Veröffentlicht: 09. Juni 2026 · Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2026
Autor: S. Fiedler
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
Fibonacci Retracement einfach erklärt: Rücksetzer, Zonen und Risiken
Das Fibonacci Retracement gehört zu den bekanntesten Werkzeugen der technischen Analyse. Trader nutzen es, um nach einer starken Kursbewegung mögliche Rücksetzungszonen zu markieren.
Die Grundidee ist einfach: Ein Markt bewegt sich selten ohne Unterbrechung in eine Richtung. Nach einem starken Anstieg kommt es häufig zu Rücksetzern. Nach einem starken Kursrückgang entstehen oft Gegenbewegungen. Fibonacci-Retracements sollen helfen, solche Korrekturen besser einzuordnen.
Typische Fibonacci-Level sind zum Beispiel:
- 23,6 %
- 38,2 %
- 50 %
- 61,8 %
- 78,6 %
Besonders häufig beachtet werden 38,2 %, 50 % und 61,8 %.
Wichtig ist aber: Fibonacci-Level sind keine magischen Kursmarken. Der Markt ist nicht mathematisch verpflichtet, an einem bestimmten Level zu drehen. Der praktische Nutzen liegt eher darin, mögliche Reaktionsbereiche sichtbar zu machen, die viele Trader ebenfalls beobachten.
Interessant werden Fibonacci-Retracements vor allem dann, wenn sie mit anderen charttechnischen Bereichen zusammenfallen, etwa mit Unterstützung, Widerstand, Trendlinien, gleitenden Durchschnitten, Candlestick-Reaktionen oder Pullback-Zonen.
Was ist ein Fibonacci Retracement?
Ein Fibonacci Retracement ist ein Werkzeug, mit dem eine vorherige Kursbewegung prozentual unterteilt wird.
Beispiel:
Ein Markt steigt von 100 auf 150 Euro. Die gesamte Aufwärtsbewegung beträgt 50 Euro. Wenn der Kurs danach korrigiert, können Trader mithilfe des Fibonacci-Tools mögliche Rücksetzungsbereiche markieren.
Ein 50-%-Retracement würde bedeuten:
Der Markt gibt die Hälfte der vorherigen Bewegung wieder ab.
In diesem Beispiel wären das:
50 Euro Bewegung × 50 % = 25 Euro Rücksetzer
Vom Hoch bei 150 Euro aus gerechnet läge das 50-%-Retracement also bei 125 Euro.
Ein 61,8-%-Retracement wäre ein tieferer Rücksetzer, ein 38,2-%-Retracement ein flacherer Rücksetzer.
Vereinfacht gesagt:
Fibonacci Retracements zeigen, wie weit ein Markt eine vorherige Bewegung korrigiert hat.
Woher kommen die Fibonacci-Level?
Die Fibonacci-Zahlenfolge beginnt klassisch mit:
0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89 …
Jede Zahl ergibt sich aus der Summe der beiden vorherigen Zahlen.
Aus den Verhältnissen dieser Zahlen entstehen bestimmte Prozentsätze. Besonders bekannt ist das Verhältnis von ungefähr 61,8 %, das mit dem sogenannten Goldenen Schnitt verbunden ist.
In der technischen Analyse werden daraus bestimmte Retracement-Level abgeleitet, vor allem:
- 23,6 %
- 38,2 %
- 61,8 %
- 78,6 %
Das 50-%-Level stammt streng genommen nicht direkt aus der Fibonacci-Folge. Es wird dennoch sehr häufig verwendet, weil Märkte oft ungefähr die Hälfte einer Bewegung korrigieren können und viele Trader diese Marke als psychologisch sinnvollen Mittelbereich betrachten.
Warum werden Fibonacci-Level vom Markt manchmal honoriert?
Fibonacci-Level werden nicht deshalb beachtet, weil der Markt an 38,2 %, 50 % oder 61,8 % drehen muss.
Wichtiger ist ein anderer Punkt: Viele Trader, Chartprogramme und Handelsansätze verwenden dieselben Retracement-Zonen. Dadurch können an solchen Bereichen Orders, Stopps, Gewinnmitnahmen oder neue Einstiegsversuche liegen.
Fibonacci-Level können also zeitweise relevant werden, weil viele Marktteilnehmer sie beobachten. Das ähnelt Unterstützungen, Widerständen oder runden Marken. Eine Kurszone wird nicht automatisch wichtig, weil sie theoretisch schön aussieht, sondern weil der Markt dort tatsächlich reagiert.
Besonders interessant werden Fibonacci-Level, wenn sie mit anderen Bereichen zusammenfallen:
- früheres Hoch oder Tief,
- horizontale Unterstützung,
- horizontaler Widerstand,
- Trendlinie,
- gleitender Durchschnitt,
- Pullback nach Ausbruch,
- Candlestick-Reaktion,
- psychologische Kursmarke.
Diese Überschneidung wird häufig als Konfluenz bezeichnet. Gemeint ist: Mehrere unabhängige Beobachtungen zeigen auf einen ähnlichen Kursbereich.
Das macht eine Zone nicht sicher, aber oft interessanter.
Die wichtigsten Fibonacci-Level
In der Praxis werden mehrere Level genutzt. Nicht alle sind gleich wichtig, und nicht jeder Trader verwendet dieselben Einstellungen.
23,6 %: Sehr flacher Rücksetzer
Ein 23,6-%-Retracement zeigt einen sehr flachen Rücksetzer. Der Markt gibt nur einen kleinen Teil der vorherigen Bewegung ab.
Das kann in sehr starken Trends vorkommen. Käufer oder Verkäufer warten nicht auf eine tiefere Korrektur, sondern steigen früh wieder ein.
Der Nachteil: Der Einstieg kann nahe am vorherigen Hoch oder Tief liegen. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist dann nicht immer attraktiv.
38,2 %: Moderate Korrektur
Das 38,2-%-Level wird häufig als erste wichtigere Rücksetzungszone betrachtet.
In starken Trends kann der Markt bis in diesen Bereich korrigieren und danach die ursprüngliche Richtung wieder aufnehmen.
Ein Rücksetzer bis 38,2 % zeigt: Der Markt korrigiert, aber die Gegenbewegung ist noch vergleichsweise begrenzt.
50 %: Kein echtes Fibonacci-Level, aber wichtig
Das 50-%-Level ist mathematisch kein klassisches Fibonacci-Verhältnis. Trotzdem wird es sehr häufig genutzt.
Der Grund ist einfach: Viele Märkte korrigieren eine Bewegung ungefähr zur Hälfte. Außerdem ist die 50-%-Marke intuitiv leicht verständlich. Sie zeigt den Mittelbereich zwischen Start und Ende der vorherigen Bewegung.
In der Praxis kann das 50-%-Retracement deshalb eine wichtige psychologische Zone sein.
61,8 %: Das bekannte Golden-Ratio-Level
Das 61,8-%-Retracement ist eines der bekanntesten Level. Es liegt relativ tief innerhalb der Korrektur.
Wenn ein Markt bis 61,8 % zurückläuft und dort reagiert, interpretieren manche Trader dies als tiefen, aber noch möglichen Pullback innerhalb der vorherigen Bewegung.
Bricht der Kurs deutlich über dieses Level hinaus, steigt allerdings die Gefahr, dass es sich nicht mehr nur um einen normalen Rücksetzer handelt, sondern um eine stärkere Strukturveränderung.
78,6 %: Sehr tiefer Rücksetzer
Das 78,6-%-Level zeigt einen sehr tiefen Rücksetzer. Der Markt hat fast die gesamte vorherige Bewegung wieder abgegeben.
Manche Trader beobachten dieses Level noch als letzte mögliche Reaktionszone. Andere betrachten einen so tiefen Rücklauf bereits als Warnsignal, dass die ursprüngliche Bewegung deutlich an Kraft verloren hat.
Wie immer gilt: Das Level allein entscheidet nichts. Entscheidend ist die Reaktion des Marktes.
Fibonacci im Aufwärtstrend
In einem Aufwärtstrend wird das Fibonacci Retracement häufig vom letzten relevanten Tief zum letzten relevanten Hoch gezogen.
Das Werkzeug markiert dann mögliche Rücksetzungszonen unterhalb des Hochs.
Beispiel:
Ein Markt steigt von 100 auf 150 Euro. Danach beginnt eine Korrektur.
Mögliche Rücksetzungszonen wären:
- 38,2 %: flacherer Rücksetzer,
- 50 %: mittlerer Rücksetzer,
- 61,8 %: tieferer Rücksetzer.
Trader beobachten nun, ob der Markt an einem dieser Level wieder Käufer findet.
Wichtig ist: Ein Fibonacci-Level ist kein Kaufsignal. Es zeigt nur einen Bereich, an dem eine Reaktion möglich sein könnte.
Aussagekräftiger wird die Zone, wenn dort zusätzlich eine horizontale Unterstützung, eine steigende Trendlinie oder ein gleitender Durchschnitt verläuft.
Schematische Darstellung eines Fibonacci Retracements im Aufwärtstrend: Nach einem starken Aufwärtsimpuls korrigiert der Kurs in den Bereich wichtiger Fibonacci-Level wie 38,2 %, 50 % und 61,8 %. In der Grafik prallt der Kurs innerhalb dieser Rücksetzungszone nach oben ab und setzt die Aufwärtsbewegung fort. Fibonacci-Level markieren mögliche Reaktionsbereiche, sind aber keine sicheren Wendepunkte und sollten immer mit Trend, Unterstützung, Widerstand, Candlesticks und Risikomanagement kombiniert werden.
Quelle: Eigene Darstellung mit KI-Unterstützung, schematisches Beispiel – keine echten Marktdaten.
Fibonacci im Abwärtstrend
In einem Abwärtstrend funktioniert die Logik umgekehrt.
Das Fibonacci Retracement wird häufig vom letzten relevanten Hoch zum letzten relevanten Tief gezogen.
Die Level zeigen dann mögliche Erholungszonen innerhalb des Abwärtstrends.
Beispiel:
Ein Markt fällt von 150 auf 100 Euro. Danach erholt er sich.
Mögliche Retracement-Zonen liegen oberhalb des Tiefs. Dort könnten Verkäufer erneut aktiv werden, wenn der Abwärtstrend intakt bleibt.
Ein Rücklauf bis 38,2 % zeigt eine eher flache Erholung. Ein Rücklauf bis 50 % oder 61,8 % zeigt eine stärkere Gegenbewegung.
Auch hier gilt: Ein Fibonacci-Level ist kein automatisches Short-Signal. Es muss geprüft werden, ob der Markt dort tatsächlich Schwäche zeigt.
Schematische Darstellung eines Fibonacci Retracements im Abwärtstrend: Nach einem starken Abwärtsimpuls erholt sich der Kurs in den Bereich wichtiger Fibonacci-Level wie 38,2 %, 50 % und 61,8 %. In der Grafik scheitert die Erholung innerhalb dieser Rücklaufzone und der Abwärtstrend setzt sich fort. Fibonacci-Level können mögliche Widerstands- oder Reaktionsbereiche markieren, liefern aber keine sicheren Signale und sollten immer im Zusammenhang mit Trend, Marktstruktur, Bestätigung und Risikomanagement betrachtet werden.
Quelle: Eigene Darstellung mit KI-Unterstützung, schematisches Beispiel – keine echten Marktdaten.
Fibonacci und Pullback-Trading
Fibonacci-Retracements passen besonders gut zum Pullback-Trading.
Ein Pullback ist ein Rücksetzer innerhalb einer bestehenden Bewegung. Fibonacci kann helfen, diesen Rücksetzer in Zonen einzuordnen.
Beispiel im Aufwärtstrend:
Der Markt steigt dynamisch. Danach fällt er zurück in den Bereich zwischen 38,2 % und 61,8 %. Dort liegt zusätzlich eine frühere Unterstützungszone. Wenn nun eine bullische Candlestick-Reaktion entsteht, kann der Bereich für Trader interessant werden.
Das bedeutet nicht, dass der Trade funktionieren muss. Aber die Idee ist strukturierter als ein zufälliger Einstieg.
Im Abwärtstrend kann Fibonacci entsprechend helfen, Erholungen zu bewerten. Wenn der Markt in eine Retracement-Zone steigt und dort an Widerstand oder einer fallenden Trendlinie scheitert, kann das auf eine mögliche Fortsetzung des Abwärtstrends hinweisen.
Fibonacci und Konfluenz
Der Begriff Konfluenz ist bei Fibonacci besonders wichtig.
Ein einzelnes Fibonacci-Level im Chart hat oft begrenzte Aussagekraft. Interessanter wird es, wenn mehrere technische Faktoren denselben Kursbereich markieren.
Beispiele:
Ein 61,8-%-Retracement liegt genau an einer früheren Unterstützungszone.
Ein 50-%-Retracement fällt mit einer steigenden Trendlinie zusammen.
Ein 38,2-%-Retracement liegt nahe einem gleitenden Durchschnitt.
Ein 61,8-%-Retracement trifft auf einen Bereich, an dem zuvor hohes Volumen gehandelt wurde.
In solchen Fällen beobachten möglicherweise mehr Marktteilnehmer dieselbe Zone. Das kann die Wahrscheinlichkeit einer Marktreaktion erhöhen.
Trotzdem bleibt die Zone unsicher. Der Markt kann sie respektieren, kurz unterschreiten oder vollständig ignorieren.
Fibonacci und Unterstützung/Widerstand
Fibonacci-Level sollten nicht unabhängig von Unterstützungen und Widerständen betrachtet werden.
Eine horizontale Unterstützung entsteht durch frühere Marktreaktionen. Ein Fibonacci-Level entsteht durch die prozentuale Einteilung einer Kursbewegung.
Wenn beide Methoden auf einen ähnlichen Bereich zeigen, kann dieser Bereich interessanter werden.
Beispiel:
Eine Aktie steigt von 80 auf 120 Euro. Danach korrigiert sie. Das 50-%-Retracement liegt bei 100 Euro. Gleichzeitig war 100 Euro früher ein wichtiger Widerstand, der nach dem Ausbruch zur Unterstützung werden könnte.
In diesem Fall ist nicht nur das Fibonacci-Level relevant. Relevant ist vor allem die Kombination aus ehemaligem Widerstand, möglicher Unterstützung und Rücksetzungszone.
Fibonacci und Trendlinien
Trendlinien können Fibonacci-Zonen ergänzen.
In einem Aufwärtstrend kann der Markt an eine steigende Trendlinie zurücklaufen. Wenn dort zusätzlich ein wichtiges Retracement-Level liegt, entsteht eine mögliche Reaktionszone.
In einem Abwärtstrend kann eine Erholung an eine fallende Trendlinie laufen. Wenn dort gleichzeitig ein Fibonacci-Level liegt, kann diese Zone als potenzieller Widerstandsbereich beobachtet werden.
Auch hier gilt: Erst die Reaktion entscheidet. Ein Kursbereich wird nicht automatisch relevant, nur weil dort eine Linie und ein Fibonacci-Level zusammenfallen.
Fibonacci und Candlestick-Muster
Candlestick-Muster können helfen, die Reaktion an einem Fibonacci-Level besser zu beurteilen.
Im Aufwärtstrend können an einer Rücksetzungszone zum Beispiel folgende Muster auffallen:
- Hammer,
- Inverted Hammer mit Bestätigung,
- Bullish Engulfing,
- lange untere Dochte,
- starke bullische Folgekerze.
Im Abwärtstrend können an einer Erholungszone folgende Muster auftreten:
- Shooting Star,
- Bearish Engulfing,
- lange obere Dochte,
- schwache bullische Kerzen mit anschließender Umkehr.
Candlesticks sind aber keine Garantie. Sie zeigen nur, wie Käufer und Verkäufer an einer bestimmten Zone reagiert haben.
Ein Fibonacci-Level plus Candlestick-Reaktion ist aussagekräftiger als ein Fibonacci-Level allein, aber auch diese Kombination kann scheitern.
Fibonacci richtig einzeichnen
Beim Einzeichnen von Fibonacci-Retracements ist die Wahl von Hoch und Tief entscheidend.
In einem Aufwärtstrend wird meist vom relevanten Tief zum relevanten Hoch gezogen.
In einem Abwärtstrend wird meist vom relevanten Hoch zum relevanten Tief gezogen.
Das klingt einfach, ist aber in der Praxis subjektiv. Verschiedene Trader wählen unterschiedliche Swing-Punkte. Dadurch entstehen unterschiedliche Fibonacci-Level.
Deshalb ist es wichtig, nicht jedes kleine Hoch und Tief zu verwenden. Sinnvoller sind klare Bewegungen, die im Chart gut sichtbar sind.
Praktische Fragen:
- War die Bewegung deutlich genug?
- Ist der Startpunkt ein relevantes Tief oder Hoch?
- Ist der Endpunkt ein klares Hoch oder Tief?
- Passt die Bewegung zur betrachteten Zeitebene?
- Wird die Zone auch durch andere technische Faktoren bestätigt?
Je beliebiger die Punkte gewählt werden, desto geringer ist der Nutzen.
Fibonacci in verschiedenen Zeitebenen
Fibonacci-Retracements können auf unterschiedlichen Zeitebenen verwendet werden.
Im Tageschart zeigen sie größere Rücksetzungszonen. Im Stundenchart können sie mittelfristige Bewegungen strukturieren. Im Minutenchart entstehen viele kurzfristige Retracements, die jedoch anfälliger für Rauschen sind.
Je kleiner die Zeitebene, desto häufiger entstehen scheinbare Fibonacci-Signale. Gleichzeitig steigt die Gefahr, zufällige Bewegungen zu überinterpretieren.
Sinnvoll ist häufig ein Blick auf mehrere Zeitebenen.
Beispiel:
Im Tageschart liegt eine wichtige Unterstützungszone. Im Stundenchart fällt ein 61,8-%-Retracement in denselben Bereich. Im kleineren Zeitfenster entsteht eine bullische Reaktion.
Das kann die Zone interessanter machen, ersetzt aber keine Risikoplanung.
Fibonacci Cluster: Wenn mehrere Level zusammenfallen
Manche Trader arbeiten mit sogenannten Fibonacci-Clustern.
Dabei werden Fibonacci-Retracements aus mehreren Bewegungen eingezeichnet. Wenn mehrere Level in einem ähnlichen Preisbereich liegen, entsteht ein Cluster.
Die Idee:
Wenn unterschiedliche Bewegungen auf denselben Bereich zeigen, könnte dieser Bereich stärker beachtet werden.
Beispiel:
Das 61,8-%-Retracement einer größeren Bewegung liegt nahe dem 38,2-%-Retracement einer kleineren Bewegung. Gleichzeitig befindet sich dort eine alte Unterstützungszone.
Solche Cluster können interessant sein, sollten aber nicht überladen werden. Zu viele Fibonacci-Linien im Chart führen schnell zu Verwirrung. Wenn überall Linien liegen, findet sich immer irgendeine Erklärung.
Fibonacci Extension: Nicht mit Retracement verwechseln
Neben Fibonacci Retracements gibt es auch Fibonacci Extensions.
Ein Retracement misst, wie weit ein Markt eine vorherige Bewegung korrigiert.
Eine Extension versucht, mögliche Ziele über das vorherige Hoch oder Tief hinaus zu markieren.
Beispiel:
Ein Markt steigt von 100 auf 150 Euro, korrigiert auf 130 Euro und steigt dann wieder. Eine Fibonacci Extension könnte mögliche Zielbereiche oberhalb von 150 Euro anzeigen.
Häufig genutzte Extension-Level sind zum Beispiel 127,2 %, 161,8 % oder 261,8 %.
Dieser Artikel konzentriert sich vor allem auf Retracements, also Rücksetzungszonen. Extensions können später bei Kurszielen oder harmonischen Mustern wie der ABCD-Formation eine Rolle spielen.
Fibonacci und die ABCD-Formation
Fibonacci-Retracements sind auch eine Grundlage vieler harmonischer Chartmuster.
Ein einfaches Beispiel ist die ABCD-Formation. Dabei wird eine Bewegung von A nach B, eine Korrektur von B nach C und eine mögliche Fortsetzung von C nach D betrachtet.
Fibonacci kann helfen, die Korrektur B-C und mögliche Zielzonen für D einzuordnen.
Wichtig ist aber: Harmonische Muster wirken im Rückblick oft sehr sauber. In Echtzeit sind sie deutlich schwieriger. Deshalb sollte auch die ABCD-Formation nicht als perfektes Prognosemuster verstanden werden, sondern als Werkzeug zur Strukturierung von Bewegung und Korrektur.
Typische Fehler beim Fibonacci Retracement
Ein häufiger Fehler ist, Fibonacci-Level als sichere Umkehrpunkte zu betrachten. Das sind sie nicht.
Ein zweiter Fehler ist das beliebige Einzeichnen. Wenn Hoch und Tief ständig angepasst werden, bis ein Level zur eigenen Meinung passt, verliert das Werkzeug seinen Nutzen.
Ein dritter Fehler ist, zu viele Fibonacci-Strecken gleichzeitig einzuzeichnen. Dann wird der Chart unübersichtlich, und fast jeder Kursbereich scheint irgendeine Bedeutung zu haben.
Häufige Fehler sind:
- Fibonacci-Level als Kaufsignal verstehen,
- Fibonacci-Level als Verkaufssignal verstehen,
- Hoch und Tief willkürlich wählen,
- zu viele Retracements einzeichnen,
- Trend und Marktumfeld ignorieren,
- Unterstützung und Widerstand nicht beachten,
- Candlestick-Reaktion nicht abwarten,
- Stop-Loss zu eng setzen,
- Positionsgröße nicht berechnen,
- Fehlausbrüche unterschätzen,
- Rückblick mit Echtzeit verwechseln.
Fibonacci sollte den Chart strukturieren, nicht eine gewünschte Marktmeinung bestätigen.
Fibonacci und Risikomanagement
Ein Fibonacci-Level sagt nichts darüber aus, wie viel Kapital riskiert werden darf.
Deshalb muss ein möglicher Trade immer unabhängig geplant werden:
- Wo liegt der Einstieg?
- Wo ist die Idee ungültig?
- Wo liegt der Stop-Loss?
- Wie weit ist der Stop entfernt?
- Wie groß darf die Position sein?
- Wo liegt ein realistisches Ziel?
- Ist das Chance-Risiko-Verhältnis sinnvoll?
Beispiel:
Ein Markt korrigiert im Aufwärtstrend an das 50-%-Retracement. Dort liegt zusätzlich eine Unterstützungszone. Ein Trader erwägt einen Einstieg. Der Stop-Loss liegt unter der Unterstützungszone. Das Ziel liegt am vorherigen Hoch.
Erst jetzt lässt sich prüfen, ob der Trade überhaupt sinnvoll ist.
Das Fibonacci-Level allein reicht nicht.
Praktische Checkliste
Vor einem Trade mit Fibonacci-Bezug können Sie sich folgende Fragen stellen:
- Gibt es eine klare vorherige Bewegung?
- Wurden Hoch und Tief sinnvoll gewählt?
- Befindet sich der Markt in einem Trend oder in einer Seitwärtsphase?
- Liegt das Fibonacci-Level an einer Unterstützung oder einem Widerstand?
- Gibt es eine Trendlinie oder einen gleitenden Durchschnitt in der Nähe?
- Entsteht eine Candlestick-Reaktion?
- Gibt es einen Pullback-Kontext?
- Passt die Zone zur übergeordneten Zeitebene?
- Wo liegt der Stop-Loss?
- Wie groß ist die Positionsgröße?
- Wie ist das Chance-Risiko-Verhältnis?
- Gibt es wichtige Nachrichten oder Termine?
Diese Fragen sind wichtiger als die genaue Prozentzahl des Levels.
Fibonacci im Tradingplan
Fibonacci-Retracements sollten eine klare Rolle im Tradingplan haben.
Mögliche Rollen:
Rücksetzungszone:
Fibonacci zeigt, wie weit der Markt korrigiert hat.
Konfluenz-Werkzeug:
Fibonacci wird genutzt, um Zonen zu finden, die mit Unterstützung, Widerstand oder Trendlinien zusammenfallen.
Filter:
Ein Trade wird nur geprüft, wenn der Rücksetzer in einem vorher definierten Bereich liegt.
Planungshilfe:
Fibonacci hilft, Einstieg, Stop-Loss und Ziel strukturierter zu betrachten.
Wichtig ist, dass Fibonacci nicht nachträglich zur Rechtfertigung eines Trades genutzt wird. Es sollte vorher klar sein, welche Bewegung gemessen wird und welche Level relevant sind.
Fazit
Fibonacci Retracements sind ein bekanntes Werkzeug der technischen Analyse. Sie helfen, Rücksetzer nach einer vorherigen Kursbewegung in mögliche Reaktionszonen zu unterteilen.
Die wichtigsten Level sind 38,2 %, 50 % und 61,8 %. Das 50-%-Level ist streng genommen kein echtes Fibonacci-Level, wird aber häufig genutzt, weil es den Mittelbereich einer Bewegung markiert.
Fibonacci-Level funktionieren nicht als sichere Prognose. Sie können aber relevant werden, weil viele Marktteilnehmer ähnliche Zonen beobachten und dort Handelsentscheidungen treffen. Besonders interessant werden sie, wenn sie mit Unterstützung, Widerstand, Trendlinien, gleitenden Durchschnitten oder Candlestick-Reaktionen zusammenfallen.
Der wichtigste Merksatz lautet:
Fibonacci Retracements zeigen keine sicheren Wendepunkte. Sie markieren mögliche Rücksetzungszonen, die erst im Zusammenhang mit Trend, Marktstruktur, Bestätigung und Risikomanagement wirklich sinnvoll werden.
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