Veröffentlicht: 12. August 2026 · Zuletzt aktualisiert: 12. August 2026 Autor: S. Fiedler
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sowohl Turbo-/Knock-Out-Produkte als auch CFDs sind hochriskante Hebelprodukte und können zu erheblichen Verlusten führen.
Turbo-Zertifikate / Knock-Out-Optionsscheine vs. CFDs: Unterschiede bei Hebel und Risiko
Turbo-Zertifikate und CFDs ermöglichen es, mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz überproportional an Kursbewegungen eines Basiswerts zu partizipieren. Die Art und Weise, wie dieser Hebel entsteht und wie Verluste begrenzt beziehungsweise Positionen beendet werden, unterscheidet sich jedoch erheblich.
Besonders wichtig ist dabei die Knock-Out-Barriere. Bei Turbo-Zertifikaten beziehungsweise Produkten, die am Markt auch als Knock-Out-Zertifikate, Knock-Out-Optionsscheine oder Turbo-Optionsscheine bezeichnet werden, ist sie Bestandteil der Produktkonstruktion. CFDs besitzen dagegen grundsätzlich keine vergleichbare feste Kursbarriere im Produkt. Hier erfolgt die Absicherung des CFD-Anbieters über das Margin-System.
Die BaFin verwendet für die von ihrer seit dem 16. Juni 2026 geltenden Produktinterventionsmaßnahme erfassten Produkte den Oberbegriff Turbo-Zertifikate. Auch Bezeichnungen wie Knock-Out-Optionsschein werden am Markt für Produkte mit entsprechender Knock-Out-Mechanik verwendet.
Damit stellt sich eine interessante Frage:
Welche praktischen Unterschiede entstehen für Trader durch Knock-Out-Barriere und Margin-System – insbesondere bei kurzfristigen Kursrücksetzern, Positionsgröße und Risikomanagement?
Turbo-Zertifikat und CFD im direkten Vergleich
| Merkmal | Turbo-/Knock-Out-Produkt | CFD |
|---|---|---|
| Hebel | durch Finanzierungskomponente und Abstand zu Basispreis/Barriere | durch Margin |
| feste Knock-Out-Barriere | ja | grundsätzlich nein |
| eigener Stop-Loss | zusätzlich möglich | frei festlegbar |
| vorzeitige Beendigung | bei Erreichen der Knock-Out-Barriere | möglich durch Margin-Close-out |
| Teilverkauf | grundsätzlich möglich | grundsätzlich möglich |
| Long und Short | möglich | möglich |
| Finanzierungskosten | in Produktkonstruktion berücksichtigt | typischerweise bei Overnight-Positionen |
| maximaler Verlust des einzelnen Kaufs | grundsätzlich eingesetzter Kaufpreis zuzüglich Kosten | abhängig von Position und Konto; für regulierte Retail-CFDs bestehen Schutzmechanismen |
| Emittent/Anbieter | Wertpapier eines Emittenten | Vertrag mit CFD-Anbieter |
| klassische Optionsgriechen | nicht wie beim klassischen Optionsschein | nein |
Der Vergleich zeigt bereits: Beide Instrumente besitzen Hebel, aber die Risikomechanik ist unterschiedlich.
Woher kommt der Hebel beim Turbo-Zertifikat?
Der Hebel eines Turbo-Calls lässt sich vereinfacht dadurch erklären, dass der Anleger nicht den gesamten Wert des Basiswerts selbst finanziert.
Ein Emittent beschreibt diese Konstruktion selbst anhand eines Aktienbeispiels: Ein Teil des wirtschaftlichen Engagements wird über den sogenannten Basispreis beziehungsweise die Finanzierungskomponente abgebildet. Für diese Finanzierung fallen Kosten an.
Ein stark vereinfachtes Beispiel:
Eine Aktie steht bei:
50 Euro
Ein Turbo-Call besitzt einen Basispreis von ungefähr:
49 Euro
Bei einem angenommenen Bezugsverhältnis von 1:1 beträgt der reine Abstand zunächst nur:
50 € – 49 € = 1 €
Der Anleger setzt damit nicht 50 Euro wie beim direkten Aktienkauf ein, sondern in diesem vereinfachten Modell nur ungefähr 1 Euro für das Turbo-Produkt.
Bewegt sich die Aktie anschließend von 50 auf 51 Euro, hat sie selbst lediglich:
+2 Prozent
zugelegt.
Der Abstand zum Basispreis steigt dagegen von ungefähr 1 Euro auf 2 Euro.
Der theoretische Wert des Turbo-Calls hätte sich damit – unter Vernachlässigung von Spread, Finanzierungskosten, Auf-/Abgeldern und weiteren Produkteigenschaften – ungefähr verdoppelt.
Genau daraus entsteht der hohe Hebel.
Der hohe Hebel hat jedoch eine Gegenleistung
Der Emittent finanziert wirtschaftlich betrachtet einen großen Teil des Engagements. Gleichzeitig befindet sich die kritische Schwelle sehr nahe am aktuellen Kurs.
Fällt die Aktie von 50 Euro entsprechend stark in Richtung der Knock-Out-Barriere, kann das Produkt vorzeitig beendet werden.
Die BaFin verdeutlicht denselben Mechanismus anhand eines Indexbeispiels: Bei einem Indexstand von 20.000 Punkten und einer Finanzierungsschwelle von 19.800 Punkten kostet ein Turbo bei einem Bezugsverhältnis von 0,01 vereinfacht 2 Euro. Bereits eine vergleichsweise kleine Bewegung des Index erzeugt dadurch eine wesentlich größere prozentuale Veränderung des Turbo-Zertifikats. Wird dagegen die Knock-Out-Schwelle erreicht, kann der Einsatz verloren gehen.
Eine weiter entfernte Knock-Out-Barriere kostet mehr Kapital
Nun kann ein Anleger natürlich einen Turbo wählen, dessen Basispreis beziehungsweise Knock-Out-Barriere wesentlich weiter vom aktuellen Kurs entfernt liegt.
Wieder steht die Aktie bei:
50 Euro
Statt eines Basispreises nahe 49 Euro wird nun vereinfacht ein Basispreis von:
20 Euro
angenommen.
Der Abstand beträgt:
30 Euro
Das Produkt wäre damit erheblich teurer.
Gleichzeitig könnte die Aktie wesentlich stärker fallen, bevor die kritische Schwelle erreicht wird.
Der Anleger erkauft sich diesen zusätzlichen Puffer also durch einen höheren eigenen Kapitaleinsatz und einen niedrigeren Hebel.
Genau daraus ergibt sich ein grundlegender Zielkonflikt bei Turbo-Produkten:
Hoher Hebel = geringer Kapitaleinsatz, aber meist geringerer Abstand zur kritischen Schwelle.
Niedrigerer Hebel = größerer Kapitaleinsatz, dafür größerer Kurspuffer.
Dabei ist zu beachten, dass Basispreis und Knock-Out-Barriere je nach konkreter Produktvariante identisch sein oder voneinander abweichen können. Bei bestimmten Unlimited- beziehungsweise Mini-Turbos können Basispreis und Barriere zudem im Zeitablauf angepasst werden.
Woher kommt der Hebel beim CFD?
Bei einem CFD funktioniert die Hebelwirkung anders.
Der Trader hinterlegt beim Anbieter eine Margin, muss also nur einen Teil des Nominalwerts seiner Marktposition als Sicherheitsleistung bereitstellen.
Bei regulierten CFDs für Kleinanleger gelten in Deutschland beziehungsweise im europäischen Regulierungsrahmen Hebelbegrenzungen. Die ursprünglichen ESMA-Produktinterventionsmaßnahmen sehen beispielsweise maximal 20:1 für große Aktienindizes und 5:1 für einzelne Aktien vor. Zusätzlich bestehen ein Margin-Close-out-Schutz und ein Negativsaldoschutz auf Kontoebene.
Der entscheidende Unterschied zum Turbo:
Der CFD besitzt normalerweise keine feste Knock-Out-Marke im Kurs des Basiswerts.
Ein Dow-, DAX- oder Aktien-CFD wird also nicht automatisch allein deshalb beendet, weil der Basiswert beispielsweise einen vorher definierten Kurs von 19.800 Punkten erreicht.
Stattdessen ist entscheidend, ob auf dem CFD-Konto noch genügend Margin vorhanden ist.
Knock-Out-Barriere vs. Margin-Close-out
Dieser Unterschied ist für das Risikomanagement besonders wichtig.
Beim Turbo
Die Knock-Out-Barriere ist Bestandteil des Produkts.
Wird sie gemäß den konkreten Produktbedingungen erreicht, kann das Produkt fällig gestellt werden.
Ob sich der Basiswert fünf Minuten, zwei Stunden oder einen Tag später wieder erholt, hilft dem Anleger dann nicht mehr.
Die BaFin weist ausdrücklich auf dieses Risiko hin: Selbst wenn die längerfristige Einschätzung des Traders richtig gewesen wäre, kann bereits eine kurzfristige Bewegung bis zur Knock-Out-Schwelle zum Verlust führen.
Beim CFD
Eine vergleichbare feste Kursmarke existiert nicht.
Der Trader kann theoretisch selbst entscheiden, welchen Kursrückgang er akzeptieren möchte – beispielsweise über:
- Positionsgröße
- eigenen Stop-Loss
- Teilreduzierung der Position
- verfügbares Kontokapital
- gegebenenfalls eine Gegenposition
Diese Flexibilität bedeutet allerdings nicht, dass ein CFD beliebig lange im Verlust gehalten werden kann.
Für regulierte Retail-CFDs greift ein Margin-Close-out-Mechanismus. Sinkt das verfügbare Kapital im Verhältnis zur benötigten Margin zu weit ab, muss der CFD-Anbieter eine oder mehrere Positionen schließen. Im europäischen Schutzrahmen liegt dieser Schwellenwert bei 50 Prozent der erforderlichen Initial Margin auf Kontoebene.
Man könnte den Unterschied deshalb vereinfacht so beschreiben:
Turbo: produktseitige Kursbarriere
gegen
CFD: kontobasierte Margin-Grenze
Beispiel: Der Markt fällt kurz unter die Knock-Out-Barriere und steigt danach
Ein vereinfachtes Indexbeispiel macht den Unterschied deutlich.
Angenommen ein Index steht bei:
20.000 Punkten
Ein Turbo-Long besitzt eine relevante Knock-Out-Barriere bei:
19.950 Punkten
Nun entwickelt sich der Markt folgendermaßen:
20.000 → 19.940 → 20.100 → 20.300 Punkte
Die grundsätzliche Long-Einschätzung des Traders wäre am Ende richtig gewesen.
Der Turbo hätte die Erholung jedoch möglicherweise nicht mehr erlebt, weil der Index zwischenzeitlich seine Knock-Out-Barriere erreicht beziehungsweise unterschritten hat.
Bei einem CFD führt derselbe Rückgang um 60 Punkte nicht automatisch zu einer produktbedingten Beendigung.
Ob die Position bestehen bleibt, hängt unter anderem von:
- Positionsgröße
- Kontokapital
- verfügbarer Margin
- eigenen Stop-Loss-Regeln
ab.
Dies kann für Trader ein erheblicher praktischer Unterschied sein.
Gleichzeitig darf daraus nicht der Schluss entstehen, eine CFD-Position sei automatisch sicherer. Wer die CFD-Position stark überdimensioniert, kann auch bei einer relativ kleinen Marktbewegung einen erheblichen Teil seines Kontos verlieren oder in die Margin-Glattstellung geraten.
Können CFDs Kursrücksetzer besser „aussitzen“?
Konstruktiv besitzen CFDs hier mehr Flexibilität – aber nur bei entsprechender Positionsgröße.
Ein Trader kann beispielsweise bewusst eine kleine CFD-Position eröffnen und genügend freie Margin vorhalten.
Ein zwischenzeitlicher Rückgang führt dann nicht zwingend zur sofortigen Beendigung der Position.
Beim eng gehebelten Turbo ist diese Möglichkeit begrenzt, weil die Knock-Out-Barriere unabhängig davon gilt, wie viel weiteres Kapital der Anleger noch auf seinem Depot besitzt.
Das ist ein wesentlicher Unterschied:
Mehr Kapital auf dem Depot verschiebt die Knock-Out-Barriere eines bereits gekauften Turbo-Zertifikats nicht.
Beim CFD kann zusätzliches freies Kontokapital dagegen grundsätzlich den Abstand zur Margin-Glattstellung vergrößern.
Das macht CFDs flexibler – gleichzeitig entsteht daraus eine zusätzliche Gefahr: Verluste können länger anwachsen, wenn der Trader keine klare Verlustbegrenzung besitzt.
Ein automatischer Knock-out ist brutal, begrenzt aber den Verlust des einzelnen gekauften Turbo-Produkts.
Der CFD gibt dem Trader mehr Entscheidungsspielraum – und damit gleichzeitig mehr Verantwortung für Positionsgröße und Verlustbegrenzung.
Teilverkäufe und Positionsanpassung
Bei beiden Instrumenten können Positionen grundsätzlich reduziert werden.
Ein CFD lässt sich in der Praxis jedoch besonders unmittelbar über die Positionsgröße steuern.
Beispielsweise kann ein Trader:
- zunächst 2 CFDs halten,
- einen CFD schließen,
- den zweiten weiterlaufen lassen.
Oder eine Position beispielsweise von 1,0 auf 0,5 Kontrakte reduzieren, sofern der jeweilige Anbieter entsprechende Stückelungen ermöglicht.
Auch Turbo-Zertifikate lassen sich grundsätzlich teilweise verkaufen, sofern entsprechende Stückzahlen gehalten werden und ausreichende Liquidität beziehungsweise eine handelbare Preisstellung vorhanden ist.
Der entscheidende Unterschied bleibt:
Die Knock-Out-Barriere des verbleibenden Turbo-Produkts verändert sich durch den Teilverkauf nicht.
Hedging mit CFDs
CFDs können aufgrund ihrer einfachen Long-/Short-Struktur grundsätzlich auch zur Absicherung anderer Marktpositionen eingesetzt werden.
Ein Anleger mit einem größeren Aktienportfolio könnte beispielsweise vorübergehend einen Short-CFD auf einen passenden Aktienindex einsetzen, um einen Teil des allgemeinen Marktrisikos zu reduzieren.
Auch eine bestehende Tradingposition kann je nach Kontomodell und Anbieter teilweise durch eine Gegenposition abgesichert werden.
Allerdings ist ein Hedge keine kostenlose Risikobeseitigung.
Zusätzliche Positionen können:
- Spread verursachen,
- Kommissionen auslösen,
- Finanzierungskosten erzeugen,
- zusätzliche Margin binden.
Zudem unterscheiden sich CFD-Plattformen darin, ob entgegengesetzte Positionen separat gehalten oder miteinander verrechnet werden.
Gap-Risiko bei Knock-Out-Produkten
Besonders problematisch können sehr eng gesetzte Knock-Out-Barrieren bei schnellen Marktbewegungen und Kurslücken sein.
Dabei sollte allerdings nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass jede Knock-Out-Barriere rund um die Uhr überwacht wird.
Welche Kursstellung und welcher Zeitraum für einen Knock-out relevant sind, ergibt sich aus den jeweiligen Produktbedingungen.
Ein aktuelles SG-Beispiel eines Classic Turbo auf einen Brent-Future weist etwa eine Knock-Out-Zeit von 00:00 bis 24:00 Uhr aus, während ein Classic Turbo auf eine deutsche Aktie beispielsweise eine Knock-Out-Zeit von 09:00 bis 17:30 Uhr aufweist.
Anleger sollten deshalb vor dem Kauf insbesondere prüfen:
- welcher Kurs des Basiswerts relevant ist,
- zu welchen Zeiten die Barriere beobachtet wird,
- ob Basispreis und Knock-Out-Barriere identisch sind,
- ob die Schwellen angepasst werden können,
- welche Restwertregelung gilt.
Gerade bei sehr geringem Abstand zur Barriere können bereits normale kurzfristige Schwankungen des Basiswerts entscheidend sein.
Finanzierungskosten: Turbo-Zertifikat vs. CFD
Bei beiden Instrumenten gibt es Finanzierungskomponenten.
Turbo-Zertifikate
Beim Turbo stellt der Emittent wirtschaftlich betrachtet einen Teil des für das Basiswert-Engagement erforderlichen Kapitals bereit.
Diese Finanzierung ist nicht kostenlos.
Bei Open-End-Produkten können Finanzierungskosten beispielsweise über regelmäßige Anpassungen des Basispreises beziehungsweise Finanzierungslevels berücksichtigt werden. Je nach Produktkonstruktion kann sich auch die Knock-Out-Barriere verändern.
Bei Produkten mit fester Laufzeit kann die Finanzierung anders in Preis und Produktstruktur eingearbeitet sein.
CFDs
Beim CFD wird ebenfalls nur ein Teil des Positionswertes als Margin hinterlegt.
Für über Nacht gehaltene gehebelte Positionen können deshalb Finanzierungskosten entstehen. Die konkrete Berechnung hängt vom jeweiligen CFD-Anbieter und Basiswert ab.
Für sehr kurzfristiges Intraday-Trading können Finanzierungskosten daher eine andere Bedeutung haben als beim mehrtägigen oder mehrwöchigen Halten einer Position.
Hat ein Turbo mit Hebel 1,5 oder 2 überhaupt noch einen Vorteil?
Je weiter die Knock-Out-Barriere vom aktuellen Kurs entfernt liegt, desto größer ist typischerweise der erforderliche Kapitaleinsatz und desto niedriger fällt der Hebel aus.
Ein Turbo mit sehr weit entfernter Barriere kann deshalb wirtschaftlich stärker einem ungehebelten Investment ähneln als ein Turbo mit extrem engem Knock-out.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Turbo mit niedrigem Hebel grundsätzlich sinnlos ist.
Mögliche Eigenschaften können weiterhin sein:
- begrenzter Kapitaleinsatz gegenüber dem Direktinvestment,
- Möglichkeit zur Long- oder Short-Spekulation,
- Handel über ein gewöhnliches Wertpapierdepot,
- kein separates CFD-Margin-Konto.
Demgegenüber bleiben produktspezifische Merkmale wie Finanzierungskomponente, Knock-Out-Risiko und das Risiko gegenüber dem jeweiligen Emittenten bestehen.
Die Frage lautet deshalb weniger:
„Warum nicht einfach immer maximal hebeln?“
sondern:
„Wie viel Abstand zur kritischen Schwelle ist für die eigene Handelsidee erforderlich?“
Ein sehr hoher Hebel entsteht schließlich gerade dadurch, dass nur wenig eigenes Kapital zwischen dem aktuellen Marktpreis und dem finanzierten Bereich liegt.
Sind klassische Optionsscheine oder Optionen bei Rücksetzern flexibler?
Ein klassischer Call- oder Put-Optionsschein besitzt normalerweise keine Knock-Out-Barriere.
Auch gekaufte börsengehandelte Optionen werden nicht allein dadurch beendet, dass der Basiswert zwischenzeitlich einen bestimmten Kurs erreicht.
Damit können klassische Optionsprodukte einen kurzfristigen Kursrücksetzer grundsätzlich überstehen, der bei einem eng gesetzten Turbo bereits zum Knock-out geführt hätte.
Dafür entstehen andere Risiken.
Der Wert klassischer Optionsscheine beziehungsweise Optionen hängt unter anderem ab von:
- Restlaufzeit
- impliziter Volatilität
- Delta
- Theta
- Vega
- Abstand zum Strike
Eine Erholung des Basiswerts kann deshalb zu spät kommen. Auch ohne Knock-out kann ein Optionsschein erheblich an Wert verlieren oder am Ende wertlos verfallen.
Keine Knock-Out-Barriere bedeutet somit nicht, dass kein Zeit- oder Verlustrisiko besteht.
Welches Instrument bietet mehr Möglichkeiten beim Risikomanagement?
Aus rein konstruktiver Sicht bietet der CFD dem Trader mehr frei wählbare Stellschrauben.
Dazu gehören insbesondere:
- Positionsgröße
- frei gewählter Stop
- Teilreduzierung
- Long-/Short-Wechsel
- mögliche Absicherung
- Höhe der vorgehaltenen freien Margin
Beim Turbo bestimmt dagegen bereits die Produktauswahl einen erheblichen Teil des Risikos.
Wer einen Turbo mit extrem engem Knock-out kauft, kann diesen Abstand anschließend nicht einfach vergrößern.
Das kann gerade bei volatilen Märkten problematisch sein.
Die zusätzliche Flexibilität eines CFDs ist allerdings kein automatischer Sicherheitsvorteil.
Ein Trader kann die Freiheit eines CFD-Kontos ebenso dazu verwenden:
- zu große Positionen zu eröffnen,
- Verluste immer weiter laufen zu lassen,
- ständig nachzukaufen,
- freie Margin vollständig auszunutzen.
Damit kann aus größerer Flexibilität sogar ein größeres tatsächliches Verlustrisiko entstehen.
Das Risikomanagement bleibt deshalb wichtiger als die Wahl des Instruments allein.
Maximalverlust: Ein wichtiger Unterschied
Bei einem gekauften Turbo-Zertifikat kann grundsätzlich höchstens der hierfür eingesetzte Kaufbetrag einschließlich anfallender Handelskosten verloren gehen.
Ein Anleger kann allerdings selbstverständlich anschließend weitere Turbo-Produkte kaufen und dadurch wiederholt Verluste erleiden.
Die Knock-Out-Barriere begrenzt damit zwar das Risiko des einzelnen gekauften Produkts, nicht aber automatisch das gesamte Tradingrisiko eines Anlegers.
Bei regulierten Retail-CFDs existieren ebenfalls Schutzmechanismen. Dazu gehören insbesondere Hebelbegrenzung, Margin-Close-out und Negativsaldoschutz. Die BaFin verlangt diese Schutzmechanismen für den Vertrieb von CFDs an Kleinanleger in Deutschland.
Trotzdem kann ein Trader einen erheblichen Teil seines CFD-Kontoguthabens verlieren.
Neue Regulierung von Turbo-Zertifikaten seit Juni 2026
Seit dem 16. Juni 2026 gelten in Deutschland verschärfte Anforderungen für die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf von Turbo-Zertifikaten an Kleinanleger.
Unter anderem müssen:
- standardisierte Risikowarnungen angezeigt werden,
- Anleger vor dem Erwerb Fragen zum Turbo-Basiswissen erfolgreich beantworten,
- diese Wissensabfragen mindestens alle sechs Monate wiederholt werden.
Außerdem sind bestimmte monetäre und nicht monetäre Anreize für den Handel mit Turbo-Zertifikaten untersagt.
Hintergrund ist eine BaFin-Untersuchung für die Jahre 2019 bis 2023. Dabei erlitten 74,2 Prozent der untersuchten Kleinanleger Verluste mit Turbo-Zertifikaten. Der durchschnittliche Verlust der betroffenen Anleger betrug 6.358 Euro.
Auch CFDs unterliegen bereits seit mehreren Jahren besonderen Produktinterventionsmaßnahmen und Risikohinweispflichten für Kleinanleger.
Turbo-Zertifikat oder CFD – was ist besser?
Eine pauschale Antwort wäre wenig sinnvoll.
Beide Produkte ermöglichen gehebelte Long- und Short-Positionen, besitzen aber unterschiedliche Risikostrukturen.
Turbo-Zertifikate beziehungsweise Knock-Out-Optionsscheine
können für Anleger interessant sein, die ein verbrieftes Hebelprodukt über ein Wertpapierdepot handeln und den maximal möglichen Verlust des einzelnen Kaufs bereits durch ihren Kapitaleinsatz begrenzen möchten. Dafür müssen sie insbesondere das Risiko der festen beziehungsweise produktspezifischen Knock-Out-Barriere berücksichtigen.
CFDs
bieten mehr Flexibilität bei Positionsgröße, Stop-Loss, Teilreduzierung und Marginsteuerung. Dafür befindet sich der Trader in einem Margin-System und kann bei zu großer Positionsgröße erhebliche Kontoverluste sowie eine Zwangsglattstellung erleiden.
Gerade bei sehr eng gesetzten Knock-Out-Barrieren kann ein kurzfristiger Rücksetzer ausreichen, um einen Turbo zu beenden, obwohl sich die zugrunde liegende Marktidee später noch als richtig erweist.
Beim CFD kann ein solcher Rücksetzer grundsätzlich überstanden werden – aber nur, wenn Positionsgröße, Margin und Kontokapital dies zulassen.
CFDs werden über spezialisierte CFD-Konten bei CFD-Brokern gehandelt, etwa bei IG-Broker oder XTB.
Wer dagegen Optionsscheine, Knock-Out-Zertifikate oder andere börsengehandelte Derivate bevorzugt, findet entsprechende Handelsmöglichkeiten in unserem Vergleich von Depotbanken und Neobrokern.
CFD-Broker: XTB und IG-Broker im Überblick
XTB und IG-Broker sind etablierte Anbieter für den CFD-Handel mit einem umfangreichen internationalen Marktangebot. Beide ermöglichen unter anderem den Handel mit Index- und Forex-CFDs, setzen bei Handelsplattform, Aktien-CFDs und der Auswahl spezieller Märkte jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.
XTB
XTB verbindet CFD-Trading über die eigene xStation mit einem zusätzlichen Angebot aus echten Aktien und ETFs.
- Index-CFDs: unter anderem US100 (Nasdaq 100), US500 (S&P 500), der polnische W20 sowie der Volatilitätsindex VIX.
- Forex-CFDs: mehr als 70 Währungspaare mit Spreads ab 0,1 Pips.
- Gold-CFD: Gold kann als CFD gehandelt werden; XTB gibt für GOLD einen minimalen Spread von 0,30 an.
- Aktien-CFDs: ungefähr 1.900 Aktien-CFDs; zusätzlich stehen rund 7.100 echte Aktien und knapp 300 echte ETFs zur Verfügung.
- Handelsplattform: XTB setzt auf die eigene xStation als zentrale Trading- und Investmentplattform.
- Regulierung: XTB S.A. German Branch ist bei der BaFin registriert und unterliegt grundsätzlich der Aufsicht der polnischen Finanzaufsicht KNF.
- Etablierter und börsennotierter Anbieter: XTB ist seit mehr als 20 Jahren am Markt und seit 2016 an der Warschauer Börse notiert.
74 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter.
IG-Broker
IG-Broker bietet ein umfangreiches CFD-Angebot mit zahlreichen internationalen Märkten und mehreren unterschiedlichen Handelsplattformen.
- Index-CFDs: unter anderem US Tech 100 (Nasdaq 100), US 500, VIX sowie weniger alltägliche Märkte wie Südafrika 40 und Norwegen 25.
- Forex-CFDs: mehr als 80 Währungspaare mit Mindestspreads ab 0,6 Pips.
- Gold-CFD: Gold-Kassa kann als CFD gehandelt werden; IG gibt einen Mindestspread von 0,5 an.
- Aktien-CFDs: Zugang zu mehr als 12.000 Aktien-Basiswerten. Aktien-CFDs können unter anderem über die IG-Webplattform und die Trading-App gehandelt werden.
- Handelsplattformen: IG-Webplattform, Trading-App, ProRealTime, L2 Dealer sowie MetaTrader 4 (MT4). MT4 steht für ausgewählte CFD-Märkte wie Forex und Indizes zur Verfügung.
- Regulierung: Die IG Europe GmbH ist von der BaFin und der Deutschen Bundesbank autorisiert und reguliert.
- Etablierter und börsennotierter Anbieter: Die IG-Gruppe wurde 1974 gegründet. Die IG Group Holdings plc ist an der London Stock Exchange notiert und gehört aktuell dem FTSE 100 an.
72 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter.
Fazit: Unterschiedliche Hebelprodukte, unterschiedliche Risikomechanismen
Turbo-Zertifikate, Knock-Out-Zertifikate beziehungsweise sogenannte Knock-Out-Optionsscheine und CFDs verfolgen auf den ersten Blick ein ähnliches Ziel: Mit reduziertem Kapitaleinsatz soll eine größere Marktposition abgebildet werden.
Die technische Umsetzung unterscheidet sich jedoch fundamental.
Beim Turbo entsteht der Hebel wesentlich durch die Finanzierungskomponente und den Abstand zum Basispreis beziehungsweise zur Knock-Out-Barriere.
Beim CFD entsteht der Hebel durch die hinterlegte Margin.
Damit unterscheiden sich auch die entscheidenden Grenzen:
Turbo-Zertifikat: Knock-Out-Barriere im Produkt.
CFD: Margin-Close-out auf Kontoebene.
CFDs bieten dadurch grundsätzlich mehr Möglichkeiten, Positionen während des laufenden Trades anzupassen. Diese Flexibilität ist allerdings nur dann ein Vorteil, wenn der Trader sie mit einer angemessenen Positionsgröße und einem konsequenten Risikomanagement verbindet.
Ein hoher Hebel bleibt unabhängig vom gewählten Instrument ein wesentlicher Risikofaktor.
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