Veröffentlicht: 05. August 2026 · Zuletzt aktualisiert: 05. August 2026
Autor: S. Fiedler 
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

ETF-Portfolio mit Länder- und Regionen-ETFs: Weltportfolio selbst zusammenstellen

Kurzüberblick

Ein ETF-Portfolio muss nicht zwingend aus einem einzigen globalen Welt-ETF bestehen. Anleger können ihr Depot auch aus mehreren Länder-, Regionen- und Index-ETFs selbst zusammenstellen.

Statt die Länder- und Branchengewichtung einem globalen Index zu überlassen, entscheidet der Anleger dann selbst, wie stark USA, Europa, Japan, Indien, China, Brasilien oder einzelne europäische Länder vertreten sein sollen.

Das kann mehr Kontrolle ermöglichen. Gleichzeitig steigt aber auch die Komplexität. Wer einzelne Regionen auswählt, trifft bewusst aktivere Entscheidungen als bei einem einfachen Welt-ETF.

Dieser Artikel zeigt, wie ein solches ETF-Portfolio grundsätzlich aufgebaut werden könnte, welche Überschneidungen entstehen können und welche konkreten ETF-Bausteine als Beispiele infrage kommen.

Abgrenzung: Hier geht es nicht um MSCI World oder ACWI als Kern

In vielen ETF-Ratgebern steht der klassische Welt-ETF im Mittelpunkt. Das kann für viele Anleger sinnvoll sein, weil ein einzelner Welt-ETF einfach, übersichtlich und langfristig gut durchhaltbar sein kann.

Dieser Artikel geht bewusst einen anderen Weg.

Hier geht es nicht darum, einen MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World als Kernbaustein zu nehmen. Stattdessen geht es um die Frage:

Kann man ein global ausgerichtetes ETF-Portfolio auch selbst aus einzelnen Länder- und Regionen-ETFs zusammensetzen?

Das ist eine andere Strategie. Sie eignet sich eher für Anleger, die mehr Kontrolle über die regionale Gewichtung ihres Depots haben möchten und bereit sind, sich intensiver mit Märkten, Gewichtungen und Rebalancing zu beschäftigen.

Der bestehende Artikel „Welt-ETF vs. mehrere ETFs“ behandelt bereits allgemein, dass mehrere ETFs beispielsweise aus Industrieländer-, Schwellenländer-, Europa-, USA- oder Small-Cap-Bausteinen bestehen können.

Im Artikel "MSCI World vs. MSCI ACWI" wurde ein mögliches ETF-Portfolio aus globalen und sehr breit gestrueten Welt ETFs thematisiert.

👉 Dieser Artikel geht konkreter auf Länder- und Regionenbausteine ein.

Die Grundidee: Bausteine statt fertiger Weltindex

Ein globaler Weltindex gewichtet Länder und Unternehmen meist nach Marktkapitalisierung. Große Aktienmärkte und große Unternehmen erhalten dadurch automatisch ein hohes Gewicht.

Bei einem selbst zusammengestellten Länder- und Regionenportfolio ist das anders. Der Anleger kann bewusst entscheiden:

  • Wie stark sollen die USA gewichtet werden?
  • Soll Europa breiter oder über einzelne Länder abgebildet werden?
  • Soll Japan separat berücksichtigt werden?
  • Sollen Indien und China eigene Bausteine sein?
  • Wird Brasilien oder Südafrika ergänzt?
  • Sind kleinere Märkte wie Indonesien oder Philippinen überhaupt praktikabel?
  • Soll der industrielle Westen dominieren oder sollen Emerging Markets stärker gewichtet werden?

Der Vorteil liegt in der Steuerung. Der Nachteil liegt im Aufwand.

Je mehr Bausteine ein Portfolio enthält, desto wichtiger werden Rebalancing, Kosten, Überschneidungen und eine klare Strategie.

ETF-Portfolio nach Ländern und Regionen: mögliche Bausteine im Überblick


Die folgende Übersicht zeigt, wie ein ETF-Portfolio aus einzelnen Länder-, Regionen- und Indexbausteinen aufgebaut werden kann — mit möglichen Überschneidungen, beispielhaften Gewichtungen sowie Vor- und Nachteilen.


Die Grafik veranschaulicht, wie Anleger ein ETF-Portfolio ohne klassischen Welt-ETF aus einzelnen Länder-, Regionen- und Index-ETFs zusammenstellen können. Sie zeigt mögliche Bausteine für USA, Europa, Asien, Emerging Markets und Nischenmärkte. Außerdem erklärt sie typische Überschneidungen, etwa wenn ein Europa-ETF zusätzlich mit einem DAX-ETF kombiniert wird oder China über mehrere ETF-Bausteine vertreten ist. Ergänzend werden beispielhafte Gewichtungsmodelle dargestellt, darunter eine stärkere Gewichtung des industriellen Westens, eine ungefähr gleichmäßige regionale Verteilung sowie eine bewusst stärkere Gewichtung von Emerging Markets. Die Grafik fasst zudem die wichtigsten Vorteile und Nachteile einer solchen Strategie zusammen.

Diese Infografik wurde mit Unterstützung von KI erstellt und redaktionell geprüft. Sie dient der vereinfachten Veranschaulichung möglicher Länder-, Regionen- und Indexbausteine in einem ETF-Portfolio. Die dargestellten Gewichtungen, Märkte und Beispiele sind keine Anlageempfehlung und ersetzen keine individuelle Prüfung von ETF-Kosten, Fondsvolumen, Replikationsmethode, Liquidität, steuerlichen Aspekten und persönlicher Risikotragfähigkeit.

USA: Nasdaq 100 und Dow Jones statt einfach S&P 500?

Viele Anleger würden für die USA einfach einen S&P-500-ETF wählen. Das wäre die breitere Standardlösung für große US-Aktien.

Man kann die USA aber auch bewusster aufteilen, zum Beispiel mit:

ETF-Baustein Charakter
Nasdaq 100 wachstums- und technologielastige US-Werte
Dow Jones Industrial Average 30 große US-Blue-Chips
S&P 500 3,50 €

Wer Nasdaq 100 und Dow Jones kombiniert, bildet den US-Markt nicht neutral ab. Er entscheidet sich bewusst für eine Mischung aus großen Wachstumswerten und klassischen Blue Chips.

Das kann interessant sein, weil die Performance der beiden Bausteine deutlicher sichtbar wird. Gleichzeitig kann es aber auch zu Konzentrationen kommen. Der Nasdaq 100 ist stark technologie- und wachstumsorientiert. Der Dow Jones enthält nur 30 Werte und ist dadurch kein breit diversifizierter US-Gesamtmarkt.

Europa: Breiter Regionen-ETF oder einzelne Länder?

Europa kann ebenfalls auf unterschiedliche Weise abgebildet werden.

Ein breiter europäischer ETF wie ein STOXX Europe 600 deckt viele Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern ab. Ein Euro-Stoxx-50-ETF konzentriert sich dagegen auf große Unternehmen aus der Eurozone. Zusätzlich können einzelne Länder wie Deutschland, Frankreich, Schweiz, Spanien, Italien, Österreich, Niederlande oder Polen separat gewichtet werden.

Europa-Baustein Mögliche Rolle
STOXX Europe 600 breiter europäischer Aktienmarkt
Euro Stoxx 50 große Unternehmen der Eurozone
DAX Deutschland
CAC 40 Frankreich
SMI / MSCI Switzerland Schweiz
FTSE MIB Italien
ATX Österreich
AEX Niederlande
WIG20 Polen, eher Spezialbaustein

Wichtig ist: Wer einen breiten Europa-ETF und zusätzlich einzelne Länder-ETFs kauft, übergewichtet diese Länder bewusst. Das ist nicht falsch, sollte aber verstanden werden.

Asien: Japan, Indien und China separat betrachten

Asien ist kein einheitlicher Markt. Japan ist ein entwickelter Aktienmarkt. Indien und China gehören je nach Indexanbieter typischerweise zu den Schwellenländern, unterscheiden sich aber stark in Struktur, Regulierung, Wachstum, Bewertung und politischem Risiko.

Mögliche Bausteine wären:

Asien-Baustein Einordnung
Japan ETF entwickelter asiatischer Aktienmarkt
Indien ETF wachstumsstarker Emerging-Market-Baustein
China ETF großer, aber politisch und regulatorisch anspruchsvoller Markt
China-A-Shares ETF spezieller Zugang zum chinesischen Binnenmarkt
Indonesien / Philippinen kleinere, wachstumsorientierte Nischenmärkte

Gerade bei Indien, Indonesien oder den Philippinen ist wichtig: Wirtschaftswachstum führt nicht automatisch zu ETF-Rendite. Aktienmarktrenditen hängen auch von Bewertung, Währung, Unternehmensqualität, Indexzusammensetzung, Kapitalmarktzugang und politischen Risiken ab.

MSCI betont bei seiner Marktklassifikation ausdrücklich, dass neben wirtschaftlicher Entwicklung auch Größe, Liquidität, Marktzugang und Investierbarkeit eine Rolle spielen.

Lateinamerika, Afrika und Frontier Markets

Wer noch weiter gehen möchte, kann auch Lateinamerika, Brasilien, Südafrika oder Afrika-Bausteine betrachten. Hier wird es aber deutlich spezieller.

Brasilien kann zum Beispiel als Rohstoff-, Banken- und Emerging-Markets-Baustein gesehen werden. Südafrika kann als eigenständiger Afrika-/Rohstoff-/Finanzmarkt betrachtet werden. Breite Afrika-ETFs sind dagegen meist kleine Spezialprodukte und nicht immer physisch replizierend.

Bei solchen Märkten sollte man besonders auf Fondsvolumen, Replikationsmethode, Spread, Liquidität und Kosten achten.

Beispielhafte ETF-Bausteine

Die folgenden ETFs sind keine Empfehlung, sondern Beispiele für bekannte oder verfügbare UCITS-ETFs. Die Auswahl orientiert sich möglichst an hohem Fondsvolumen, physischer Replikation und praktischer Handelbarkeit. Daten können sich ändern und sollten vor einer Investition immer beim Anbieter, im Factsheet, im Basisinformationsblatt und beim eigenen Broker geprüft werden.

Bereich Beispiel-ETF ISIN TER / Fondsvolumen / Replikation Einordnung
USA Wachstum iShares Nasdaq 100 UCITS ETF Acc IE00B53SZB19 0,30 % TER, ca. 23,37 Mrd. € Fondsvolumen großer Nasdaq-100-Baustein; justETF nennt die ISIN, TER und Fondsgröße.
USA Blue Chips iShares Dow Jones Industrial Average UCITS ETF Acc IE00B53L4350 0,33 % TER, ca. 1,68 Mrd. €, vollständige Replikation Dow-Jones-Baustein mit 30 US-Standardwerten.
Deutschland iShares Core DAX UCITS ETF DE Acc DE0005933931 0,16 % TER, ca. 8,78 Mrd. € großer DAX-Baustein für deutsche Standardwerte.
Europa breit iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF DE DE0002635307 0,20 % TER, ca. 9,65 Mrd. € breiter europäischer ETF mit vielen europäischen Aktien.
Eurozone iShares Core EURO STOXX 50 UCITS ETF EUR Acc IE00B53L3W79 0,10 % TER, ca. 7,84 Mrd. €, vollständige Replikation Eurozonen-Blue-Chips; Alternative zum breiteren Europa-Baustein.
Frankreich Amundi CAC 40 UCITS ETF Acc FR0013380607 0,25 % TER, ca. 1,06 Mrd. € französische Standardwerte.
Schweiz UBS MSCI Switzerland 20/35 UCITS ETF CHF acc LU0977261329 0,20 % TER, vollständige Replikation Schweizer Aktienmarkt, defensiver geprägt durch große Pharma-, Konsum- und Finanzwerte.
Spanien Amundi IBEX 35 UCITS ETF FR0010251744 ca. 441 Mio. €, vollständige Replikation spanische Standardwerte, eher gezielter Länderbaustein.
Italien iShares FTSE MIB UCITS ETF Acc IE00B53L4X51 0,33 % TER, ca. 428 Mio. € italienischer Aktienmarkt, bereits spezieller als DAX oder Europa breit.
Österreich iShares ATX UCITS ETF DE DE000A0D8Q23 0,32 % TER, ca. 163 Mio. € österreichischer Spezialbaustein mit geringerem Fondsvolumen.
Niederlande Xtrackers MSCI Japan UCITS ETF 1C IE00B0M62Y33 0,30 % TER, ca. 766–768 Mio. €, vollständige Replikation niederländische Standardwerte.
Japan Xtrackers MSCI Japan UCITS ETF 1C LU0274209740 0,12 % TER, ca. 5,6–5,8 Mrd. € großer Japan-Baustein.
Indien iShares MSCI India UCITS ETF USD Acc IE00BZCQB185 0,65 % TER, ca. 4,60 Mrd. € großer Indien-Baustein, aber deutlich teurer als Standard-ETFs.
China breit HSBC MSCI China UCITS ETF USD IE00B44T3H88 0,28 % TER, ca. 864 Mio. €, vollständige Replikation breiter China-Baustein mit A-, H-, B-Shares, Red Chips und P Chips.
China A-Shares iShares MSCI China A UCITS ETF IE00BQT3WG13 0,40 % TER, ca. 1,99 Mrd. GBP, vollständige Replikation spezieller Zugang zu chinesischen A-Aktien.
Brasilien Xtrackers MSCI Brazil UCITS ETF 1C LU0292109344 0,25 % TER, ca. 231 Mio. €, vollständige Replikation Brasilien-Baustein, aber konzentrierter Emerging Market.
Südafrika iShares MSCI South Africa UCITS ETF IE00B52XQP83 0,65 % TER, ca. 222 Mio. €, vollständige Replikation Südafrika-Baustein, eher Spezialmarkt.
Indonesien HSBC MSCI Indonesia UCITS ETF USD DE000A1JF7Q9 0,60 % TER, ca. 26 Mio. € sehr kleiner Nischen-ETF; nur mit Vorsicht einordnen.
Philippinen Xtrackers MSCI Philippines UCITS ETF 1C LU0592215403 0,65 % TER, ca. 41 Mio. € sehr kleiner Nischen-ETF; eher Beobachtung als Hauptbaustein.
Afrika breit Amundi Pan Africa UCITS ETF Acc LU1287022708 0,85 % TER, ca. 104 Mio. €, synthetische Replikation Nischenbaustein; wegen Kosten, Größe und Swap-Replikation kritisch einordnen.

Was die Tabelle zeigt

Die Tabelle macht einen wichtigen Punkt deutlich:

Nicht jede interessante Region hat automatisch einen großen, günstigen und physisch replizierenden UCITS-ETF.

Bei großen Märkten wie Nasdaq 100, DAX, STOXX Europe 600, Euro Stoxx 50, Japan oder Indien gibt es relativ gut etablierte ETF-Produkte. Bei kleineren Märkten wie Indonesien, Philippinen, Österreich oder Afrika werden Fondsvolumen, Kosten und Liquidität dagegen deutlich wichtiger.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem einfachen Standardportfolio. Je stärker Anleger einzelne Länder auswählen, desto mehr müssen sie auch die Qualität der verfügbaren ETF-Produkte prüfen.

Überschneidungen: Problem oder bewusste Gewichtung?

Bei einem ETF-Portfolio aus Ländern und Regionen lassen sich Überschneidungen nicht immer vermeiden.

Beispiele:

Kombination Mögliche Überschneidung
STOXX Europe 600 + DAX Deutschland wird zusätzlich übergewichtet
Euro Stoxx 50 + CAC 40 + DAX Frankreich und Deutschland können doppelt betont werden
STOXX Europe 600 + Schweiz-ETF Schweizer Aktien können zusätzlich gewichtet werden
Nasdaq 100 + Dow Jones keine breite USA-Abbildung, sondern bewusste Stilaufteilung
China breit + China A-Shares chinesische Aktien werden gezielt stärker gewichtet

Überschneidungen sind nicht automatisch schlecht. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn sie unbewusst entstehen.

Wenn ein Anleger Deutschland, Schweiz, Indien oder Nasdaq 100 bewusst stärker gewichten möchte, kann das Teil der Strategie sein. Dann sollte aber klar sein: Das Portfolio ist nicht mehr neutral nach Weltmarktkapitalisierung aufgebaut, sondern enthält aktive Schwerpunktentscheidungen.

Mögliche Gewichtungen als Gedankenspiel

Die folgenden Gewichtungen sind keine Empfehlung. Sie zeigen nur, wie unterschiedlich ein ETF-Portfolio aus Länder- und Regionenbausteinen aussehen könnte.

Variante 1: Industrieller Westen leicht übergewichtet

Region / Baustein Beispielhafte Gewichtung
Nasdaq 100 17,5 %
Dow Jones 13,20 €
Europa breit / Eurozone 20 %
DAX / Deutschland 5 %
Schweiz 5 %
Frankreich / Italien / Spanien / Österreich 5 %
Japan 10 %
Indien 7,5 %
China 5 %
Brasilien / Südafrika / weitere EM 7,5 %
Summe 100 %

Diese Variante würde USA, Europa und Japan stärker gewichten. Emerging Markets wären enthalten, aber nicht dominant.

Variante 2: Regionen ungefähr gleichmäßiger verteilen

Region / Baustein Beispielhafte Gewichtung
USA: Nasdaq 100 + Dow Jones 25 %
Europa: STOXX Europe 600 / Euro Stoxx 50 / Länder 30 %
Japan 15 %
Indien 10 %
China 7,5 %
Brasilien / Südafrika 7,5 %
Indonesien / Philippinen / kleinere EM-Nischen 5 %
Summe 100 %

Diese Variante macht die regionale Entwicklung sichtbarer. Sie verlangt aber auch mehr Disziplin, weil einzelne Regionen über längere Zeit deutlich besser oder schlechter laufen können.

Variante 3: Emerging Markets bewusst übergewichten

Region / Baustein Beispielhafte Gewichtung
USA: Nasdaq 100 + Dow Jones 25 %
Europa 25 %
Japan 10 %
Indien 15 %
China 10 %
Brasilien / Südafrika 10 %
Indonesien / Philippinen / weitere EM-Nischen 5 %
Summe 100 %

Diese Variante passt zu der These, dass Schwellenländer langfristig wirtschaftlich weiter aufholen könnten. Der IWF führt für Emerging-Market- und Entwicklungsländer eigene Datenreihen zum Anteil am weltweiten BIP nach Kaufkraftparität; solche BIP-Gewichtungen sind aber nicht dasselbe wie investierbare Aktienmarktgewichtungen.

Der wichtige Hinweis lautet deshalb:

Mehr Wirtschaftswachstum bedeutet nicht automatisch höhere ETF-Rendite.

Aktienrenditen hängen auch von Bewertung, Gewinnwachstum, Währung, politischem Risiko, Kapitalmarktzugang, Liquidität und Anlegererwartungen ab.

Vorteile eines Länder- und Regionenportfolios

Ein selbst zusammengestelltes ETF-Portfolio kann mehrere Vorteile haben:

  • Anleger sehen genauer, welche Region zur Performance beiträgt.
  • Die USA müssen nicht automatisch extrem dominant sein.
  • Europa, Japan, Indien oder China können bewusst stärker oder schwächer gewichtet werden.
  • Einzelne Länderthesen lassen sich gezielter umsetzen.
  • Das Portfolio wird transparenter, weil jede Region separat sichtbar ist.
  • Anleger können über Rebalancing bewusst Regionen nachkaufen, die zurückgeblieben sind.

Der zentrale Vorteil ist also nicht automatisch eine bessere Rendite, sondern mehr Kontrolle.

Nachteile und Risiken

Die Nachteile sind ebenfalls klar:

  • mehr Aufwand,
  • mehr Entscheidungen,
  • mehr Rebalancing,
  • mehr mögliche Fehler,
  • teilweise höhere TER bei Spezial-ETFs,
  • kleinere Fondsvolumina bei Nischenmärkten,
  • höhere Spreads möglich,
  • stärkere politische und währungsbezogene Risiken,
  • Gefahr, kurzfristiger Performance hinterherzulaufen.

Gerade Länder-ETFs können stark schwanken. Ein einzelnes Land kann über Jahre unterdurchschnittlich laufen, obwohl die langfristige Wirtschaftsstory überzeugend klingt.

Für wen kann eine solche Strategie passen?

Ein ETF-Portfolio mit Länder- und Regionen-ETFs kann vor allem für Anleger interessant sein, die:

  • keine fertige Weltindex-Gewichtung übernehmen möchten,
  • einzelne Regionen bewusst stärker oder schwächer gewichten wollen,
  • sich regelmäßig mit ihrem Portfolio beschäftigen,
  • Rebalancing nicht als Belastung empfinden,
  • politische, wirtschaftliche und währungsbezogene Risiken verstehen,
  • bei Spezialmärkten besonders auf Fondsvolumen, Kosten und Replikation achten.

Für Anleger, die möglichst einfach investieren möchten, ist diese Strategie dagegen meist zu komplex.

Praxis-Hinweis: Depot und Sparplanfähigkeit prüfen

Nicht jeder Länder- oder Regionen-ETF ist bei jedem Broker als Sparplan verfügbar. Gerade spezielle ETFs auf Österreich, Italien, Indonesien, Philippinen, Brasilien oder Südafrika können je nach Depotbank schwieriger zu besparen sein als große Standard-ETFs.

Vor der Umsetzung sollten Anleger deshalb prüfen:

  • Ist der gewünschte ETF beim eigenen Broker handelbar?
  • Gibt es einen kostenlosen oder günstigen Sparplan?
  • Wie hoch sind Orderkosten und Handelsplatzgebühren?
  • Wie groß ist der Spread?
  • Wie hoch ist das Fondsvolumen?
  • Ist die Replikation physisch oder synthetisch?
  • Ist der ETF thesaurierend oder ausschüttend?
  • Gibt es ausreichende Liquidität?

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Fazit

Ein ETF-Portfolio muss nicht zwingend aus einem fertigen Welt-ETF bestehen. Anleger können Länder, Regionen und Indexbausteine auch selbst kombinieren.

Eine solche Strategie kann besonders interessant sein, wenn Anleger USA, Europa, Japan, Indien, China oder einzelne Spezialmärkte bewusst anders gewichten möchten als ein globaler Standardindex.

Der Vorteil liegt in der Kontrolle. Die Performance einzelner Regionen wird sichtbarer, und Anleger können eigene Schwerpunkte setzen.

Der Nachteil ist die höhere Komplexität. Mehr ETF-Bausteine bedeuten mehr Entscheidungen, mehr Rebalancing und mehr Risiko, einzelne Märkte falsch einzuschätzen.

Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb:

Ein Länder- und Regionenportfolio ist keine automatische Verbesserung gegenüber einem einfachen Welt-ETF. Es ist eine bewusst aktivere ETF-Strategie für Anleger, die ihre regionale Gewichtung selbst steuern möchten.

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