Veröffentlicht: 19. April 2026 · Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2026 Autor: S. Fiedler
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
Bid-Ask-Spread einfach erklärt: Was bedeutet die Geld-Brief-Spanne?
Der Bid-Ask-Spread beschreibt die Differenz zwischen dem Preis, zu dem Marktteilnehmer ein Finanzinstrument kaufen möchten, und dem Preis, zu dem andere Marktteilnehmer es verkaufen möchten. Im Deutschen spricht man häufig von der Geld-Brief-Spanne.
Für Anleger und Trader ist der Spread wichtig, weil er ein indirekter Kostenfaktor beim Handel sein kann. Je größer die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis ist, desto stärker muss sich der Kurs zunächst in die gewünschte Richtung bewegen, bevor eine Position rechnerisch im Gewinn liegt.
Was bedeutet Bid und Ask?
Beim Handel an der Börse gibt es nicht nur „den einen Kurs“. Stattdessen gibt es häufig zwei wichtige Preise:
- Bid / Geldkurs: Preis, zu dem Käufer bereit sind, ein Wertpapier oder Finanzinstrument zu kaufen.
- Ask / Briefkurs: Preis, zu dem Verkäufer bereit sind, ein Wertpapier oder Finanzinstrument zu verkaufen.
Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen diesen beiden Preisen.
Vereinfacht gesagt:
Wer sofort kaufen möchte, orientiert sich meist am Briefkurs.
Wer sofort verkaufen möchte, orientiert sich meist am Geldkurs.
Formel für den Bid-Ask-Spread
Die einfache Formel lautet:
Spread = Ask-Preis − Bid-Preis
Oder auf Deutsch:
Geld-Brief-Spanne = Briefkurs − Geldkurs
Beispiel:
- Geldkurs: 99,90 €
- Briefkurs: 100,00 €
Dann beträgt der Spread:
100,00 € − 99,90 € = 0,10 €
Der absolute Spread beträgt also 10 Cent.
Prozentualer Spread
Neben dem absoluten Spread ist auch der prozentuale Spread wichtig. Er zeigt, wie groß die Spanne im Verhältnis zum Kurs ist.
Eine einfache Näherung lautet:
Prozentualer Spread = Spread ÷ Briefkurs × 100
Beispiel:
- Geldkurs: 99,90 €
- Briefkurs: 100,00 €
- Spread: 0,10 €
Dann ergibt sich:
0,10 € ÷ 100,00 € × 100 = 0,10 %
Der Spread beträgt also 0,10 Prozent des Kaufpreises.
Warum ist der Spread für Anleger wichtig?
Der Spread wirkt sich unmittelbar auf den Handel aus. Wer ein Wertpapier zum Briefkurs kauft und direkt wieder zum Geldkurs verkaufen würde, hätte durch die Spanne einen kleinen rechnerischen Verlust.
Das bedeutet:
- Ein enger Spread ist meist günstiger für den Handel.
- Ein weiter Spread erhöht die indirekten Handelskosten.
- Bei häufigem Trading können Spreads stark ins Gewicht fallen.
- Bei langfristigem Investieren sind Spreads meist weniger wichtig als bei sehr aktivem Handel.
Gerade beim Day Trading, Scalping oder kurzfristigen Handel ist der Spread besonders relevant, weil bereits kleine Unterschiede zwischen Kauf- und Verkaufspreis die Handelsbilanz beeinflussen können.
Beispiel: Spread bei einer Aktie
Angenommen, eine Aktie wird mit folgenden Kursen angezeigt:
- Geldkurs: 49,95 €
- Briefkurs: 50,00 €
Wer sofort kaufen möchte, zahlt möglicherweise 50,00 €. Wer sofort verkaufen möchte, erhält möglicherweise nur 49,95 €.
Der Spread beträgt:
50,00 € − 49,95 € = 0,05 €
Bei 100 Aktien entspricht das einer Spanne von:
100 × 0,05 € = 5,00 €
Das bedeutet nicht automatisch, dass der Broker diese 5 Euro als Gebühr berechnet. Es zeigt aber, dass die Geld-Brief-Spanne ein realer Kostenfaktor im Handel sein kann.
Beispiel: Spread bei ETFs
Auch ETFs haben an der Börse einen Geldkurs und einen Briefkurs. Bei sehr liquiden ETFs auf große Indizes sind die Spreads häufig eng. Bei weniger gehandelten ETFs, exotischeren Märkten oder ungünstigen Handelszeiten können die Spreads dagegen breiter sein.
Wichtig ist dabei:
Ein ETF kann langfristig günstig sein, aber beim Kauf oder Verkauf trotzdem einen Spread haben. Anleger sollten deshalb nicht nur auf die laufenden Kosten eines ETFs achten, sondern auch auf die Handelbarkeit und die Geld-Brief-Spanne.
Spread bei Anleihen
Bei Anleihen kann der Spread teilweise deutlich größer sein als bei sehr liquiden Aktien oder Standard-ETFs. Das liegt daran, dass viele Anleihen weniger häufig gehandelt werden.
Besonders relevant sind dabei:
- Liquidität der Anleihe,
- Restlaufzeit,
- Bonität des Emittenten,
- Handelsplatz,
- Stückelung,
- Marktumfeld.
Bei wenig liquiden Anleihen kann ein weiter Spread dazu führen, dass ein sofortiger Kauf oder Verkauf zu einem ungünstigeren Preis erfolgt. Deshalb ist der Spread bei Einzelanleihen ein wichtiger Punkt bei der Auswahl und beim Handel.
Spread bei CFDs und Forex
Im CFD- und Forex-Handel spielt der Spread eine besonders große Rolle. Viele CFD- oder Forex-Broker verdienen zumindest teilweise über die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs.
Bei stark gehandelten Währungspaaren wie EUR/USD sind die Spreads oft enger als bei exotischen Währungspaaren. Bei geringer Liquidität, hoher Volatilität oder wichtigen Nachrichten können Spreads allerdings deutlich breiter werden.
Für Trader ist deshalb wichtig:
- Spreads verschiedener Märkte vergleichen,
- Handelszeiten beachten,
- Spread-Ausweitungen bei Nachrichten kennen,
- nicht nur auf niedrige Kommissionen achten,
- Gesamtkosten aus Spread, Kommission und Finanzierungskosten betrachten.
Warum verändern sich Spreads?
Spreads sind nicht immer gleich. Sie können sich je nach Marktsituation verändern.
Typische Gründe für breitere Spreads sind:
- geringe Liquidität,
- hohe Volatilität,
- Nachrichtenereignisse,
- Handel außerhalb der Haupthandelszeiten,
- geringe Nachfrage nach einem Wertpapier,
- unsichere Marktlage,
- kleinere oder weniger gehandelte Finanzinstrumente.
Typische Gründe für enge Spreads sind:
- hohe Liquidität,
- viele Käufer und Verkäufer,
- reguläre Haupthandelszeiten,
- große und häufig gehandelte Aktien oder ETFs,
- stabile Marktbedingungen.
Ein enger Spread kann also ein Hinweis auf gute Handelbarkeit sein. Ein weiter Spread kann dagegen zeigen, dass der Markt weniger liquide oder unsicherer ist.
Bid-Ask-Spread und Liquidität
Der Spread hängt eng mit der Liquidität zusammen. Liquidität bedeutet, dass ein Finanzinstrument schnell und mit geringen Preisabschlägen gekauft oder verkauft werden kann.
Bei hoher Liquidität stehen meist viele Kauf- und Verkaufsaufträge im Markt. Dadurch liegen Geld- und Briefkurs oft näher beieinander.
Bei niedriger Liquidität gibt es dagegen weniger Marktteilnehmer. Dann kann die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis größer werden.
Deshalb gilt vereinfacht:
Hohe Liquidität → eher enger Spread
Niedrige Liquidität → eher weiter Spread
Diese Regel gilt nicht immer perfekt, ist aber eine wichtige Orientierung.
Bid-Ask-Spread und Orderarten
Die gewählte Orderart beeinflusst, wie stark der Spread beim Handel relevant wird.
Market Order
Bei einer Market Order wird die Order zum nächstmöglichen verfügbaren Preis ausgeführt. Das kann schnell gehen, aber bei breiten Spreads oder geringer Liquidität zu einem ungünstigen Preis führen.
Limit Order
Bei einer Limit Order legt der Anleger einen maximalen Kaufpreis oder einen minimalen Verkaufspreis fest. Dadurch lässt sich verhindern, dass eine Order zu einem deutlich schlechteren Preis ausgeführt wird als gewünscht.
Stop Order
Eine Stop Order wird erst aktiviert, wenn ein bestimmter Kurs erreicht wird. Danach kann sie je nach Ausgestaltung als Market Order oder Limit Order ausgeführt werden. Auch hier können Spread und Liquidität eine wichtige Rolle spielen.
Gerade bei weniger liquiden Wertpapieren oder in volatilen Marktphasen kann eine Limit Order helfen, die Kontrolle über den Ausführungspreis zu verbessern.
Warum der Spread beim Day Trading besonders wichtig ist
Beim langfristigen Investieren fällt ein kleiner Spread oft weniger stark ins Gewicht, weil die Haltedauer lang ist. Beim kurzfristigen Trading ist das anders.
Wer sehr häufig handelt, zahlt den Spread indirekt immer wieder. Dadurch kann selbst eine kleine Geld-Brief-Spanne die Performance belasten.
Beispiel:
Ein Trader kauft und verkauft häufig ein Instrument mit einem Spread von 0,10 %. Wenn viele Trades pro Woche oder Monat stattfinden, summieren sich diese indirekten Kosten.
Deshalb sollten Trader nicht nur auf die Richtung des Marktes achten, sondern auch auf:
- Spread,
- Orderausführung,
- Liquidität,
- Handelszeit,
- Kommissionen,
- Slippage.
Ein gutes Setup kann durch hohe Handelskosten deutlich weniger attraktiv werden.
Spread ist nicht dasselbe wie Brokergebühr
Ein häufiger Denkfehler ist, den Spread mit der normalen Ordergebühr gleichzusetzen. Das ist nicht ganz richtig.
Die Brokergebühr oder Orderprovision ist eine direkte Gebühr. Der Spread ist dagegen die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis.
In der Praxis können beide Kostenarten gleichzeitig auftreten:
- Ordergebühr,
- Börsenplatzentgelt,
- Spread,
- mögliche Fremdkosten,
- bei Hebelprodukten zusätzlich Finanzierungskosten.
Für Anleger zählt deshalb nicht nur die sichtbare Gebühr, sondern die Gesamtkosten des Handels.
Typische Missverständnisse beim Bid-Ask-Spread
„Der angezeigte Kurs ist immer mein Ausführungspreis.“
Nicht unbedingt. Der zuletzt gehandelte Kurs, der Geldkurs und der Briefkurs können unterschiedlich sein. Entscheidend ist, zu welchem Preis die eigene Order tatsächlich ausgeführt wird.
„Ein günstiger Broker bedeutet automatisch niedrige Handelskosten.“
Nicht immer. Auch bei niedrigen Ordergebühren können Spreads, Handelsplatz, Produktart und Ausführungsqualität wichtig sein.
„Bei ETFs ist der Spread egal.“
Nein. Bei sehr liquiden Standard-ETFs ist der Spread oft klein, aber nicht bedeutungslos. Bei speziellen ETFs oder ungünstigen Handelszeiten kann er größer sein.
„Ein hoher Spread ist immer Abzocke.“
Nicht automatisch. Ein weiter Spread kann auch durch geringe Liquidität, hohe Unsicherheit oder ein wenig gehandeltes Finanzinstrument entstehen. Trotzdem sollte man ihn als Kosten- und Risikofaktor beachten.
Wie können Anleger den Spread reduzieren?
Anleger können den Spread nicht direkt kontrollieren, aber sie können bewusster handeln.
Hilfreich können sein:
- liquide Wertpapiere bevorzugen,
- während der Haupthandelszeiten handeln,
- Limit Orders statt unkontrollierter Market Orders nutzen,
- Spreads verschiedener Handelsplätze vergleichen,
- bei ETFs auf hohe Handelsliquidität achten,
- bei Anleihen besonders auf Handelbarkeit achten,
- bei CFDs und Forex die Gesamtkosten prüfen.
Wichtig ist: Ein enger Spread allein macht ein Finanzinstrument nicht automatisch gut. Er ist nur ein Baustein bei der Einordnung.
Zusammenhang mit anderen Börsenbegriffen
Der Bid-Ask-Spread hängt eng mit mehreren anderen Begriffen zusammen:
- Orderbuch,
- Liquidität,
- Slippage,
- Market Order,
- Limit Order,
- Handelsplatz,
- Volatilität,
- Brokerkosten,
- Geldkurs,
- Briefkurs.
Lesen Sie auch:
➡️ Orderbuch einfach erklärt
➡️ Slippage einfach erklärt
➡️ Market Order, Limit Order und Stop Order
➡️ Liquidität bei Anleihen einfach erklärt
➡️ Anleihen handeln: Welches Depot ist das richtige?
➡️ ETF kaufen: Worauf achten?
Fazit
Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs. Er zeigt, wie weit Kauf- und Verkaufspreis eines Finanzinstruments auseinanderliegen.
Für Anleger und Trader ist der Spread wichtig, weil er ein indirekter Kostenfaktor sein kann. Je enger der Spread, desto günstiger ist der Handel in der Regel. Je weiter der Spread, desto stärker muss sich der Kurs zunächst zugunsten des Anlegers bewegen, um diese Spanne auszugleichen.
Besonders relevant ist der Spread bei kurzfristigem Trading, weniger liquiden Wertpapieren, Anleihen, CFDs, Forex und beim Handel außerhalb der Haupthandelszeiten.
Wer den Spread versteht, kann Handelskosten realistischer einschätzen und Orderentscheidungen bewusster treffen.