Veröffentlicht: 19. April 2026 · Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2026 Autor: S. Fiedler
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
Slippage einfach erklärt: Wenn der Ausführungspreis vom erwarteten Preis abweicht
Slippage bedeutet, dass eine Order zu einem anderen Kurs ausgeführt wird als ursprünglich erwartet. Das kann beim Kauf oder Verkauf von Aktien, ETFs, Anleihen, CFDs, Forex, Futures oder anderen Finanzinstrumenten passieren.
Für Anleger und Trader ist Slippage wichtig, weil sie die tatsächlichen Handelskosten erhöhen oder das Ergebnis eines Trades verändern kann. Besonders relevant ist Slippage bei schnellen Märkten, geringer Liquidität, breiten Spreads, Market Orders und Stop Orders.
Einfach gesagt:
Slippage entsteht, wenn zwischen dem gewünschten Kurs und dem tatsächlichen Ausführungskurs eine Differenz liegt.
Was bedeutet Slippage?
Slippage beschreibt die Abweichung zwischen dem erwarteten Preis einer Order und dem tatsächlichen Ausführungspreis.
Beispiel:
Ein Trader möchte eine Aktie ungefähr bei 50,00 € kaufen. Die Order wird aber tatsächlich bei 50,08 € ausgeführt.
Die Slippage beträgt:
50,08 € − 50,00 € = 0,08 €
Bei 100 Aktien wären das:
100 × 0,08 € = 8,00 €
Diese 8 Euro sind keine klassische Brokergebühr. Trotzdem wirken sie wie ein zusätzlicher Kostenfaktor, weil der Einstieg schlechter erfolgt als erwartet.
Positive und negative Slippage
Slippage ist nicht immer negativ. Sie kann in beide Richtungen auftreten.
Negative Slippage
Negative Slippage liegt vor, wenn die Ausführung schlechter ist als erwartet.
Beispiele:
- Ein Kauf erfolgt teurer als erwartet.
- Ein Verkauf erfolgt günstiger als erwartet.
- Ein Stop-Loss wird deutlich unterhalb der Stop-Marke ausgeführt.
Negative Slippage verschlechtert das Handelsergebnis.
Positive Slippage
Positive Slippage liegt vor, wenn die Ausführung besser ist als erwartet.
Beispiele:
- Ein Kauf erfolgt günstiger als erwartet.
- Ein Verkauf erfolgt teurer als erwartet.
Positive Slippage ist möglich, aber Anleger sollten sich nicht darauf verlassen. In der Praxis wird meist über negative Slippage gesprochen, weil sie ein Risiko darstellt.
Warum entsteht Slippage?
Slippage entsteht, weil Kurse nicht statisch sind. Zwischen Orderaufgabe, Weiterleitung und Ausführung kann sich der Markt bewegen. Außerdem steht nicht immer genug Volumen zum gewünschten Preis zur Verfügung.
Typische Ursachen sind:
- geringe Liquidität,
- breite Bid-Ask-Spreads,
- schnelle Kursbewegungen,
- Nachrichtenereignisse,
- große Orders,
- Market Orders,
- Stop Orders nach Aktivierung,
- dünnes Orderbuch,
- Handel außerhalb der Haupthandelszeiten,
- technische Verzögerungen oder Latenz.
Je schneller sich ein Markt bewegt und je weniger Liquidität vorhanden ist, desto größer kann die Slippage ausfallen.
Slippage und Bid-Ask-Spread
Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs. Er ist eng mit Slippage verbunden, aber nicht dasselbe.
Der Spread zeigt, wie weit Kauf- und Verkaufspreis aktuell auseinanderliegen. Slippage beschreibt dagegen die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis.
Beispiel:
- Geldkurs: 49,95 €
- Briefkurs: 50,00 €
Wer sofort per Market Order kaufen möchte, kauft möglicherweise zum Briefkurs von 50,00 €. Wenn auf diesem Kursniveau aber nicht genügend Stücke verfügbar sind, kann ein Teil der Order zu 50,05 € oder 50,10 € ausgeführt werden.
Dann kommt zur normalen Geld-Brief-Spanne zusätzlich eine Ausführungsabweichung hinzu.
Slippage und Orderbuch
Das Orderbuch zeigt, welche Kauf- und Verkaufsaufträge aktuell im Markt liegen. Slippage entsteht häufig dann, wenn im Orderbuch nicht genügend Volumen zum gewünschten Preis vorhanden ist.
Beispiel:
Ein Anleger möchte 1.000 Aktien kaufen. Im Orderbuch stehen zum besten Briefkurs aber nur 300 Aktien zum Verkauf. Die übrigen 700 Aktien müssen zu höheren Preisstufen gekauft werden.
Dadurch kann der durchschnittliche Ausführungspreis höher liegen als zunächst erwartet.
Je dünner das Orderbuch und je größer die eigene Order im Verhältnis zur verfügbaren Liquidität ist, desto größer kann die Slippage werden.
Slippage bei Market Orders
Market Orders sind besonders anfällig für Slippage, weil sie keine Preisgrenze enthalten.
Eine Market Order sagt im Prinzip:
„Führe die Order so schnell wie möglich zum nächsten verfügbaren Preis aus.“
Das kann bei liquiden Märkten unproblematisch sein. Bei weniger liquiden Wertpapieren oder schnellen Kursbewegungen kann der tatsächliche Ausführungspreis jedoch deutlich vom erwarteten Preis abweichen.
Deshalb sollten Anleger bei Market Orders besonders auf folgende Punkte achten:
- Wie groß ist der Spread?
- Wie liquide ist das Wertpapier?
- Wie groß ist die eigene Order?
- Wird während der Haupthandelszeit gehandelt?
- Gibt es gerade starke Nachrichten oder Volatilität?
Slippage bei Limit Orders
Limit Orders können Slippage begrenzen, weil sie eine Preisgrenze enthalten.
Bei einer Kauf-Limit-Order legt der Anleger den maximalen Kaufpreis fest. Bei einer Verkauf-Limit-Order legt er den minimalen Verkaufspreis fest.
Das bedeutet:
- Eine Kauforder wird nicht teurer ausgeführt als das gesetzte Limit.
- Eine Verkaufsorder wird nicht günstiger ausgeführt als das gesetzte Limit.
Der Vorteil ist mehr Preiskontrolle. Der Nachteil ist, dass die Order möglicherweise nicht oder nur teilweise ausgeführt wird.
Eine Limit Order schützt also vor sehr ungünstigen Ausführungspreisen, aber nicht vor dem Risiko, den Trade zu verpassen.
Slippage bei Stop-Loss-Orders
Slippage ist besonders wichtig bei Stop-Loss-Orders.
Ein Stop-Loss wird gesetzt, um eine Position automatisch zu verkaufen, wenn ein bestimmter Kurs erreicht oder unterschritten wird. Viele Anleger denken dabei, dass der Stop-Kurs automatisch der Verkaufspreis ist. Das ist aber häufig ein Missverständnis.
Bei einer klassischen Stop-Loss-Order wird nach Erreichen der Stop-Marke oft eine Market Order ausgelöst. Der tatsächliche Verkaufspreis kann daher unter dem Stop-Kurs liegen.
Beispiel:
- Kaufkurs: 50,00 €
- Stop-Loss: 45,00 €
Fällt der Kurs langsam auf 45,00 €, kann die Ausführung nahe an dieser Marke erfolgen. Kommt es aber zu einer Kurslücke, etwa nach schlechten Nachrichten, kann die nächste verfügbare Ausführung auch bei 43,50 € oder tiefer liegen.
Dann entsteht Slippage.
Slippage bei Stop-Limit-Orders
Eine Stop-Limit-Order kombiniert eine Stop-Marke mit einem Limit. Dadurch kann der Anleger festlegen, dass nach Aktivierung nur bis zu einem bestimmten Mindestpreis verkauft oder Höchstpreis gekauft wird.
Beispiel bei einer Verkaufsorder:
- Stop-Kurs: 45,00 €
- Verkaufslimit: 44,50 €
Wird der Stop-Kurs erreicht, wird die Order aktiviert. Verkauft wird aber nur zu mindestens 44,50 €.
Das begrenzt negative Slippage. Allerdings kann die Order unausgeführt bleiben, wenn der Markt schnell unter 44,50 € fällt. Die Position bleibt dann weiter im Depot.
Deshalb ist eine Stop-Limit-Order nicht automatisch besser als eine Stop-Market-Order. Sie löst ein Problem, schafft aber ein anderes: mehr Preiskontrolle, aber weniger Ausführungssicherheit.
Beispiel: Slippage beim Kauf einer Aktie
Angenommen, eine Aktie hat folgendes Orderbuch:
| Briefkurs | Stückzahl |
|---|---|
| 50,00 € | 200 |
| 50,05 € | 300 |
| 50,10 € | 500 |
Ein Anleger gibt eine Market-Kauforder über 1.000 Aktien auf.
Die Order wird ausgeführt zu:
- 200 Aktien zu 50,00 €
- 300 Aktien zu 50,05 €
- 500 Aktien zu 50,10 €
Der Durchschnittspreis liegt dadurch über 50,00 €. Obwohl der beste sichtbare Briefkurs zunächst 50,00 € betrug, wurde die gesamte Order nicht vollständig zu diesem Preis ausgeführt.
Genau hier zeigt sich, warum Markttiefe und Ordergröße wichtig sind.
Slippage bei Aktien und ETFs
Bei großen, liquiden Aktien oder Standard-ETFs ist Slippage in normalen Marktphasen oft gering. Das liegt daran, dass viele Käufer und Verkäufer aktiv sind und das Orderbuch meist tief genug ist.
Trotzdem kann Slippage auch dort auftreten, zum Beispiel:
- bei großen Orders,
- in sehr volatilen Marktphasen,
- direkt nach Börseneröffnung,
- kurz vor Handelsschluss,
- bei wichtigen Nachrichten,
- bei Handel außerhalb der Haupthandelszeiten.
Bei Nebenwerten, Spezial-ETFs oder wenig gehandelten Produkten ist Slippage meist relevanter.
Slippage bei Anleihen
Bei Anleihen kann Slippage ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Viele Einzelanleihen werden weniger häufig gehandelt als große Aktien oder ETFs. Dadurch können Spreads größer und Orderbücher dünner sein.
Besonders relevant sind:
- geringe Handelsumsätze,
- größere Stückelungen,
- begrenzte Stückzahlen,
- weniger transparente Preisstellung,
- breitere Geld-Brief-Spannen,
- unterschiedliche Handelsplätze.
Wer Anleihen handelt, sollte deshalb nicht nur auf Kupon und Rendite achten, sondern auch auf Handelbarkeit, Spread, Stückzahl und Ausführungspreis.
Slippage bei CFDs und Forex
Im CFD- und Forex-Handel ist Slippage besonders wichtig, weil Märkte sehr schnell reagieren können und viele Trader kurzfristig handeln.
Slippage kann dort auftreten bei:
- schnellen Kursbewegungen,
- Nachrichten,
- Eröffnung nach Wochenende oder Feiertag,
- geringer Liquidität,
- exotischen Währungspaaren,
- Stop-Loss-Ausführungen,
- stark schwankenden Spreads.
Bei großen Währungspaaren wie EUR/USD ist die Liquidität häufig hoch. Trotzdem können Spreads und Slippage in besonderen Marktphasen deutlich zunehmen.
Trader sollten deshalb nicht nur auf niedrige Spreads achten, sondern auch auf Ausführungsqualität, Orderarten und Risikomanagement.
Slippage bei Futures
Bei Futures kann Slippage ebenfalls auftreten, besonders bei weniger liquiden Kontrakten oder großen Orders. Sehr liquide Futures haben oft enge Spreads und tiefe Orderbücher, aber auch dort kann Slippage in schnellen Marktphasen entstehen.
Aktive Futures-Trader achten deshalb häufig auf:
- Markttiefe,
- Volumen,
- Orderbuch,
- Tickgröße,
- Handelszeit,
- Nachrichtenkalender,
- Ausführungsgeschwindigkeit.
Bei Futures kann schon eine kleine Abweichung in Ticks einen spürbaren Einfluss auf das Ergebnis haben, weil Kontrakte einen festen Punktwert besitzen.
Slippage beim Day Trading
Beim Day Trading ist Slippage besonders relevant, weil viele Strategien mit kleinen Kursbewegungen arbeiten. Wenn das Gewinnziel klein ist, kann bereits geringe Slippage die Kalkulation deutlich verändern.
Beispiel:
Ein Trader plant einen Gewinn von 0,30 € pro Aktie. Wenn beim Einstieg 0,05 € und beim Ausstieg 0,05 € Slippage entstehen, reduziert sich der mögliche Gewinn deutlich.
Deshalb sollte Slippage bei kurzfristigen Strategien immer mitgedacht werden. Eine Strategie, die theoretisch gut aussieht, kann praktisch unattraktiv werden, wenn Spread, Slippage und Gebühren zu hoch sind.
Wie kann man Slippage reduzieren?
Slippage lässt sich nicht vollständig vermeiden. Anleger und Trader können das Risiko aber verringern.
Hilfreiche Maßnahmen können sein:
- liquide Märkte bevorzugen,
- während der Haupthandelszeiten handeln,
- Limit Orders statt unlimitierter Market Orders nutzen,
- Ordergröße an die Markttiefe anpassen,
- bei Nachrichtenereignissen vorsichtig sein,
- Stop-Loss-Ausführung realistisch einschätzen,
- Spreads vor der Order prüfen,
- Handelsplatz bewusst auswählen,
- bei wenig liquiden Wertpapieren besonders vorsichtig sein.
Wichtig ist: Weniger Slippage bedeutet nicht automatisch bessere Gesamtrendite. Es ist nur ein Bestandteil der Handelskosten und Ausführungsqualität.
Kann Slippage vollständig vermieden werden?
Nein, Slippage lässt sich nicht vollständig ausschließen. Märkte bewegen sich, Orders treffen auf begrenzte Liquidität, und Ausführungspreise können sich zwischen Orderaufgabe und Ausführung verändern.
Limit Orders können negative Slippage begrenzen, aber sie garantieren keine Ausführung. Market Orders bieten eine hohe Ausführungswahrscheinlichkeit, aber keine Preisgarantie.
Es geht daher nicht darum, Slippage komplett auszuschalten, sondern sie zu verstehen und bewusst einzuplanen.
Slippage und Brokerwahl
Auch die Brokerwahl kann eine Rolle spielen. Unterschiedliche Broker, Handelsplätze und Ausführungsmodelle können zu unterschiedlichen Ausführungspreisen führen.
Relevant sind unter anderem:
- verfügbare Handelsplätze,
- Orderrouting,
- Realtime-Daten,
- Spreads,
- Kommissionen,
- Ausführungsgeschwindigkeit,
- Qualität der Kursstellung,
- Transparenz der Kosten.
Ein günstiger Broker ist nicht automatisch der beste Broker für jede Strategie. Gerade aktive Trader sollten nicht nur auf Ordergebühren achten, sondern auch auf Spread, Slippage und Ausführungsqualität.
Typische Missverständnisse bei Slippage
„Slippage ist eine versteckte Brokergebühr.“
Nicht unbedingt. Slippage ist meist keine direkte Gebühr, sondern eine Abweichung beim Ausführungspreis. Sie kann aber wie ein Kostenfaktor wirken.
„Slippage gibt es nur beim Trading.“
Nein. Slippage kann auch bei langfristigen Anlegern auftreten, zum Beispiel beim Kauf oder Verkauf weniger liquider Aktien, ETFs oder Anleihen.
„Ein Stop-Loss schützt immer exakt zum gesetzten Kurs.“
Nein. Ein Stop-Loss garantiert in der Regel nicht den exakten Ausführungspreis. Besonders bei Kurslücken oder schnellen Bewegungen kann Slippage entstehen.
„Limit Orders verhindern jedes Ausführungsrisiko.“
Limit Orders verhindern Ausführungen außerhalb des Limits. Sie garantieren aber nicht, dass die Order überhaupt ausgeführt wird.
„Bei großen Märkten gibt es keine Slippage.“
Auch liquide Märkte können Slippage haben, vor allem bei Nachrichten, hoher Volatilität, sehr großen Orders oder schnellen Kursbewegungen.
Zusammenhang mit anderen Börsenbegriffen
Slippage hängt eng mit mehreren anderen Begriffen zusammen:
- Bid-Ask-Spread,
- Orderbuch,
- Market Order,
- Limit Order,
- Stop Order,
- Stop-Loss,
- Liquidität,
- Markttiefe,
- Volatilität,
- Brokerkosten,
- Day Trading.
Lesen Sie auch:
➡️ Bid-Ask-Spread einfach erklärt
➡️ Orderbuch einfach erklärt
➡️ Market Order, Limit Order und Stop Order
➡️ Anleihen handeln: Welches Depot ist das richtige?
Fazit
Slippage beschreibt die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis. Sie kann beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten auftreten.
Besonders relevant ist Slippage bei Market Orders, Stop Orders, geringer Liquidität, breiten Spreads, großen Orders und schnellen Marktbewegungen.
Für Anleger und Trader ist es wichtig, Slippage nicht zu ignorieren. Sie ist keine klassische Gebühr, kann das Handelsergebnis aber spürbar beeinflussen. Wer Spread, Orderbuch, Orderart und Liquidität versteht, kann Slippage realistischer einschätzen und Orders bewusster platzieren.