Veröffentlicht: 24. April 2026 · Zuletzt aktualisiert: 24. April 2026 Autor: S. Fiedler 
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Geldanlagen sind mit Risiken verbunden. Prüfen Sie vor einer Entscheidung Ihre persönliche Situation oder lassen Sie sich unabhängig beraten.

Einordnung: Dieser Artikel erklärt den Kaufprozess, nicht die Depotwahl

Kurzüberblick

Anleihen können über ein Wertpapierdepot gekauft und verkauft werden. Für Einsteiger ist jedoch oft unklar, wie der Kauf praktisch abläuft: Welche Rolle spielen ISIN, WKN, Nennwert, Kurs, Kupon, Rendite, Stückzinsen und Limitorder? Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, worauf Privatanleger beim Kauf einzelner Anleihen achten sollten.

Wer Anleihen kaufen möchte, benötigt in der Regel ein Wertpapierdepot. Die Frage, welches Depot sich für den Anleihehandel eignet, hängt von Gebühren, Handelsplätzen, Produktzugang, Steuerabwicklung und persönlicher Anlagestrategie ab.

Dieser Artikel konzentriert sich bewusst auf einen anderen Punkt: Wie funktioniert der konkrete Kauf einer Anleihe über ein Depot?

Wenn Sie noch kein passendes Depot haben oder verschiedene Anbieter vergleichen möchten, lesen Sie ergänzend den Artikel:

Anleihen handeln: Welches Depot eignet sich für den Anleihehandel?

Dort geht es stärker um Depotanbieter, inländische und internationale Broker, Handelsplätze und steuerliche Abwicklung.

Was Anleger beim Kauf einer Anleihe eigentlich erwerben

Eine Anleihe ist ein verzinsliches Wertpapier. Wer eine Anleihe kauft, leiht einem Emittenten Geld. Emittenten können zum Beispiel Staaten, Banken oder Unternehmen sein. Im Gegenzug erhalten Anleger je nach Anleihe regelmäßige Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit die Rückzahlung des Nennwerts, sofern der Emittent zahlungsfähig bleibt.

Die Deutsche Finanzagentur beschreibt Bundeswertpapiere als Schuldverschreibungen des Bundes. Anleger stellen dem Emittenten Kapital zur Verfügung und erhalten dafür einen Anspruch auf Zins- und Rückzahlung nach den jeweiligen Bedingungen. Bei Bundeswertpapieren gibt die Rendite den möglichen Ertrag einer Anleihe genauer wieder als der Kupon allein.

Wichtig ist: Eine Anleihe ist nicht dasselbe wie Tagesgeld oder Festgeld. Tagesgeld ist Bankguthaben. Eine Anleihe ist ein handelbares Wertpapier mit Börsenkurs. Der Kurs kann während der Laufzeit steigen oder fallen.

Schritt 1: Anleihe über ISIN oder WKN suchen

Der einfachste Weg, eine bestimmte Anleihe im Depot zu finden, führt über die ISIN oder WKN.

Die ISIN ist eine internationale Wertpapierkennnummer. Die WKN ist die deutsche Wertpapierkennnummer. Beide Kennnummern helfen dabei, genau das richtige Wertpapier zu finden. Das ist besonders wichtig, weil ein Emittent häufig viele verschiedene Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten, Kupons und Währungen ausstehen hat.

Beispiel:
Ein Staat oder Unternehmen kann gleichzeitig Anleihen mit Fälligkeit 2027, 2030 und 2040 haben. Diese Papiere können sich stark unterscheiden, obwohl sie vom gleichen Emittenten stammen.

Vor dem Kauf sollte daher immer geprüft werden:

  • Stimmt die ISIN oder WKN?
  • Stimmt der Emittent?
  • Stimmt die Laufzeit?
  • Stimmt die Währung?
  • Stimmt der Kupon?
  • Stimmt die Fälligkeit?

Gerade bei Anleihen ist eine sorgfältige Identifikation wichtig. Ein kleiner Unterschied in der Laufzeit oder Währung kann das Risiko deutlich verändern.

Schritt 2: Laufzeit und Fälligkeit prüfen

Die Laufzeit zeigt, wann eine Anleihe regulär zurückgezahlt werden soll. Die Fälligkeit ist einer der wichtigsten Punkte beim Anleihenkauf.

Wenn Sie eine Anleihe bis zur Fälligkeit halten und der Emittent zahlungsfähig bleibt, erhalten Sie in der Regel den Nennwert zurück. Verkaufen Sie die Anleihe jedoch vorzeitig, erhalten Sie den aktuellen Marktpreis. Dieser kann über oder unter Ihrem Kaufpreis liegen.

Die Deutsche Finanzagentur weist darauf hin, dass sich Kurse von Bundesanleihen gegenläufig zu den Zinsen am Rentenmarkt entwickeln. Bei steigenden Zinsen können Kursverluste entstehen. Wird eine Bundesanleihe bis zur Fälligkeit gehalten, kann dieses Kursrisiko durch Marktzinsänderungen jedoch vermieden werden.

Für Privatanleger bedeutet das:

Wenn das Geld in zwei Jahren benötigt wird, sollte die Restlaufzeit der Anleihe möglichst zur eigenen Planung passen. Eine Anleihe mit zehn oder 20 Jahren Laufzeit kann zwar handelbar sein, aber deutlich stärker im Kurs schwanken.

Schritt 3: Kupon, Kurs und Rendite unterscheiden

Ein häufiger Fehler beim Anleihenkauf ist der Blick allein auf den Kupon.

Der Kupon ist die laufende Verzinsung bezogen auf den Nennwert. Die Rendite berücksichtigt zusätzlich den Kaufkurs, die Restlaufzeit und die Rückzahlung bei Fälligkeit.

Beispiel:

Eine Anleihe hat einen Nennwert von 1.000 Euro und einen Kupon von 4 Prozent. Dann zahlt sie 40 Euro Zinsen pro Jahr. Wird diese Anleihe aber zu 1.080 Euro gekauft und am Ende nur zu 1.000 Euro zurückgezahlt, mindert der Kursverlust die tatsächliche Rendite.

Umgekehrt kann eine Anleihe mit niedrigem Kupon interessant sein, wenn sie deutlich unter 100 Prozent gekauft wird und am Ende zu 100 Prozent zurückgezahlt wird.

Deshalb sollten Anleger nicht nur fragen:

Wie hoch ist der Kupon?

Sondern vor allem:

Wie hoch ist die Rendite bis zur Fälligkeit nach Kosten und vor Steuern?

Die Verbraucherzentrale erklärt ebenfalls, dass Anleger bei einzelnen Bundesanleihen vorab auf Zins, Laufzeit und Rendite achten sollten. Bundeswertpapiere und Anleihen-ETFs werden an der Börse gehandelt und können an Börsentagen gekauft und verkauft werden.

Schritt 4: Den Kurs richtig verstehen

Anleihen werden häufig in Prozent des Nennwerts notiert.

Ein Kurs von 100 Prozent bedeutet: Die Anleihe notiert zum Nennwert.
Ein Kurs von 98 Prozent bedeutet: Die Anleihe wird unter dem Nennwert gehandelt.
Ein Kurs von 103 Prozent bedeutet: Die Anleihe wird über dem Nennwert gehandelt.

Beispiel:

Sie kaufen eine Anleihe mit 10.000 Euro Nennwert zu einem Kurs von 98 Prozent.

Dann beträgt der Kurswert:

10.000 Euro × 98 Prozent = 9.800 Euro

Hinzu kommen mögliche Stückzinsen und Orderkosten.

Wird die Anleihe später zu 100 Prozent zurückgezahlt, erhalten Sie 10.000 Euro zurück, sofern der Emittent zahlungsfähig bleibt. In diesem Fall entsteht zusätzlich zu den Zinszahlungen ein Kursgewinn von 200 Euro vor Kosten und Steuern.

Schritt 5: Stückzinsen berücksichtigen

Stückzinsen sind für viele Einsteiger verwirrend, aber beim Anleihenkauf wichtig.

Wenn eine Anleihe einmal jährlich Zinsen zahlt und zwischen zwei Zinsterminen verkauft wird, hat der Verkäufer bereits einen Teil des laufenden Zinsanspruchs „verdient“. Der Käufer zahlt diesen anteiligen Zinsanspruch beim Kauf mit. Beim nächsten Zinstermin erhält der Käufer dann die volle Zinszahlung.

Die Deutsche Börse erklärt, dass Stückzinsen die anteiligen Zinsansprüche seit dem letzten Zinstermin darstellen. Bei Anleihen können Preise je nach Darstellung mit oder ohne Stückzinsen angezeigt werden.

Für Anleger bedeutet das:

Der angezeigte Kurswert ist nicht immer identisch mit dem endgültigen Abrechnungsbetrag. Vor dem Kauf sollten daher immer geprüft werden:

  • Kurswert
  • Stückzinsen
  • Ordergebühren
  • Handelsplatzentgelt
  • gesamter Abrechnungsbetrag

Schritt 6: Handelsplatz auswählen

Viele Anleihen können über verschiedene Handelsplätze gekauft werden. Je nach Depotanbieter stehen zum Beispiel deutsche Börsenplätze oder außerbörsliche Handelsmöglichkeiten zur Verfügung.

Beim Handelsplatz sollten Anleger nicht nur auf den angezeigten Kurs achten. Wichtig sind auch:

  • Geldkurs und Briefkurs
  • Spread
  • Handelsvolumen
  • letzte Preisfeststellung
  • Handelszeiten
  • zusätzliche Börsen- oder Handelsplatzentgelte

Der Briefkurs ist vereinfacht der Preis, zu dem Anleger kaufen können. Der Geldkurs ist der Preis, zu dem Anleger verkaufen können. Die Differenz zwischen beiden Kursen nennt man Spread.

Bei sehr liquiden Staatsanleihen ist der Spread oft enger. Bei weniger liquiden Unternehmensanleihen kann er deutlich größer sein. Ein größerer Spread erhöht indirekt die Handelskosten.

Schritt 7: Orderart wählen

Beim Kauf von Anleihen ist eine Limitorder häufig sinnvoller als eine unlimitierte Marketorder.

Mit einer Limitorder legen Sie fest, bis zu welchem maximalen Kurs Sie kaufen möchten. Dadurch können Sie verhindern, dass Ihre Order zu einem unerwartet ungünstigen Preis ausgeführt wird.

Die BaFin weist darauf hin, dass Anleger mit Orderlimits verhindern können, dass ein Wertpapierauftrag zu einem unerwartet hohen Preis ausgeführt wird.

Beispiel:

Eine Anleihe wird aktuell zu 99,80 Prozent angeboten. Sie möchten nicht mehr als 100,00 Prozent zahlen. Dann könnten Sie eine Kauforder mit Limit 100,00 Prozent aufgeben.

Wird die Anleihe zu diesem Kurs oder günstiger angeboten, kann die Order ausgeführt werden. Liegt der verfügbare Kurs darüber, wird die Order nicht oder nur teilweise ausgeführt.

Schritt 8: Nominalbetrag eingeben

Bei Aktien kaufen Anleger meist eine bestimmte Stückzahl. Bei Anleihen wird häufig ein Nominalbetrag eingegeben.

Beispiel:

Sie möchten Anleihen im Nennwert von 5.000 Euro kaufen. Wenn die Mindeststückelung 1.000 Euro beträgt, können Sie zum Beispiel 5.000 Euro nominal kaufen.

Wichtig: Der tatsächliche Kaufbetrag kann vom Nominalbetrag abweichen, weil der Kurs über oder unter 100 Prozent liegen kann und zusätzlich Stückzinsen sowie Gebühren anfallen.

Beispiel:

  • Nominalbetrag: 5.000 Euro
  • Kurs: 101 Prozent
  • Kurswert: 5.050 Euro
  • plus Stückzinsen
  • plus Orderkosten

Der finale Abrechnungsbetrag liegt also über 5.050 Euro.

Schritt 9: Order prüfen und absenden

Vor dem Absenden der Order sollten Anleger die Ordermaske sorgfältig prüfen.

Wichtige Kontrollfragen:

  • Ist die richtige ISIN ausgewählt?
  • Stimmt der Emittent?
  • Stimmt die Fälligkeit?
  • Stimmt die Währung?
  • Ist der Nominalbetrag korrekt?
  • Wurde ein Limit gesetzt?
  • Welcher Handelsplatz wird genutzt?
  • Wie hoch sind Stückzinsen und Gebühren?
  • Wie hoch ist der voraussichtliche Gesamtbetrag?
  • Passt die Anleihe zur eigenen Risikobereitschaft?

Erst wenn diese Punkte geprüft sind, sollte die Order abgeschickt werden.

Gerade bei Anleihen ist Sorgfalt wichtig, weil viele Papiere ähnliche Namen tragen. Außerdem können Laufzeit, Währung, Nachrangigkeit oder Kündigungsrechte erhebliche Auswirkungen auf Risiko und Rendite haben.

Schritt 10: Nach dem Kauf die Anleihe im Depot überwachen

Nach Ausführung der Order erscheint die Anleihe im Depot. Dort sehen Anleger meist den aktuellen Kurswert, den Einstandskurs, die Stückzahl oder den Nominalbetrag und die Wertentwicklung.

Wichtig ist jedoch: Zwischenzeitliche Kursverluste sind nicht automatisch realisierte Verluste. Wer eine Anleihe bis zur Fälligkeit hält und der Emittent zahlt, erhält in der Regel den Nennwert zurück. Wer vorher verkauft, realisiert dagegen den aktuellen Marktpreis.

Anleger sollten während der Haltedauer im Blick behalten:

  • Zinstermine
  • Fälligkeit
  • Bonitätsveränderungen des Emittenten
  • mögliche Kündigungsrechte
  • Zinsumfeld
  • Liquidität der Anleihe
  • eigene Liquiditätsplanung

Beispiel: Kauf einer Anleihe Schritt für Schritt

Ein Anleger möchte einen Teil seines defensiven Vermögensbausteins für zwei Jahre anlegen.

Er findet eine Anleihe mit folgenden Merkmalen:

  • Emittent: solider Staat oder Unternehmen
  • Währung: Euro
  • Nennwert: 1.000 Euro je Stückelung
  • gewünschter Nominalbetrag: 10.000 Euro
  • Kurs: 98,50 Prozent
  • Kupon: 2,50 Prozent p. a.
  • Restlaufzeit: 2 Jahre
  • Rückzahlung: 100 Prozent bei Fälligkeit

Der Kurswert beträgt:

10.000 Euro × 98,50 Prozent = 9.850 Euro

Hinzu kommen Stückzinsen und Ordergebühren.

Wenn der Anleger die Anleihe bis zur Fälligkeit hält und der Emittent zahlungsfähig bleibt, erhält er am Ende 10.000 Euro zurück. Zusätzlich erhält er während der Laufzeit die Kuponzahlungen. Die tatsächliche Rendite ergibt sich aus laufenden Zinsen, Kursgewinn bis zur Rückzahlung, Kosten und steuerlicher Behandlung.

Dieses Beispiel zeigt: Eine Anleihe sollte nicht nur nach Kupon ausgewählt werden. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Kaufkurs, Restlaufzeit, Rückzahlung, Kosten und Bonität.

Was passiert bei Fälligkeit?

Am Ende der Laufzeit wird eine klassische Anleihe in der Regel zum Nennwert zurückgezahlt. Bei einer Rückzahlung zu 100 Prozent erhält der Anleger den Nennwert zurück, sofern der Emittent zahlungsfähig ist.

Beispiel:

Sie halten 10.000 Euro nominal einer Anleihe. Wird sie zu 100 Prozent zurückgezahlt, erhalten Sie 10.000 Euro zurück.

Wichtig: Während der Laufzeit kann der Kurs der Anleihe schwanken. Diese Schwankungen sind für Anleger, die bis zur Fälligkeit halten und keinen Ausfall erleiden, weniger entscheidend. Für Anleger, die vorher verkaufen müssen, sind sie dagegen sehr wichtig.

Was passiert bei einem Verkauf vor Fälligkeit?

Anleihen sind grundsätzlich handelbare Wertpapiere. Viele Staatsanleihen können börsentäglich gekauft und verkauft werden. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Bundeswertpapiere und Anleihen-ETFs an der Börse gehandelt werden und an Börsentagen gekauft und verkauft werden können.

Aber: Der Verkauf erfolgt zum aktuellen Marktpreis. Dieser kann höher oder niedriger sein als der Kaufpreis.

Ein Verkauf vor Fälligkeit kann sinnvoll sein, wenn:

  • der Anleger Liquidität benötigt,
  • der Kurs deutlich gestiegen ist,
  • sich die Bonität des Emittenten verschlechtert,
  • sich die eigene Strategie geändert hat.

Ein Verkauf kann aber auch Verluste verursachen, insbesondere wenn die Marktzinsen seit dem Kauf gestiegen sind oder die Anleihe weniger liquide ist.

Welche Risiken sollten Anleger vor dem Kauf kennen?

Zinsänderungsrisiko

Steigen die Marktzinsen, fallen bestehende Anleihen häufig im Kurs. Fallen die Marktzinsen, können bestehende Anleihen im Kurs steigen. Dieser Zusammenhang ist besonders bei längeren Laufzeiten relevant. Die Deutsche Finanzagentur beschreibt diesen inversen Zusammenhang zwischen Marktzins und Anleihekurs ausdrücklich.

Kursrisiko bei Verkauf vor Fälligkeit

Wer vor Fälligkeit verkauft, erhält den aktuellen Marktpreis. Dadurch können Kursgewinne oder Kursverluste entstehen.

Emittentenrisiko

Der Emittent kann in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Bei Bundeswertpapieren ist dieses Risiko im Vergleich zu vielen Unternehmens- oder Hochzinsanleihen niedriger. Bei Unternehmensanleihen, Nachranganleihen oder Hochzinsanleihen kann es deutlich höher sein.

Liquiditätsrisiko

Nicht jede Anleihe ist jederzeit gut handelbar. Bei weniger liquiden Anleihen können Spreads größer sein. Das kann den Kauf verteuern und den Verkauf erschweren.

Währungsrisiko

Anleihen in Fremdwährungen können zusätzliche Chancen und Risiken bringen. Selbst wenn die Anleihe in ihrer Heimatwährung stabil läuft, kann die Rendite in Euro durch Wechselkurse deutlich schwanken.

Kündigungs- und Strukturierungsrisiken

Manche Anleihen enthalten besondere Bedingungen, etwa Kündigungsrechte des Emittenten, Nachrangigkeit oder komplexe Zinsmechanismen. Solche Merkmale können die tatsächliche Rendite und das Risiko erheblich verändern.

Häufige Fehler beim Kauf von Anleihen

Fehler 1: Nur auf den Zinssatz schauen

Ein hoher Kupon wirkt attraktiv, sagt aber wenig über die tatsächliche Rendite aus. Entscheidend sind Kaufkurs, Restlaufzeit, Rückzahlung, Kosten und Bonität.

Fehler 2: Die Laufzeit unterschätzen

Lange Laufzeiten reagieren stärker auf Zinsänderungen. Wer das Geld möglicherweise früher benötigt, sollte die Laufzeit besonders sorgfältig wählen.

Fehler 3: Ohne Limit kaufen

Eine unlimitierte Order kann zu einer ungünstigen Ausführung führen. Besonders bei weniger liquiden Anleihen ist eine Limitorder oft sinnvoll.

Fehler 4: Stückzinsen vergessen

Der endgültige Abrechnungsbetrag kann höher sein als erwartet, wenn Stückzinsen hinzukommen.

Fehler 5: Fremdwährungsrisiken unterschätzen

Eine hohe Rendite in einer Fremdwährung kann durch Wechselkursverluste in Euro teilweise oder vollständig aufgezehrt werden.

Fehler 6: Nachrangigkeit und Sonderbedingungen ignorieren

Nicht jede Anleihe ist gleich sicher. Nachranganleihen, strukturierte Anleihen oder kündbare Anleihen können deutlich komplexer sein als klassische Staatsanleihen.

Praktische Checkliste vor dem Anleihenkauf

Vor dem Kauf einer einzelnen Anleihe sollten Sie mindestens diese Punkte prüfen:

  • ISIN / WKN: Ist es wirklich die gewünschte Anleihe?
  • Emittent: Wer schuldet Ihnen das Geld?
  • Bonität: Wie solide ist der Schuldner?
  • Währung: Euro oder Fremdwährung?
  • Fälligkeit: Passt die Laufzeit zu Ihrem Anlagehorizont?
  • Kupon: Wie hoch ist die laufende Verzinsung?
  • Kurs: Kaufen Sie über, unter oder zu 100 Prozent?
  • Rendite: Wie hoch ist die Rendite bis zur Fälligkeit?
  • Stückzinsen: Wie hoch ist der zusätzliche Abrechnungsbetrag?
  • Kosten: Welche Order- und Handelsplatzgebühren fallen an?
  • Liquidität: Ist die Anleihe gut handelbar?
  • Orderart: Ist ein Limit gesetzt?
  • Risiken: Gibt es Nachrangigkeit, Kündigungsrechte oder besondere Bedingungen?

Anleihen kaufen oder Anleihen-ETF nutzen?

Nicht jeder Anleger möchte einzelne Anleihen auswählen. Eine Alternative können Anleihen-ETFs sein. Diese bündeln viele Anleihen in einem Fonds und ermöglichen eine breitere Streuung.

Allerdings unterscheiden sich klassische Anleihen-ETFs von Einzelanleihen. Eine Einzelanleihe hat eine konkrete Fälligkeit. Ein klassischer Anleihen-ETF hat meist kein festes Rückzahlungsdatum, sondern hält laufend ein Portfolio aus verschiedenen Anleihen.

Die Verbraucherzentrale nennt Anleihen-ETFs als mögliche Alternative zu Festgeld oder Sparbriefen, weist aber darauf hin, dass Anleihen-ETFs kein Fälligkeitsdatum haben.

Für Anleger bedeutet das:

  • Einzelanleihen eignen sich eher, wenn eine bestimmte Laufzeit geplant werden soll.
  • Anleihen-ETFs eignen sich eher für breite Streuung im Portfolio.
  • Kurzlaufende Anleihen schwanken meist weniger als langlaufende Anleihen.
  • Bei beiden Varianten sind Kosten, Risiken und Anlagehorizont wichtig.

Wann kann der Kauf einzelner Anleihen sinnvoll sein?

Der Kauf einzelner Anleihen kann sinnvoll sein, wenn Anleger:

  • einen bestimmten Anlagezeitraum planen,
  • die Anleihe bis zur Fälligkeit halten möchten,
  • den Emittenten und die Bedingungen verstehen,
  • Kursschwankungen während der Laufzeit akzeptieren können,
  • nicht auf tägliche Verfügbarkeit wie beim Tagesgeld angewiesen sind,
  • die Kosten des Kaufs kennen.

Besonders hochwertige kurzlaufende Staatsanleihen können für sicherheitsorientierte Anleger interessant sein. Unternehmensanleihen, Fremdwährungsanleihen oder Hochzinsanleihen erfordern dagegen deutlich mehr Prüfung.

Wann ist Vorsicht geboten?

Besondere Vorsicht ist angebracht bei:

  • auffällig hohen Renditen,
  • schwacher Bonität,
  • langen Laufzeiten,
  • Fremdwährungsanleihen,
  • Nachranganleihen,
  • strukturierten Anleihen,
  • sehr geringer Handelbarkeit,
  • unklaren Kündigungsbedingungen,
  • fehlendem Verständnis der Produktbedingungen.

Eine einfache Faustregel lautet:

Je höher die Rendite im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen ist, desto genauer sollte geprüft werden, welches zusätzliche Risiko dafür übernommen wird.

Depotanbieter für den Wertpapierhandel

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*Werbung /Anzeige / Affiliate-Links: Wenn Sie Anleihen kaufen möchten, benötigen Sie in der Regel ein Wertpapierdepot. Bei ausgewählten Banken und Online-Brokern können Anleger je nach Anbieter Depots eröffnen, über die sich Anleihen, Aktien, ETFs oder ETF-Sparpläne handeln beziehungsweise umsetzen lassen. Bitte vergleichen Sie vorab die aktuellen Konditionen, Gebühren, Handelsplätze und Risiken des jeweiligen Anbieters.

Fazit: Der Kauf ist einfach, die Prüfung davor entscheidend

Anleihen zu kaufen ist technisch nicht kompliziert. Anleger suchen die gewünschte Anleihe über ISIN oder WKN, prüfen Laufzeit, Kurs, Rendite und Stückzinsen, wählen einen Handelsplatz, setzen idealerweise ein Limit und bestätigen die Order.

Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Ordermaske, sondern in der Auswahl. Eine Anleihe sollte nie nur wegen eines hohen Zinssatzes gekauft werden. Entscheidend sind Emittent, Bonität, Laufzeit, Kaufkurs, Rendite, Kosten, Liquidität und die Frage, ob die Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten werden soll.

Für Einsteiger sind einfache, gut handelbare und verständliche Anleihen meist geeigneter als komplexe Produkte mit hoher Rendite. Wer eine Anleihe nicht versteht, sollte sie nicht kaufen.

Die wichtigste Regel lautet daher:

Prüfen Sie vor dem Kauf nicht nur den Zinssatz, sondern das gesamte Verhältnis aus Rendite, Laufzeit, Bonität, Kosten und Risiko.

Häufige Fragen zum Kauf von Anleihen

Brauche ich für Anleihen ein Depot?

Ja, für den Kauf börsengehandelter Anleihen benötigen Anleger in der Regel ein Wertpapierdepot. Dort werden die Anleihen verwahrt und über das Depot können sie gekauft oder verkauft werden.

Was ist wichtiger: Kupon oder Rendite?

Wichtiger ist die Rendite bis zur Fälligkeit. Der Kupon zeigt nur die laufende Verzinsung bezogen auf den Nennwert. Die tatsächliche Rendite hängt zusätzlich vom Kaufkurs, der Restlaufzeit, der Rückzahlung und den Kosten ab.

Warum sollte ich beim Anleihenkauf ein Limit setzen?

Ein Limit schützt davor, zu einem unerwartet hohen Preis zu kaufen. Gerade bei weniger liquiden Anleihen können Kurse und Spreads stärker schwanken. Die BaFin empfiehlt Orderlimits als Schutz vor unerwartet ungünstigen Ausführungen.

Kann ich Anleihen jederzeit verkaufen?

Viele liquide Anleihen, insbesondere Staatsanleihen, können börsentäglich verkauft werden. Der Verkauf erfolgt jedoch zum aktuellen Marktpreis. Dadurch können Gewinne oder Verluste entstehen.

Was sind Stückzinsen?

Stückzinsen sind anteilige Zinsansprüche, die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufen sind. Beim Kauf einer Anleihe zahlt der Käufer diese anteiligen Zinsen in der Regel an den Verkäufer mit.

Sind Anleihen sicherer als Aktien?

Anleihen können defensiver sein als Aktien, sind aber nicht risikofrei. Sie tragen unter anderem Zinsänderungsrisiko, Kursrisiko, Emittentenrisiko, Liquiditätsrisiko und bei Fremdwährungen zusätzlich Währungsrisiko.

Was passiert, wenn ich eine Anleihe bis zur Fälligkeit halte?

Wenn der Emittent zahlungsfähig bleibt, wird eine klassische Anleihe am Ende der Laufzeit in der Regel zum Nennwert zurückgezahlt. Zwischenzeitliche Kursschwankungen sind dann weniger entscheidend als bei einem vorzeitigen Verkauf.

Weiterführende Artikel zum Thema Anleihen (Bonds)

Wenn Sie erst die Grundlagen verstehen möchten, sind die folgenden Artikel ein guter Einstieg:

Außerdem interessant: 

Lesen Sie auch: 

➡️Anleihen handeln - welches Depot ist das Richtige

➡️Anleihen kaufen - Schritt für Schritt Anleitung

➡️Anleihen ETFs vs. Einzelanleihen

 

➡️ Zurück zur Übersicht: Anleihen

 


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