Veröffentlicht: 09. Februar 2026 · Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2026
Autor: S. Fiedler
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
Aktien verkaufen oder Kredit aufnehmen? Diese Entscheidung unterschätzen viele Anleger
Viele Anleger stehen früher oder später vor derselben Frage: Es wird kurzfristig Liquidität benötigt – doch das Kapital steckt im Depot. Sollten Aktien verkauft werden, um Geld freizusetzen, oder gibt es Alternativen, die langfristige Anlageentscheidungen nicht sofort infrage stellen?
Diese Entscheidung wird häufig unterschätzt. Ein vorschneller Verkauf kann steuerliche Nachteile, verpasste Kurschancen oder strategische Brüche im Portfolio verursachen. Gleichzeitig ist die Aufnahme eines Kredits kein risikofreier Ersatz. Dieser Artikel zeigt, welche Faktoren Anleger berücksichtigen sollten und welche Optionen realistisch zur Verfügung stehen.
Warum Anleger in Liquiditätsengpässe geraten
Liquiditätsbedarf entsteht nicht nur in Krisensituationen. Häufige Auslöser sind:
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Steuerzahlungen oder Nachzahlungen
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größere Anschaffungen
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geplante Investitionen außerhalb des Depots
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temporäre Einkommensschwankungen
Gerade langfristig orientierte Anleger investieren ihr Kapital bewusst und möchten Positionen nicht aus kurzfristigen Gründen auflösen.
Option 1: Aktien verkaufen – die naheliegende Lösung
Der Verkauf von Wertpapieren ist der einfachste Weg, Liquidität zu schaffen. Er ist transparent, verursacht keine laufenden Kosten und reduziert das Risiko im Depot.
Allerdings hat diese Lösung auch Nachteile:
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Steuerliche Konsequenzen: Gewinne können steuerpflichtig sein
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Timing‑Risiko: Verkäufe erfolgen möglicherweise zu ungünstigen Marktphasen
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Strategische Brüche: Langfristige Anlagepläne werden unterbrochen
Ein Verkauf ist daher nicht immer die optimale Lösung – insbesondere dann nicht, wenn die Positionen bewusst langfristig gehalten werden sollen, vielleicht auch schon mehrere Jahre bestehen und zu sehr niedrigen Kursen im Verlgeich zu bestehenden Niveaus gekauft wurden und/oder auch Dividenden abwerfen.
Option 2: Liquidität ohne Verkauf – welche Alternativen gibt es?
Neben dem Verkauf existieren mehrere Möglichkeiten, Liquidität zu beschaffen, ohne Wertpapiere sofort zu veräußern:
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klassische Raten‑ oder Konsumentenkredite
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Dispositionskredite
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Beleihung von Vermögenswerten
Eine besondere Rolle spielt dabei der Wertpapierkredit, der direkt an das bestehende Depot gekoppelt ist und je nach Bank, eventuell keiner weiteren Bonitätsprüfung bedarf.
Wertpapierkredit als mögliche Alternative
Ein Wertpapierkredit ermöglicht es, auf Basis vorhandener Wertpapiere eine Kreditlinie zu nutzen, ohne diese verkaufen zu müssen. Die Wertpapiere verbleiben im Depot und dienen als Sicherheit.
Diese Lösung kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, etwa:
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bei kurzfristigem Liquiditätsbedarf
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wenn ein Verkauf steuerlich ungünstig wäre
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wenn Anleger von der langfristigen Entwicklung ihrer Anlagen überzeugt sind
Gleichzeitig ist ein Wertpapierkredit kein Ersatz für Eigenkapital. Marktwertschwankungen, variable Zinsen und mögliche Nachschusspflichten machen eine konservative Nutzung zwingend erforderlich.
👉 Eine ausführliche Erklärung zur Funktionsweise, zu Risiken und Einsatzbereichen finden Sie im Artikel „Wertpapierkredit: Funktionsweise, Risiken und sinnvolle Einsatzbereiche“.
Welche Entscheidung ist sinnvoll?
Ob ein Verkauf oder eine Kreditlösung sinnvoller ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
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Dauer des Liquiditätsbedarfs
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steuerliche Situation
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Stabilität und Diversifikation des Portfolios
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persönliche Risikotoleranz
In vielen Fällen ist eine Kombination aus Planung, Liquiditätsreserve und klaren Regeln sinnvoller als eine spontane Entscheidung unter Zeitdruck.
Fazit: Liquidität strategisch planen
Die Frage „Aktien verkaufen oder Kredit aufnehmen?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist, dass Liquiditätsentscheidungen nicht isoliert, sondern im Kontext der gesamten Anlagestrategie getroffen werden.
Wer Alternativen kennt und Risiken realistisch einschätzt, vermeidet unnötige Verkäufe – und ebenso unnötige Kreditrisiken.