Trap, zyklische Schwäche hohe Bewertung, enttäuschendes Wachstum

Diese Einordnung ist nur grob. Es gibt auch große Technologieunternehmen, die inzwischen profitabel, etabliert und teilweise nicht mehr reine Wachstumswerte sind. Umgekehrt können auch klassische Value-Unternehmen Wachstumsphasen erleben.

Was ist eine Value Trap?

Eine Value Trap ist eine Bewertungsfalle.

Dabei sieht eine Aktie auf den ersten Blick günstig aus, etwa wegen eines niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses oder einer hohen Dividendenrendite. In Wirklichkeit ist die niedrige Bewertung aber möglicherweise gerechtfertigt, weil das Unternehmen strukturelle Probleme hat.

Mögliche Gründe für eine Value Trap:

  • Gewinne sinken dauerhaft,
  • das Geschäftsmodell verliert an Bedeutung,
  • die Verschuldung ist zu hoch,
  • die Branche steht unter Druck,
  • Investitionen wurden vernachlässigt,
  • Dividenden sind nicht nachhaltig,
  • der Markt preist reale Risiken ein.

Ein niedriger Aktienkurs allein ist deshalb kein Kaufsignal. Value-Investing bedeutet nicht, einfach gefallene Aktien zu kaufen, sondern den Unterschied zwischen vorübergehender Unterbewertung und dauerhafter Schwäche zu erkennen. Hier kommt dann auch die Fundamentalanalyse ins Spiel.

Welche Kennzahlen sind bei Value-Aktien wichtig?

Bei Value-Aktien achten Anleger häufig auf fundamentale Kennzahlen.

Dazu gehören:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis,
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis,
  • Kurs-Cashflow-Verhältnis,
  • Dividendenrendite,
  • Ausschüttungsquote,
  • Eigenkapitalquote,
  • Verschuldung,
  • freier Cashflow,
  • Gewinnentwicklung,
  • Margen,
  • Kapitalrendite.

Diese Kennzahlen sollten aber nie isoliert betrachtet werden.

Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis kann attraktiv sein. Es kann aber auch bedeuten, dass der Markt künftig fallende Gewinne erwartet. Eine hohe Dividendenrendite kann interessant wirken, kann aber auch auf Probleme hinweisen.

Entscheidend ist immer die Verbindung aus Bewertung, Geschäftsmodell, Bilanzqualität und Zukunftsaussichten.

Chancen von Value-Aktien

Value-Aktien können interessant sein, wenn der Markt ein Unternehmen zu pessimistisch bewertet.

Mögliche Chancen sind:

  • Aufwertung bei besserer Geschäftsentwicklung,
  • Dividenden und Ausschüttungen,
  • stabilere Geschäftsmodelle,
  • geringere Abhängigkeit von hohen Zukunftserwartungen,
  • mögliche Erholung nach übertriebenen Kursrückgängen,
  • Ergänzung zu Tech- und Wachstumswerten im Depot.

Gerade nach starken Marktkorrekturen schauen viele Anleger auf Value-Aktien. Wenn solide Unternehmen gemeinsam mit dem Gesamtmarkt gefallen sind, können sich langfristig interessante Einstiegspunkte ergeben.

Das bedeutet aber nicht, dass jede gefallene Aktie eine Gelegenheit ist.

Risiken von Value-Aktien

Auch Value-Aktien können deutliche Verluste verursachen.

Mögliche Risiken sind:

  • langanhaltende Unterbewertung,
  • schwache Gewinnentwicklung,
  • Dividendenkürzungen,
  • hohe Verschuldung,
  • zyklische Rückgänge,
  • strukturelle Branchenprobleme,
  • politische Risiken,
  • Rohstoff- oder Zinsabhängigkeit,

Besonders zyklische Value-Aktien können in Rezessionen stark unter Druck geraten. Banken reagieren auf Zinsen, Kreditrisiken und Konjunktur. Energieunternehmen hängen stark von Öl- und Gaspreisen ab. Industrie- und Chemiewerte reagieren empfindlich auf Nachfrage, Energiepreise und Margen.

Value bedeutet also nicht automatisch defensiv.

Für wen können Value-Aktien interessant sein?

Value-Aktien können für Anleger interessant sein, die:

  • nicht nur auf Wachstum setzen möchten,
  • etablierte Geschäftsmodelle bevorzugen,
  • Dividenden und Cashflows schätzen,
  • Bewertungskennzahlen analysieren möchten,
  • Geduld mitbringen,
  • bereit sind, auch unpopuläre Branchen zu betrachten.

Weniger geeignet sind Value-Aktien für Anleger, die schnelle Kursgewinne erwarten oder nur auf stark steigende Zukunftstrends setzen möchten.

Value-Investing erfordert häufig Geduld. Eine Aktie kann lange günstig wirken, bevor der Markt sie neu bewertet. Manchmal passiert diese Neubewertung nie.

Value-Aktien im Portfolio

Value-Aktien können ein Gegengewicht zu stark bewerteten Wachstums- oder Tech-Aktien bilden. Viele Anleger kombinieren verschiedene Stile, statt sich ausschließlich auf eine Kategorie festzulegen.

Ein Portfolio kann zum Beispiel enthalten:

  • breite ETFs,
  • einzelne Value-Aktien,
  • Wachstumsaktien,
  • Dividendenwerte,
  • Anleihen oder Tagesgeld als Sicherheitsbausteine.

Wichtig ist, dass Anleger nicht nur einzelne Aktien betrachten, sondern die gesamte Struktur des Depots. Wer bereits stark in Banken, Versicherungen oder Energie investiert ist, erhöht mit weiteren Value-Aktien möglicherweise seine Branchenkonzentration.

Fazit

Value-Aktien sind Aktien von Unternehmen, die im Verhältnis zu Gewinn, Substanz, Cashflow oder Marktstellung günstig bewertet erscheinen können. Häufig handelt es sich um etablierte Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen, Dividenden oder zyklischen Bewertungsphasen.

Der Ansatz kann für langfristige Anleger interessant sein, erfordert aber sorgfältige Analyse. Eine niedrige Bewertung allein reicht nicht aus. Anleger müssen prüfen, ob der Markt ein Unternehmen zu pessimistisch einschätzt oder ob reale Probleme den niedrigen Aktienkurs rechtfertigen.

Die wichtigste Erkenntnis lautet:

Value-Aktien können günstig bewertet sein – sie sind aber nicht automatisch unterbewertet.

 

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