Veröffentlicht: 08. Februar 2026 · Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2026
Autor: S. Fiedler 
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

Knock‑Out Optionsschein – gibt es dieses Finanzprodukt überhaupt?

⚠️ Anmerkung: Nach unserem Verständnis der aktuellen Produktkategorien werden Knock‑Out‑Mechanismen ausschließlich bei Zertifikaten eingesetzt, nicht bei klassischen Optionsscheinen.

 

Der Begriff „Knock‑Out Optionsschein“ taucht regelmäßig in Suchmaschinen, Foren und bei Privatanlegern auf. Viele Trader gehen davon aus, dass es sich dabei um eine spezielle Form von Optionsscheinen mit Knock‑Out‑Schwelle handelt. Fachlich korrekt ist diese Bezeichnung unserer Kenntnis nach jedoch nicht.

Tatsächlich existieren keine Knock‑Out Optionsscheine. Was Anleger mit diesem Begriff meinen, sind in der Regel Knock‑Out‑Zertifikate, auch bekannt als Turbo‑Zertifikate oder Mini‑Futures. Dieser Artikel klärt die Begriffsverwirrung auf und erklärt die grundlegenden Unterschiede zwischen Knock‑Out‑Zertifikaten und klassischen Optionsscheinen.

Warum der Begriff „Knock‑Out Optionsschein“ falsch ist

 

Optionsscheine und Knock‑Out‑Zertifikate sind zwei unterschiedliche derivative Finanzinstrumente mit grundlegend verschiedenen Eigenschaften. Ein Optionsschein besitzt keine Knock‑Out‑Barriere. Ein Knock‑Out‑Zertifikat hingegen ist kein Optionsschein, sondern ein strukturiertes Zertifikat mit einem festen Knock‑Out‑Level.

Die Vermischung der Begriffe entsteht vor allem dadurch, dass beide Produktarten:

  • einen Hebel besitzen

  • auf denselben Basiswerten handeln

  • häufig von denselben Emittenten angeboten werden

Trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sich Funktionsweise, Preisbildung und Risiko erheblich.

Was sind Knock‑Out‑Zertifikate und wie funktionieren sie?

 

Knock‑Out‑Zertifikate sind derivative Hebelprodukte, deren Wert sich nahezu linear mit dem Kurs des zugrunde liegenden Basiswerts bewegt. Charakteristisch ist eine Knock‑Out‑Barriere, bei deren Erreichen das Produkt sofort wertlos verfällt oder nahezu vollständig ausgebucht wird.

Zentrale Merkmale von Knock‑Out‑Zertifikaten

  • Feste Knock‑Out‑Schwelle

  • Linearer Zusammenhang zwischen Basiswert und Zertifikatspreis

  • Kein Zeitwert im klassischen Sinne

  • Finanzierungskosten (bei Long‑Produkten)

  • Sehr hohes Totalverlustrisiko

Der Hebel ergibt sich aus der Nähe des aktuellen Kurses zur Knock‑Out‑Barriere. Je näher diese liegt, desto höher ist der Hebel – und desto größer das Risiko.

Bild-Darstellung /Abbildung des Gewinn-/Verlustprofils eines Knock-Out-Zertifikats (Long)

Darstellung des Gewinn-/Verlustprofils eines Knock-Out-Zertifikats (Long). Die Grafik zeigt den Wertanstieg bei steigendem Basiswert sowie den sofortigen Totalverlust bei Erreichen der Knock-Out-Barriere.
Die dargestellten grafischen Verläufe sind idealisiert und dienen der didaktischen Erklärung der Funktionsweise.

⚠️Die Grafik dient ausschließlich der Veranschaulichung und stellt keine Anlageberatung dar.⚠️

Zeitliche Laufzeit von Knock‑Out‑Zertifikaten

 

Hier ist eine wichtige Präzisierung angebracht:

Viele Knock‑Out‑Zertifikate werden als „Open End“ oder zeitlich unbefristet beworben. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie kein Laufzeitrisiko besitzen.

  • Open‑End‑Knock‑Outs haben keinen festen Verfallstermin,

  • sie besitzen aber immer eine Knock‑Out‑Barriere,

  • diese Barriere kann sich bei manchen Produkten dynamisch verändern (z. B. durch Finanzierungskosten).

Daneben existieren auch zeitlich befristete Knock‑Out‑Zertifikate, die zu einem festen Termin enden, sofern sie nicht vorher ausgeknockt werden.

 

Wie funktionieren klassische Optionsscheine?

 

Optionsscheine sind echte Optionsderivate, deren Preisbildung auf mathematischen Modellen basiert – typischerweise der Black‑Scholes‑Formel. Im Gegensatz zu Knock‑Out‑Zertifikaten besitzen Optionsscheine:

  • keine Knock‑Out‑Schwelle

  • einen festen Verfallstermin

  • einen Zeitwert

  • eine Abhängigkeit von der impliziten Volatilität

Der Wert eines Optionsscheins wird unter anderem durch sogenannte „Griechen“ beeinflusst, etwa Delta, Theta oder Vega. Diese Faktoren führen dazu, dass sich Optionsscheine nicht linear zum Basiswert bewegen. Die sogenannten "Griechen" beschreiben die Sensitivitäten der Optionsscheinpreise, die sich aus der Black‑Scholes‑Preisbildung ergeben, welche auch Grundlage für Preisbildung von Optionen ist. 


Schematische Darstellung des Gewinn‑/Verlustprofils eines Call‑Optionsscheins. Der Verlust ist auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt. Die Grafik dient ausschließlich der Veranschaulichung und stellt keine Anlageberatung dar.

  • Im Gegensatz zu börsengehandelten Optionen ist der mögliche Verlust bei Optionsscheinen auf den Einsatz beim Kauf begrenzt
  • Der Strike-Preis definiert das Ausübungsrecht, nicht den Gewinnpunkt. Der Break-even liegt beim Call oberhalb, beim Put unterhalb des Strikes – jeweils um die gezahlte Prämie versetzt.

Merke: 

  • Ein Optionsschein ist bereits oberhalb des Strike‑Preises im Geld. Gewinn entsteht jedoch erst, wenn der Kurs zusätzlich die gezahlte Optionsprämie übersteigt – also oberhalb des Break‑even‑Punkts liegt, sollte man den Schein bis zum Verfallstag halten. 
  • Der Break‑even‑Punkt ist nur für den Verfall voll relevant. Während der Laufzeit kann ein Optionsschein bereits im Gewinn sein, da sein Preis zusätzlich vom Zeitwert und der Volatilität beeinflusst wird.
Abbildung eines Gewinn und Verlust-Profils eines Call-Optionsscheins mit bunter Grafik

Die dargestellten grafischen Verläufe sind idealisiert und dienen der didaktischen Erklärung der Funktionsweise.

⚠️Die Grafik dient ausschließlich der Veranschaulichung und stellt keine Anlageberatung dar.⚠️

Schematische Darstellung des Gewinn‑/Verlustprofils eines Put‑Optionsscheins. Der Verlust ist auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt. Die Grafik dient ausschließlich der Veranschaulichung und stellt keine Anlageberatung dar.

Abbildung eines Gewinn und Verlust-Profils eines Put-Optionsscheins mit bunter Grafik

Die dargestellten grafischen Verläufe sind idealisiert und dienen der didaktischen Erklärung der Funktionsweise.

⚠️Die Grafik dient ausschließlich der Veranschaulichung und stellt keine Anlageberatung dar.⚠️

Der entscheidende Unterschied: Knock‑Out vs. Verfall

Ein zentraler Unterschied zwischen beiden Produktarten liegt im Risikomechanismus:

Knock‑Out‑Zertifikate

  • Sofortiger Totalverlust bei Erreichen der Barriere

  • Kein „Aussitzen“ von Kursbewegungen möglich

  • Besonders anfällig für kurzfristige Volatilität

Optionsscheine

  • Kein sofortiger Knock‑Out

  • Wertverlust erfolgt schrittweise über Zeit (Zeitwertverfall)

  • Auch starke Gegenbewegungen führen nicht automatisch zum Totalverlust

Ein Optionsschein kann also wertlos verfallen, aber nicht ausgeknockt werden.

Inline-Optionsscheine

Inline-Optionsscheine besitzen keine Knock-Out-Schwelle im klassischen Sinne, wie sie bei Knock-Out-Zertifikaten üblich ist. Stattdessen definieren sie einen Kurskorridor, innerhalb dessen sich der Basiswert während der gesamten Laufzeit bewegen muss. Wird eine der Barrieren berührt oder überschritten, verfällt das Produkt sofort wertlos. Die Auszahlung erfolgt nur, wenn der Kurs bis zum Laufzeitende vollständig innerhalb des definierten Bereichs bleibt.

Warum werden Knock‑Out‑Zertifikate oft als Optionsscheine bezeichnet?

Die falsche Bezeichnung „Knock‑Out Optionsschein“ ist vor allem umgangssprachlich entstanden. Viele Privatanleger verwenden den Begriff „Optionsschein“ als Sammelbezeichnung für alle Hebelprodukte.

Hinzu kommt, dass:

  • Broker und Emittenten beide Produktarten nebeneinander anbieten

  • beide Produkte ähnlich gehandelt werden

  • beide für kurzfristiges Trading genutzt werden

Fachlich korrekt bleibt jedoch: Ein Produkt mit Knock‑Out‑Barriere ist unserer Kenntnis nach  immer ein Zertifikat – niemals ein Optionsschein.

Fazit: Keine Knock‑Out Optionsscheine – aber klare Unterschiede

Zusammenfassend lässt sich festhalten:

  • Nach der derzeit gängigen Produktdefinition und Marktstruktur existieren keine Knock‑Out Optionsscheine ( Auffasung der Websiteredaktion )

  • Gemeint sind fast immer Knock‑Out‑Zertifikate

  • Optionsscheine und Knock‑Out‑Zertifikate unterscheiden sich grundlegend

  • Der Knock‑Out‑Mechanismus ist ein zentrales Risikomerkmal

  • Optionsscheine besitzen stattdessen einen festen Verfallstermin

Wer diese Unterschiede nicht kennt, unterschätzt häufig das Risiko von Knock‑Out‑Produkten erheblich. Eine saubere begriffliche Trennung ist daher nicht nur akademisch korrekt, sondern entscheidend für das Risikomanagement im Trading.


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