Veröffentlicht: 07. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2026
Autor: S. Fiedler
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
Broker für US-Aktien: CapTrader und LYNX für direkten US-Handel
Wer US-Aktien kaufen möchte, kann das auf zwei Arten tun: über einen deutschen Handelsplatz oder direkt an einer US-Börse wie Nasdaq oder NYSE.
Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen deutschem Handelsplatz und direkter US-Börse werden bereits im separaten Artikel US-Aktien kaufen: deutscher Handelsplatz oder US-Börse? erklärt.
Dieser Artikel hat einen engeren Fokus:
Welche Broker sind interessant, wenn Anleger US-Aktien direkt am US-Markt handeln möchten?
Besonders häufig genannt werden dabei CapTrader und LYNX. Beide Anbieter richten sich eher an Anleger, die mehr internationalen Marktzugang, US-Dollar-Abrechnung, mehrere Währungen und professionelle Handelsmöglichkeiten suchen.
Der Kernpunkt: Beide Broker bieten für US-Aktien ein sehr anderes Gebührenmodell als viele klassische deutsche Direktbanken.
Warum ein spezieller Broker für US-Aktien sinnvoll sein kann
Viele bekannte US-Aktien lassen sich auch über deutsche Handelsplätze kaufen. Für gelegentliche Käufe kann das ausreichen.
Ein spezieller US-Aktien-Broker kann aber interessanter sein, wenn Anleger:
- regelmäßig US-Aktien kaufen,
- direkt an Nasdaq oder NYSE handeln möchten,
- US-Dollar im Depot halten möchten,
- Verkaufserlöse nicht sofort in Euro zurücktauschen wollen,
- US-Dividenden in USD erhalten,
- auch Optionen, Anleihen oder weitere US-Produkte nutzen möchten,
- bei größeren Orders auf enge Spreads und Heimatbörsenliquidität achten.
Gerade bei liquiden US-Standardwerten kann der direkte US-Handel attraktiv sein. Die Order wird in US-Dollar ausgeführt, und der Anleger nutzt direkt den US-Handelsplatz.
CapTrader: US-Aktien ab 2 USD Mindestgebühr
CapTrader nennt für US-Aktien eine Gebühr von 0,01 USD je Aktie, mindestens aber 2,00 USD je Order. Laut CapTrader sind bei den USA-Beispielen die Börsengebühren einbezogen, Ausnahmen werden gekennzeichnet.
Das bedeutet: Bei vielen normalen US-Aktienorders bleibt die direkte Ordergebühr sehr niedrig.
Beispiel:
Wer 50 Apple-Aktien kauft, zahlt rechnerisch 50 × 0,01 USD = 0,50 USD. Da die Mindestgebühr greift, wären es 2,00 USD.
Erst ab 200 Aktien liegt die rechnerische Gebühr bei 2,00 USD. Bei größeren Stückzahlen steigt die Gebühr entsprechend der Aktienanzahl.
CapTrader kann deshalb besonders für Anleger interessant sein, die regelmäßig US-Aktien direkt kaufen und verkaufen möchten.
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LYNX: US-Aktien ab 5 USD Mindestgebühr
LYNX nennt für US-Aktien an der Nasdaq eine Gebühr von 0,01 USD je Aktie, mindestens 5,00 USD und maximal 2 % des Handelswerts. Auf der Nasdaq-Informationsseite nennt LYNX zusätzlich ein Gebührenbeispiel: 100 Aktien zu 80 USD, also 8.000 USD Ordervolumen, führen zu 5,00 USD Gebühren.
Damit ist LYNX ebenfalls deutlich stärker auf internationalen Handel ausgerichtet als viele klassische deutsche Standarddepots. Die Mindestgebühr liegt allerdings höher als bei CapTrader.
LYNX kann besonders interessant sein, wenn Anleger neben US-Aktien auch internationale Märkte, mehrere Währungen, Optionen oder professionellere Handelsplattformen nutzen möchten. LYNX nennt Zugang zu mehr als 100 Märkten in über 30 Ländern sowie das Halten und Einzahlen von mehr als 20 Währungen.
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Beispielhafte Orderkosten bei US-Aktien
Wichtig: Die Gebührenmodelle von CapTrader* und LYNX* sind stückzahlabhängig, nicht rein ordervolumenabhängig. Entscheidend ist also, wie viele Aktien gekauft werden.
Die folgende Tabelle nimmt vereinfacht an, dass eine US-Aktie 100 USD kostet. Nicht berücksichtigt sind Spreads, Währungsumrechnung, mögliche regulatorische Gebühren, Steuern, Fremdkosten oder Sonderfälle.
| Ordervolumen | Aktienanzahl bei 100 USD Kurs | CapTrader US-Aktien | LYNX US-Aktien |
|---|---|---|---|
| 1.000 USD | 10 Aktien | 2,00 USD | 5,00 USD |
| 2.000 USD | 20 Aktien | 2,00 USD | 5,00 USD |
| 5.000 USD | 50 Aktien | 2,00 USD | 5,00 USD |
| 10.000 USD | 100 Aktien | 2,00 USD | 5,00 USD |
| 20.000 USD | 200 Aktien | 2,00 USD | 5,00 USD |
| 50.000 USD | 500 Aktien | 5,00 USD | 5,00 USD |
Die Tabelle zeigt: Bei höherpreisigen US-Aktien greift bei CapTrader häufig lange die Mindestgebühr von 2 USD. Bei LYNX greift in diesen Beispielen die Mindestgebühr von 5 USD.
Bei sehr niedrigpreisigen Aktien kann das anders aussehen. Wer zum Beispiel 1.000 Stück einer 10-USD-Aktie kauft, zahlt bei beiden Modellen rechnerisch 10 USD, weil 1.000 × 0,01 USD = 10 USD ergibt. Besonders bei Pennystocks, OTC-Werten oder sehr großen Stückzahlen sollten Anleger daher die Kosten in der Ordermaske genau prüfen.
Warum die Ordergebühr nicht alles ist
Auch bei günstigen US-Aktiengebühren sollten Anleger nicht nur auf die sichtbare Orderprovision schauen.
Wichtig sind zusätzlich:
- Spread,
- Liquidität an der US-Börse,
- Handelszeit,
- Währungsumrechnung,
- US-Dollar-Bestand im Depot,
- mögliche SEC- oder FINRA-Gebühren bei Verkäufen,
- Quellensteuer auf Dividenden,
- steuerliche Dokumentation in Deutschland.
CapTrader weist bei Aktienorders etwa auf regulatorische Gebühren bei Verkäufen hin, darunter SEC- und FINRA-Gebühren.
Gerade bei großen US-Standardwerten kann die direkte US-Börse durch hohe Liquidität und enge Spreads attraktiv sein. Bei marktengen Nebenwerten oder außerhalb regulärer Handelszeiten sollten Anleger aber vorsichtig bleiben.
Normales Depot statt nur Profi-Software
Ein häufiger Irrtum lautet: Wer CapTrader oder LYNX nutzt, müsse zwingend mit komplexer Profi-Software arbeiten.
Das stimmt so nicht.
CapTrader bietet neben der Trader Workstation auch ein Client Portal zur Kontoverwaltung und Depotüberwachung. CapTrader beschreibt die Kontoverwaltung als zentrale Oberfläche, über die Anleger Depotinformationen überwachen, Berichte erstellen, Ein- und Auszahlungen verwalten und persönliche Daten aktualisieren können. Zusätzlich gibt es eine CapTrader Easy App, die laut Anbieter für einen einfacheren Einstieg in Aktien, ETFs und Optionen gedacht ist.
Auch LYNX bietet neben der Trader Workstation eine browserbasierte Plattform LYNX+, die laut Anbieter direkt im Browser nutzbar ist und den Depotüberblick ermöglichen soll. Die TWS steht bei LYNX zusätzlich als leistungsfähigere Plattform für erfahrene Anleger bereit.
Das ist für normale Anleger wichtig:
Wer US-Aktien langfristig kaufen möchte, muss nicht zwingend mit einer professionellen Chartsoftware arbeiten. Für einfache Aktienorders, Depotüberblick und Berichte können browserbasierte oder einfachere Oberflächen ausreichen.
Steuer: Mehr Eigenverantwortung, aber möglicher Liquiditätsvorteil
Ein wichtiger Unterschied zu deutschen Brokern ist die Steuerabwicklung.
Bei vielen deutschen Brokern werden Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer automatisch einbehalten. Bei CapTrader und LYNX ist das anders.
CapTrader schreibt, dass CapTrader/Interactive Brokers keine deutschen oder österreichischen Abgeltungssteuern abführt und Kunden ihre steuerliche Situation eigenverantwortlich klären sowie gegebenenfalls eine Steuererklärung abgeben müssen.
Bei LYNX wird ebenfalls keine deutsche Verlust- oder Gewinnbescheinigung ausgestellt, weil das Depot nicht bei einer deutschen depotführenden Stelle geführt wird. LYNX verweist auf einen informativen Steuerbericht und den Jahresdepotauszug als Nachweisgrundlage.
Das bedeutet: Anleger müssen Kapitalerträge, Dividenden, realisierte Gewinne und gegebenenfalls Fremdwährungsthemen sorgfältig dokumentieren und in der Steuererklärung berücksichtigen.
Daraus kann aber ein unterjähriger Liquiditätsvorteil entstehen: Wenn keine deutsche Abgeltungsteuer direkt beim Verkauf einbehalten wird, verbleibt der Betrag zunächst im Depot und kann bis zur späteren Steuerzahlung weiter genutzt werden. Das ist kein Steuergeschenk, sondern nur ein zeitlicher Effekt. Die Steuerpflicht bleibt bestehen.
Reporting: CapTrader und LYNX im Vergleich
Beim direkten US-Handel ist Reporting besonders wichtig. Denn US-Aktien werden in US-Dollar gehandelt, Dividenden können in USD anfallen und Währungsgewinne oder -verluste können steuerlich relevant werden.
CapTrader bietet einen Performancebericht, der laut Anbieter für ein Kalenderjahr erstellt wird und die realisierte Gewinn- und Verlustsituation in Euro darstellt. CapTrader weist aber auch darauf hin, dass der Performancebericht keine Steuerberatung und kein offizielles Steuerdokument ersetzt.
Besonders interessant ist die Fremdwährungs-GuV im CapTrader-Performancebericht. Diese zeigt laut CapTrader realisierte Gewinne oder Verluste, die allein aus Wechselkursänderungen auf Cash-Fremdwährungspositionen entstehen. Maßstab ist die Bewertung in Euro.
LYNX bietet einen informativen Steuerbericht für Kunden mit steuerlichem Wohnsitz in Deutschland. Dieser enthält unter anderem realisierte Gewinne und Verluste sowie Dividenden. LYNX weist jedoch darauf hin, dass eigenständige Fremdwährungsgewinne oder -verluste aus reinen Devisentransaktionen im informativen Steuerbericht nicht separat ausgewiesen werden; Wechselkurseffekte können indirekt in den Wertpapierergebnissen enthalten sein.
Kurz gesagt:
| Punkt | CapTrader | LYNX |
|---|---|---|
| Deutscher Steuerabzug | keine automatische deutsche Abgeltungsteuer | keine deutsche Verlust-/Gewinnbescheinigung |
| Reporting | Performancebericht und Kontoauszüge | informativer Steuerbericht und Jahresdepotauszug |
| Fremdwährungs-GuV | gesonderte Fremdwährungs-GuV im Performancebericht | nicht separat im informativen Steuerbericht ausgewiesen |
| Steuerpflicht | Anleger bleibt eigenverantwortlich | Anleger bleibt eigenverantwortlich |
Gerade wer regelmäßig US-Aktien kauft, verkauft und US-Dollar hält, sollte diesen Unterschied nicht unterschätzen.
Für wen passt CapTrader?
CapTrader kann besonders interessant sein, wenn Anleger:
- US-Aktien direkt handeln möchten,
- niedrige Mindestgebühren suchen,
- US-Dollar im Depot halten möchten,
- Fremdwährungen bewusst verwalten,
- detailliertere Performanceberichte nutzen möchten,
- später auch Optionen, Anleihen oder weitere internationale Produkte prüfen,
- keine automatische deutsche Steuerabführung benötigen,
- bereit sind, Steuerunterlagen eigenverantwortlich aufzubereiten.
Der Anbieter ist damit besonders für Anleger geeignet, die den direkten US-Handel ernsthaft nutzen möchten und nicht nur gelegentlich eine US-Aktie über einen deutschen Handelsplatz kaufen.
Für wen passt LYNX?
LYNX kann besonders interessant sein, wenn Anleger:
- US-Aktien direkt handeln möchten,
- internationalen Marktzugang suchen,
- mehrere Währungen halten möchten,
- eine browserbasierte Plattform und zusätzlich TWS-Zugang wünschen,
- auch Optionen oder internationale Wertpapiere nutzen möchten,
- einen informativen Steuerbericht und Jahresdepotauszug nutzen können,
- mit steuerlicher Eigenverantwortung umgehen können.
Die Mindestgebühr für US-Aktien ist höher als bei CapTrader, kann aber für viele mittelgroße Orders weiterhin attraktiv sein.
CapTrader oder LYNX für US-Aktien?
Für reine US-Aktienkosten wirkt CapTrader durch die niedrigere Mindestgebühr von 2 USD besonders attraktiv. LYNX liegt bei mindestens 5 USD pro US-Aktienorder.
Bei größeren Stückzahlen nähern sich die Gebührenmodelle an, weil beide mit 0,01 USD je Aktie arbeiten.
Die Entscheidung hängt aber nicht nur an 2 USD oder 5 USD. Wichtig sind auch Plattform, Service, Reporting, Steuerunterlagen, Währungsfunktionen und persönlicher Bedienkomfort.
Wer vor allem möglichst günstig US-Aktien direkt kaufen möchte, sollte CapTrader genauer prüfen. Wer LYNX bereits wegen Plattform, Service, Märkten oder eigener Präferenz bevorzugt, findet dort ebenfalls ein international ausgerichtetes Angebot.
Fazit
CapTrader* und LYNX* sind für Anleger interessant, die US-Aktien nicht nur gelegentlich über deutsche Handelsplätze, sondern direkt am US-Markt handeln möchten.
CapTrader bietet US-Aktien ab 0,01 USD je Aktie mit 2 USD Mindestgebühr je Order. LYNX bietet US-Aktien ab 0,01 USD je Aktie mit 5 USD Mindestgebühr und einem Maximum von 2 % des Handelswerts.
Für mittelgroße Orders in höherpreisigen US-Aktien können beide Anbieter günstiger wirken als viele klassische deutsche Auslandsbörsenorders. CapTrader hat bei kleinen und mittleren Stückzahlen durch die niedrigere Mindestgebühr einen sichtbaren Kostenvorteil.
Wichtig bleibt aber: Direkter US-Handel bedeutet mehr Eigenverantwortung. Anleger müssen US-Dollar, Währungsrisiken, Dividenden, Quellensteuer, Kapitalerträge und Steuererklärung sauber dokumentieren. Der mögliche Liquiditätsvorteil durch spätere Steuerzahlung ersetzt keine Steuerpflicht.
Die wichtigste Erkenntnis lautet:
Wer regelmäßig US-Aktien direkt handeln möchte, sollte nicht nur den Handelsplatz, sondern auch Brokerkosten, Währungsführung, Steuerreporting und Bedienoberfläche vergleichen.
Für viele gelegentliche Käufer reicht ein deutsches Depot. Für Anleger mit Fokus auf direkte US-Börsen, US-Dollar-Bestände und internationale Märkte können CapTrader und LYNX dagegen deutlich interessanter sein.
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