Veröffentlicht: 22. August 2026 · Zuletzt aktualisiert: 22. August 2026 Autor: Sebastian Fiedler
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar
Britische Staatsanleihen im Vergleich: Niedriger Kupon oder hohe laufende Zinsen?
Wer zwei Staatsanleihen desselben Landes mit ähnlicher Restlaufzeit vergleicht, könnte zunächst vermuten, dass vor allem die Höhe des Kupons über die Attraktivität entscheidet. Tatsächlich kann die Entscheidung deutlich komplexer sein.
Ein interessantes Beispiel liefern zwei britische Staatsanleihen, sogenannte Gilts:
- die 0,25 % Treasury Gilt 2031, WKN A285BD, ISIN GB00BMGR2809
- die 4,75 % Treasury Gilt 2030, WKN A0TKXA, ISIN GB00B24FF097
Beide werden vom Vereinigten Königreich emittiert und besitzen eine ähnliche Restlaufzeit. Trotzdem unterscheiden sich ihre Zahlungsströme erheblich.
Die eine Anleihe bietet nur einen sehr kleinen laufenden Kupon und notiert deutlich unter ihrem Rückzahlungswert. Die andere zahlt einen hohen Kupon und notiert ungefähr bei beziehungsweise leicht über pari.
Welche Variante kann für einen Anleger interessanter sein?
Die Antwort hängt unter anderem davon ab, ob regelmäßige Zahlungsströme gewünscht werden, die Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten werden soll oder mit fallenden Marktzinsen und daraus resultierenden Kurssteigerungen gerechnet wird.
Zwei ähnliche Laufzeiten – völlig unterschiedliche Zahlungsprofile
Die grundlegenden Daten der beiden britischen Staatsanleihen sehen folgendermaßen aus:
| Merkmal | 0,25 % Treasury Gilt 2031 | 4,75 % Treasury Gilt 2030 |
|---|---|---|
| WKN | A285BD | A0TKXA |
| ISIN | GB00BMGR2809 | GB00B24FF097 |
| Kupon | 0,25 % p. a. | 4,75 % p. a. |
| Fälligkeit | 31.07.2031 | 07.12.2030 |
| Kuponzahlung | halbjährlich | halbjährlich |
| Clean Price am 19.08.2026 | ca. 81,33 % | ca. 101,03 % |
| Rendite bis Fälligkeit | ca. 4,55 % | ca. 4,53 % |
| Modified Duration | ca. 4,80 | ca. 3,82 |
Die britische Debt Management Office weist für die 0,25-%-Anleihe Zinstermine am 31. Januar und 31. Juli und für die 4,75-%-Anleihe am 7. Juni und 7. Dezember aus.
Besonders interessant ist der Marktvergleich vom 19. August 2026: Trotz des enormen Unterschieds zwischen einem Kupon von 0,25 % und 4,75 % lagen die Renditen bis zur Fälligkeit mit rund 4,55 beziehungsweise 4,53 % nahezu gleichauf. Gleichzeitig betrug die Modified Duration etwa 4,80 beziehungsweise 3,82.
Hinweis: Anleihekurse und Renditen verändern sich fortlaufend. Die genannten Kurse dienen deshalb lediglich als konkretes Beispiel für die grundsätzliche Funktionsweise der beiden unterschiedlichen Anleihen. Es handelt sich hier auch nur um ein stichtagsbezogenes Beispiel, da sich Anleihekurse und Renditen an Handelstagen fortlaufend verändern.
Warum 0,25 % Kupon nicht 0,25 % Rendite bedeuten
Der vielleicht wichtigste Punkt dieses Vergleichs lautet:
Der Kupon einer Anleihe ist nicht mit ihrer tatsächlichen Rendite gleichzusetzen.
Bei der A285BD werden auf 100 GBP Nominalwert lediglich 0,25 GBP Zinsen pro Jahr gezahlt. Ein Anleger musste für 100 GBP Nominalwert im betrachteten Beispiel aber nur rund 81,33 GBP bezahlen.
Wird die Anleihe bis zur Fälligkeit am 31. Juli 2031 gehalten, erfolgt die Rückzahlung zu 100 % des Nominalwerts.
Ein wesentlicher Teil der Rendite entsteht deshalb nicht aus den laufenden Zinszahlungen, sondern aus der Differenz zwischen dem deutlich niedrigeren Kaufkurs und der Rückzahlung zu pari.
Bei der A0TKXA ist das Verhältnis beinahe umgekehrt.
Sie zahlt auf 100 GBP Nominalwert jährlich 4,75 GBP Zinsen. Gleichzeitig lag ihr Kurs mit rund 101,03 % leicht oberhalb des Rückzahlungswertes. Bei Fälligkeit werden wiederum 100 GBP je 100 GBP Nominalwert zurückgezahlt.
Der hohe Kupon ist deshalb nicht mit einer zusätzlichen Rendite von 4,75 % neben einem möglichen Kursgewinn gleichzusetzen. Er ist bereits ein wesentlicher Bestandteil der Rendite bis zur Fälligkeit.
Genau deshalb konnten beide Anleihen trotz ihrer völlig unterschiedlichen Kupons im betrachteten Zeitpunkt eine Rendite von ungefähr 4,5 % aufweisen.
Variante 1: Hohe laufende Cashflows mit der 4,75-%-Anleihe
Für Anleger, die regelmäßige Einnahmen aus ihrem Anleiheportfolio wünschen, besitzt die A0TKXA einen offensichtlichen Vorteil.
Je 100 GBP Nominalwert werden jährlich 4,75 GBP Zinsen gezahlt, verteilt auf zwei halbjährliche Kuponzahlungen.
Das kann beispielsweise für Anleger interessant sein, die mit ihrem Portfolio laufende Einnahmen erzielen möchten und die Ausschüttungen nicht erst durch den Verkauf von Wertpapieren erzeugen wollen.
Allerdings haben frühe Zahlungsströme noch eine weitere Eigenschaft:
Das Kapital fließt schneller zum Anleger zurück.
Dadurch liegt die Duration dieser Anleihe unter derjenigen der niedrig verzinsten A285BD.
Das bedeutet gleichzeitig, dass ihr Kurs weniger stark auf Änderungen des Marktzinses reagiert.
Variante 2: Kleiner Kupon und hoher Abschlag zum Nennwert
Bei der A285BD sieht die Situation völlig anders aus.
Der jährliche Kupon von 0,25 % trägt nur wenig zur laufenden Rendite bei. Dafür lag der Beispielkurs von rund 81,33 % fast 19 Prozentpunkte unter dem Rückzahlungswert.
Ein Anleger kauft damit vereinfacht ausgedrückt einen Anspruch von 100 GBP für gut 81 GBP.
Wird die Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten und erfüllt das Vereinigte Königreich seine Zahlungsverpflichtungen, werden 100 GBP Nominalwert zurückgezahlt.
Der Abschlag zum Nennwert ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Rendite.
Steigt eine Anleihe unter pari automatisch kontinuierlich auf 100?
Hier ist eine wichtige Einschränkung erforderlich.
Eine unter pari notierende Anleihe muss sich nicht Jahr für Jahr gleichmäßig ihrem Rückzahlungswert annähern.
Ändern sich die Marktzinsen, kann der Börsenkurs zwischenzeitlich sowohl steigen als auch weiter fallen.
Steigen beispielsweise die Renditen britischer Staatsanleihen deutlich, kann auch eine bei 81 % gekaufte Anleihe zunächst auf 78 %, 75 % oder noch tiefer fallen. Warum Anleihekurse schwanken , hängt insbesondere von Veränderungen der Marktrenditen und der verbleibenden Laufzeit ab.
Der feste Punkt befindet sich erst am Ende der Laufzeit:
Bei Fälligkeit erfolgt die Rückzahlung zu pari.
Unter ansonsten unveränderten Bedingungen entsteht mit abnehmender Restlaufzeit zwar ein sogenannter Pull-to-Par-Effekt. Der tatsächliche Börsenkurs verläuft auf dem Weg dorthin aber keineswegs geradlinig.
Beispiel mit 10.000 GBP Anlagekapital
Der Unterschied der Zahlungsprofile wird besonders deutlich, wenn ungefähr gleich viel Kapital investiert wird.
Zur Vereinfachung werden Stückzinsen und Handelskosten zunächst nicht berücksichtigt.
Bei einem Kurs von 81,33 % könnten mit 10.000 GBP ungefähr 12.296 GBP Nominalwert der A285BD erworben werden.
Der jährliche Kupon läge lediglich bei ungefähr:
12.296 GBP × 0,25 % = 30,74 GBP
Bei einem Kurs von 101,03 % könnten mit 10.000 GBP ungefähr 9.898 GBP Nominalwert der A0TKXA erworben werden.
Der jährliche Kupon betrüge ungefähr:
9.898 GBP × 4,75 % = 470,16 GBP
Damit erhält der Anleger bei der hoch verzinsten Anleihe wesentlich größere laufende Zahlungen.
Bei der niedrig verzinsten Anleihe besitzt er dafür einen wesentlich höheren Nominalwert, der bei Fälligkeit zu 100 % zurückgezahlt wird.
Das Beispiel zeigt sehr anschaulich:
Die Rendite kann ähnlich sein, obwohl der zeitliche Verlauf der Zahlungen vollkommen unterschiedlich ist.
Welche Rolle spielt die Duration?
Besonders interessant wird die Entscheidung, wenn ein Anleger mit fallenden Marktzinsen rechnet.
Die Duration beschreibt unter anderem, wie empfindlich der Kurs einer Anleihe auf Veränderungen ihrer Rendite reagiert, und beeinflusst somit das bestehende Zinsänderungsrisiko.
Hier weist die A285BD die höhere Zinssensitivität auf, sodass sie bei sinkenden Renditen tendenziell stärker im Kurs reagiert.
Am 19. August 2026 lag ihre Modified Duration bei ungefähr 4,80. Bei der A0TKXA waren es dagegen ungefähr 3,82.
Als grobe Näherung gilt:
Kursänderung ≈ – Modified Duration × Renditeänderung
Fällt die Marktrendite beispielsweise um 0,50 Prozentpunkte, ergäbe sich näherungsweise:
A285BD
4,80 × 0,50 % = ungefähr +2,40 %
A0TKXA
3,82 × 0,50 % = ungefähr +1,91 %
Bei einem Renditerückgang um einen ganzen Prozentpunkt wären es näherungsweise:
- A285BD: +4,8 %
- A0TKXA: +3,8 %
Dabei handelt es sich lediglich um eine Approximation. Bei größeren Zinsänderungen gewinnt zusätzlich die Konvexität an Bedeutung.
Trotzdem wird der grundlegende Unterschied deutlich:
Die niedrig verzinste Anleihe reagiert stärker auf Veränderungen des Marktzinses, die aber nicht ausschließlich duch Leitzinsänderungen begründet sein müssen.
Warum besitzt die Anleihe mit dem kleinen Kupon die höhere Duration?
Der Grund liegt in der zeitlichen Verteilung der Zahlungsströme.
Die A0TKXA zahlt während ihrer verbleibenden Laufzeit erhebliche Kupons an den Anleger zurück.
Bei der A285BD liegen dagegen fast alle wirtschaftlich relevanten Zahlungsströme weit hinten: Der Anleger erhält während der Laufzeit nur sehr kleine Zinszahlungen und schließlich bei Fälligkeit den Nominalwert von 100 % zurück.
Je stärker der Wert einer Anleihe von weit in der Zukunft liegenden Zahlungen abhängt, desto stärker reagieren diese Zahlungen auf eine Änderung des verwendeten Diskontierungszinssatzes.
Hinzu kommt bei diesem konkreten Vergleich, dass die A285BD einige Monate länger läuft.
Die höhere Duration ist daher sowohl auf den sehr niedrigen Kupon als auch auf die etwas längere Restlaufzeit zurückzuführen.
Kann die niedrig verzinste Anleihe bei Zinssenkungen (Marktrenditen) die Anleihe mit dem höheren Kupon schlagen?
Bei ausreichend stark sinkenden Marktrenditen ist das grundsätzlich möglich.
Angenommen, beide Anleihen weisen zunächst eine ähnliche Rendite bis zur Fälligkeit auf. Fallen anschließend die britischen Kapitalmarktzinsen stärker als vom Markt erwartet, profitiert die Anleihe mit der höheren Duration stärker von der Kursbewegung.
Der Anleger der A0TKXA erhält zwar wesentlich höhere Kuponzahlungen.
Diese stellen jedoch keine zusätzliche Rendite oberhalb der bereits berechneten Rendite bis Fälligkeit dar.
Bei der A285BD besteht die Rendite dagegen zu einem wesentlich größeren Anteil aus dem Kursabschlag zum späteren Rückzahlungswert.
Sinken zusätzlich die Marktrenditen, kann ihr Marktpreis aufgrund der höheren Duration stärker steigen.
Ausschlaggebend für die stärkere Reaktion ist dabei nicht allein der niedrigere Börsenkurs, sondern vor allem die höhere Duration infolge des sehr niedrigen Kupons und der etwas längeren Restlaufzeit.
Wer die Anleihe vor Fälligkeit verkauft, könnte deshalb bei einem ausgeprägten Renditerückgang mit der niedrig verzinsten Anleihe einen höheren Kursgewinn erzielen.
Die Kehrseite gilt allerdings ebenfalls:
Steigen die britischen Marktrenditen, fällt die A285BD aufgrund ihrer höheren Duration tendenziell stärker.
Eine höhere Duration bedeutet deshalb nicht automatisch eine bessere Anleihe, sondern zunächst nur eine stärkere Zinssensitivität.
Dabei ist zwischen Leitzinsen und Marktrenditen zu unterscheiden: Eine Senkung des Leitzinses durch die Bank of England führt nicht zwangsläufig zu einem gleich hohen Rückgang der Renditen länger laufender britischer Staatsanleihen.
Die Grafik vergleicht zwei britische Staatsanleihen mit ähnlicher Restlaufzeit, aber sehr unterschiedlichem Kupon. Gegenübergestellt werden die A285BD mit 0,25 % Kupon und die A0TKXA mit 4,75 % Kupon anhand von Kuponhöhe, Fälligkeit, Kurs, Rendite bis Fälligkeit und Modified Duration. Dadurch wird anschaulich, warum eine Anleihe mit niedrigem Kupon und höherer Duration bei sinkenden Marktrenditen stärker im Kurs steigen kann, während die höher verzinste Anleihe mehr laufende Cashflows bietet.
Hinweis: Diese Grafik wurde mit Unterstützung eines KI-Tools erstellt und anschließend redaktionell geprüft. Sie dient der vereinfachten Veranschaulichung des Vergleichs zweier britischer Staatsanleihen und stellt keine Anlageberatung dar.
Hinweis: Anleihekurse und Renditen verändern sich fortlaufend. Die genannten Kurse dienen deshalb lediglich als konkretes Beispiel für die grundsätzliche Funktionsweise der beiden unterschiedlichen Anleihen. Es handelt sich hier auch nur um ein stichtagsbezogenes Beispiel, da sich Anleihekurse und Renditen an Handelstagen fortlaufend verändern.
Wann kann die 4,75-%-Anleihe sinnvoller sein?
Die A0TKXA kann insbesondere für Anleger interessant sein, die:
- hohe regelmäßige Zinszahlungen wünschen,
- laufende Erträge aus dem Portfolio entnehmen möchten,
- eine geringere Zinssensitivität bevorzugen,
- keine ausgeprägte Spekulation auf sinkende Renditen eingehen möchten,
- frühe Zahlungsströme bevorzugen.
Die regelmäßigen Kuponzahlungen reduzieren zugleich die Abhängigkeit des Gesamtwertes von der weit entfernten Rückzahlung.
Allerdings entsteht dadurch ein Wiederanlagerisiko.
Wer die Kupons langfristig weiter investieren möchte, weiß heute nicht, zu welchem Zinssatz diese zukünftigen Zahlungen wieder angelegt werden können.
Die hohen laufenden Kuponzahlungen erhöhen daher das Wiederanlagerisiko: Sinken die Marktzinsen, können erhaltene Zahlungen möglicherweise nur noch zu niedrigeren Renditen erneut investiert werden. Gleichzeitig bieten die frühen Cashflows dem Anleger mehr Liquidität und Flexibilität, da das ausgezahlte Kapital anderweitig verwendet oder umgeschichtet werden kann.
Bei der niedrig verzinsten Anleihe fällt dieses Wiederanlagerisiko deutlich geringer aus. Dafür bleibt ein größerer Teil des wirtschaftlichen Werts bis zur Fälligkeit gebunden, sofern die Anleihe nicht zuvor am Markt verkauft wird.
Wann kann die 0,25-%-Anleihe interessanter sein?
Die A285BD kann eher zu einem Anleger passen, der:
- keine hohen laufenden Ausschüttungen benötigt,
- einen größeren Teil seiner Rendite über den Abschlag zum Nennwert erzielen möchte,
- bewusst eine höhere Duration sucht,
- mit sinkenden britischen Kapitalmarktzinsen rechnet,
- mögliche Kurssteigerungen stärker nutzen möchte,
- die hohen Kuponzahlungen der Alternative nicht regelmäßig wieder anlegen möchte.
Für einen Anleger mit einer konkreten Zinssenkungsthese kann die höhere Duration daher sogar erwünscht sein.
Hohe oder niedrige Duration – was ist besser?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht.
Hohe Duration ist kein Qualitätsmerkmal.
Sie ist eine Eigenschaft der Anleihe.
Wer fallende Marktzinsen erwartet, kann mit höherer Duration stärker von dieser Entwicklung profitieren.
Wer dagegen mit steigenden Renditen rechnet oder Kursschwankungen begrenzen möchte, dürfte eine niedrigere Duration bevorzugen.
Damit hängt die Auswahl einer Anleihe nicht nur von ihrer Rendite ab, sondern auch davon, wann und auf welche Weise diese Rendite entstehen soll.
Genau das zeigen die beiden britischen Staatsanleihen besonders anschaulich.
Für Euro-Anleger kommt noch das Währungsrisiko hinzu
Beide Anleihen sind in britischen Pfund notiert.
Ein Anleger aus dem Euroraum investiert deshalb nicht ausschließlich in eine britische Staatsanleihe, sondern geht gleichzeitig eine Position im britischen Pfund gegenüber dem Euro ein.
Steigt das Pfund während der Haltedauer gegenüber dem Euro, erhöht dies die in Euro gerechnete Rendite.
Fällt das Pfund dagegen deutlich, können selbst Kursgewinne und Kuponzahlungen der Anleihe teilweise oder vollständig aufgezehrt werden.
Bei Fremdwährungsanleihen sollten deshalb immer zwei Entscheidungen getrennt betrachtet werden:
- Wie attraktiv ist die Anleihe selbst?
- Möchte ich gleichzeitig das entsprechende Währungsrisiko tragen?
Die höhere Rendite einer Fremdwährungsanleihe ist für einen Euro-Anleger deshalb nicht automatisch mit einer höheren Gesamtrendite gleichzusetzen.
Fazit: Gleiche Rendite bedeutet nicht dieselbe Anlage
Der Vergleich zwischen der A285BD und der A0TKXA zeigt, warum Anleger bei der Auswahl einer Anleihe nicht ausschließlich auf den Kupon achten sollten.
Zum betrachteten Zeitpunkt lagen die Renditen beider britischen Staatsanleihen ungefähr auf demselben Niveau. Ihre Zahlungsprofile unterschieden sich trotzdem erheblich.
Die 4,75-%-Anleihe liefert hohe laufende Cashflows und besitzt eine geringere Duration.
Die 0,25-%-Anleihe bietet kaum laufende Zinsen, wurde dafür aber mit einem erheblichen Abschlag zum Nennwert gehandelt und besitzt eine höhere Duration.
Wer regelmäßige Einnahmen bevorzugt, kann daher zu einem anderen Ergebnis kommen als ein Anleger, der gezielt auf sinkende Kapitalmarktzinsen und mögliche Kurssteigerungen setzen möchte.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht unbedingt:
Welche der beiden Anleihen ist besser?
Sondern vielmehr:
Welche Struktur der Zahlungsströme und welches Zinsrisiko passen besser zur eigenen Anlagestrategie?
Die genannten Wertpapiere dienen ausschließlich der Veranschaulichung der Funktionsweise von Anleihen. Kurse, Renditen und Duration verändern sich laufend. Der Beitrag stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines bestimmten Wertpapiers dar.
Quellen-Verweise
- Börse Stuttgart: A285BD – 0,25 % Treasury Gilt 2031
- Börse Stuttgart: A0TKXA – 4,75 % Treasury Gilt 2030
- Deutsche Börse – Duration
-
Brush Up on Bonds: Interest Rate Changes and Duration - finra.org
- Frontier Economics / Randl / Zechner (2025): Gutachten zur Methodik der Kapitalkostenbestimmung ab der 5. Regulierungsperiode, Bericht für die Bundesnetzagentur, insbesondere Abschnitt 5.1.2 „Renditen von Zinskurven für Kuponanleihen oder Nullkuponanleihen“, S. 26–27.