Veröffentlicht: 18. März 2026 · Zuletzt aktualisiert: 18. März 2026 Autor: S. Fiedler 
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Unter pari und über pari: Was Anleihekurse unter oder über 100 % bedeuten

Kurzüberblick

Anleihen werden an der Börse häufig nicht genau zu 100 % ihres Nennwerts gehandelt. Manche notieren unter pari, also unter 100 %, andere über pari, also über 100 %. Für Anleger ist das wichtig, weil der Kurs einer Anleihe direkt beeinflusst, welche Rendite bis zur Fälligkeit tatsächlich erzielt werden kann.

Eine Anleihe mit einem Kurs von 80 % kostet bei einem Nennwert von 1.000 Euro nur 800 Euro. Wird sie am Ende zu 100 % zurückgezahlt, entsteht zusätzlich zum Kupon ein Rückzahlungsgewinn von 200 Euro. Genau daraus erklärt sich, warum unter pari notierende Anleihen oft eine höhere Rendite aufweisen als Anleihen mit demselben Kupon, die zu 100 % oder darüber gehandelt werden.


Was bedeutet „unter pari“ bei Anleihen?

Unter pari bedeutet, dass eine Anleihe unter 100 % des Nennwerts gehandelt wird.

Beispiel:

  • Nennwert: 1.000 Euro

  • Kurs: 85 %

  • Kaufpreis: 850 Euro

Der Anleger zahlt also weniger als den Betrag, den er bei Fälligkeit zurückerhalten würde, sofern der Emittent vollständig zurückzahlt.

Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Aktien und Anleihen: Bei einer Anleihe spielt nicht nur der laufende Ertrag eine Rolle, sondern auch die Frage, zu welchem Kurs sie gekauft wird und zu welchem Wert sie später zurückgezahlt wird.


Was bedeutet „über pari“?

Über pari bedeutet, dass eine Anleihe über 100 % des Nennwerts gehandelt wird.

Beispiel:

  • Nennwert: 1.000 Euro

  • Kurs: 105 %

  • Kaufpreis: 1.050 Euro

Hier zahlt der Anleger also einen Aufpreis gegenüber dem Nennwert. Das geschieht häufig dann, wenn der Kupon der Anleihe im Vergleich zum aktuellen Marktzins relativ hoch ist. Anleger sind dann bereit, mehr als 100 % zu zahlen, um sich diese höheren laufenden Zinszahlungen zu sichern.


Warum notieren Anleihen überhaupt unter oder über 100 %?

Der Kurs einer Anleihe hängt nicht nur vom Kupon ab, sondern vor allem vom aktuellen Marktzins, von der Restlaufzeit, von der Bonität des Emittenten und von der Marktliquidität.

Typische Gründe sind:

  • Steigende Marktzinsen
    Ältere Anleihen mit niedrigerem Kupon verlieren an Attraktivität und fallen oft unter pari.

  • Fallende Marktzinsen
    Ältere Anleihen mit höherem Kupon werden begehrter und steigen oft über pari.

  • Bonitätsverschlechterung
    Wenn Anleger höhere Ausfallrisiken sehen, verlangen sie mehr Rendite. Das drückt den Kurs.

  • Verbesserte Bonität oder hohe Nachfrage
    Dann können Kurse steigen, auch über 100 % hinaus.


Woher kommt die höhere Rendite bei unter pari notierenden Anleihen?

Das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt.

Der Kupon bleibt gleich. Er wird weiterhin auf den Nominalwert gezahlt, nicht auf deinen tatsächlichen Kaufpreis.

Die höhere Rendite entsteht deshalb aus zwei Bestandteilen:

1. Laufender Kupon

Wenn eine Anleihe einen Kupon von 4 % hat und der Nennwert 1.000 Euro beträgt, erhält der Anleger jährlich 40 Euro.

2. Zusätzlicher Rückzahlungsgewinn

Wenn dieselbe Anleihe nur zu 900 Euro gekauft wird, am Ende aber zu 1.000 Euro zurückgezahlt wird, entsteht zusätzlich ein Gewinn von 100 Euro.

Dieser Gewinn wird gedanklich über die Restlaufzeit verteilt und erhöht zusammen mit dem Kupon die Rendite bis zur Fälligkeit.


Vereinfachtes Beispiel: Unter pari kaufen

Angenommen, eine Anleihe hat:

  • Nennwert: 1.000 Euro

  • Kupon: 4 %

  • Restlaufzeit: 5 Jahre

  • Kaufkurs: 90 %

  • Kaufpreis: 900 Euro

Laufender Ertrag

Der Kupon bleibt bei 40 Euro pro Jahr.

Rückzahlungsgewinn

Bei Fälligkeit erhält der Anleger 1.000 Euro zurück, obwohl er nur 900 Euro gezahlt hat.

Zusätzlicher Rückzahlungsgewinn:
100 Euro

Warum ist die Rendite höher als 4 %?

Weil der Anleger nicht 1.000 Euro investiert hat, sondern nur 900 Euro.
Er bekommt aber trotzdem:

  • jährlich 40 Euro Kupon

  • plus 100 Euro Rückzahlungsgewinn bis zur Fälligkeit

Die effektive Rendite liegt deshalb über dem Kupon von 4 %.


Vereinfachtes Beispiel: Über pari kaufen

Jetzt das Gegenbeispiel:

  • Nennwert: 1.000 Euro

  • Kupon: 4 %

  • Restlaufzeit: 5 Jahre

  • Kaufkurs: 105 %

  • Kaufpreis: 1.050 Euro

Der Anleger erhält ebenfalls jedes Jahr 40 Euro Kupon.
Am Ende bekommt er aber nur 1.000 Euro zurück, obwohl er 1.050 Euro gezahlt hat.

Das bedeutet:
Es entsteht ein Rückzahlungsverlust von 50 Euro.

Dadurch liegt die tatsächliche Rendite bis zur Fälligkeit unter 4 %, obwohl der Kupon 4 % beträgt.


Warum der Kupon allein nicht ausreicht

Viele Einsteiger schauen zuerst nur auf den Zinssatz einer Anleihe. Das reicht aber nicht aus.

Entscheidend ist nicht nur:

  • wie hoch der Kupon ist,

sondern auch:

  • zu welchem Kurs gekauft wird,

  • wie lange die Restlaufzeit ist,

  • ob die Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten wird,

  • und ob der Emittent am Ende vollständig zurückzahlt.

Deshalb ist die Rendite bis zur Fälligkeit meist die wichtigere Kennzahl als der bloße Kupon.


Unter pari heißt nicht automatisch günstig

Ein niedriger Kurs kann attraktiv wirken, ist aber nicht automatisch ein Schnäppchen.

Wenn eine Anleihe deutlich unter pari notiert, kann das auch ein Hinweis sein auf:

  • gestiegene Marktzinsen,

  • längere Restlaufzeiten mit hohem Zinsänderungsrisiko,

  • schlechtere Bonität,

  • höhere Risikoaufschläge,

  • oder eine schwächere Handelbarkeit.

Gerade deshalb sollte ein Kurs unter 100 % immer im Zusammenhang mit Bonität, Laufzeit und Marktumfeld betrachtet werden.


Der Zusammenhang mit Laufzeit und Zinsrisiko

Ob eine unter pari notierende Anleihe später wieder in Richtung 100 % steigt, hängt stark davon ab, wie sich der Markt entwickelt.

Bei einer Haltedauer bis zur Endfälligkeit ist die Rückzahlung zu pari grundsätzlich klar definiert – sofern kein Ausfall eintritt.
Vor Fälligkeit können die Kurse aber trotzdem deutlich schwanken.

Gerade bei langen Laufzeiten spielt deshalb auch das Zinsänderungsrisiko eine wichtige Rolle. Steigen die Marktzinsen weiter, können unter pari notierende Anleihen noch weiter fallen. Sinkt das Zinsniveau später, können ihre Kurse wieder steigen.

Passend dazu:

➡️Duration bei Anleihen


Ein Beispiel mit 50 % Kurs

Um den Mechanismus noch klarer zu machen:

  • Nennwert: 1.000 Euro

  • Kurs: 50 %

  • Kaufpreis: 500 Euro

Der Anleger zahlt also nur 500 Euro.
Wenn der Emittent am Ende zu 100 % zurückzahlt, erhält der Anleger 1.000 Euro zurück.

Allein aus der Rückzahlung entsteht damit ein erheblicher zusätzlicher Ertrag.
Dazu kommen noch mögliche Kuponzahlungen.

Aber genau hier gilt auch:
Ein so niedriger Kurs ist meist ein Zeichen dafür, dass der Markt erhebliche Risiken sieht. Das kann an stark gestiegenen Zinsen liegen, an Bonitätsproblemen oder an einer Kombination aus beidem.


Was bei hochliquiden Anleihen für Privatanleger wichtig ist

Bei großen, liquiden Staatsanleihen ist der Handel für Privatanleger oft einfacher, als viele annehmen. Je nach Emission und Broker können auch kleinere Stückzahlen handelbar sein. Das hängt aber von der Stückelung, vom Handelsplatz und vom konkreten Angebot des Brokers ab.

Wichtig ist:
Nicht jede Anleihe ist automatisch in kleinen Beträgen gut handelbar. Gerade bei kleineren Emissionen oder weniger liquiden Unternehmensanleihen können Spreads und Mindeststückelungen deutlich ungünstiger sein als bei großen Staatsanleihen.


Unter pari, über pari und die Rendite bis zur Fälligkeit

Der wichtigste Denkfehler bei Anleihen ist oft dieser:
Ein hoher Kupon bedeutet nicht automatisch die beste Rendite, und ein niedriger Kupon bedeutet nicht automatisch eine schlechte Rendite.

Entscheidend ist die Kombination aus:

  • Kaufkurs

  • Kupon

  • Rückzahlung zu pari

  • Restlaufzeit

  • Ausfallrisiko

Genau deshalb kann eine unter pari notierende Anleihe trotz unverändertem Kupon eine höhere Rendite bieten als eine über pari gehandelte Anleihe mit identischem Zinssatz.


Fazit

Unter pari bedeutet: Eine Anleihe wird unter 100 % des Nennwerts gehandelt.
Über pari bedeutet: Eine Anleihe wird über 100 % gehandelt.

Für Anleger ist das deshalb wichtig, weil sich daraus zusammen mit dem festen Kupon die tatsächliche Rendite bis zur Fälligkeit ergibt. Eine unter pari gekaufte Anleihe kann eine höhere Rendite bieten, weil neben den laufenden Zinsen zusätzlich ein Rückzahlungsgewinn entsteht, wenn am Ende zu 100 % zurückgezahlt wird.

Das ist aber keine Einbahnstraße: Ein Kurs unter 100 % kann ebenso Ausdruck eines höheren Risikos oder eines ungünstigeren Zinsumfelds sein. Genau deshalb sollten Anleihekurse nie isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit Laufzeit, Bonität und Marktzinsen betrachtet werden.

Hinweiß - Wie Privatanleger in Anleihen investieren können 

Privatanleger können Anleihen heute über viele gängige Online-Broker und Wertpapierdepots handeln. Je nach Anbieter stehen dabei unterschiedliche Börsenplätze, Handelszeiten und Produktumfänge zur Verfügung. Über viele Plattformen lassen sich sowohl Einzelanleihen als auch Anleihen-ETFs handeln. Viele Staatsanleihen sind bereits in kleinen Stückelungen kaufbar.

Bei großen und häufig gehandelten Emittenten wie Deutschland, den USA, Frankreich oder Italien ist die Liquidität in der Regel höher. Bei kleineren Unternehmensanleihen oder speziellen Emissionen kann der Handel dagegen spürbar enger sein.

 

Anleihen können über gängige Online-Broker gehandelt werden, etwa:

       → Deutsche Einlagensicherung, direkter Zugang zum Börsenhandel (z. B. Börse Frankfurt, Stuttgart, Tradegate).

Für mehr Anleihen-Auswahl:

 

Weiterführende Artikel zum Thema Anleihen (Bonds)

Wenn Sie erst die Grundlagen verstehen möchten, sind die folgenden Artikel ein guter Einstieg:

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