Veröffentlicht: 03. Juni 2026 · Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2026
Autor: S. Fiedler
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
Emittent einfach erklärt: Was bedeutet Emittent bei Wertpapieren?
Ein Emittent ist der Herausgeber eines Wertpapiers. Das kann zum Beispiel ein Unternehmen, ein Staat, eine Bank oder eine andere Institution sein.
Wenn ein Unternehmen Aktien ausgibt, ist es Emittent dieser Aktien. Wenn ein Staat Anleihen ausgibt, ist der Staat Emittent dieser Anleihen. Wenn eine Bank ein Zertifikat oder einen Optionsschein ausgibt, ist die Bank Emittentin dieses Produkts.
Vereinfacht gesagt:
Der Emittent ist die Stelle, die ein Wertpapier herausgibt und für bestimmte Verpflichtungen aus diesem Wertpapier verantwortlich ist.
Für Anleger ist der Begriff wichtig, weil der Emittent je nach Wertpapierart sehr unterschiedliche Bedeutung hat. Besonders bei Anleihen, Zertifikaten und Optionsscheinen spielt das Emittentenrisiko eine große Rolle.
Was ist ein Emittent?
Ein Emittent ist eine Person, ein Unternehmen, ein Staat oder eine Institution, die ein Wertpapier ausgibt.
Der Begriff kommt vom lateinischen „emittere“, was so viel bedeutet wie „herausgeben“ oder „aussenden“. An der Börse meint man damit den Herausgeber eines Finanzinstruments.
Emittenten können zum Beispiel sein:
- Aktiengesellschaften,
- Staaten,
- Bundesländer,
- Kommunen,
- Banken,
- Finanzinstitute,
- Unternehmen,
- supranationale Organisationen,
- Zweckgesellschaften.
Welche Rolle der Emittent spielt, hängt stark davon ab, um welches Wertpapier es geht.
Einfaches Beispiel: Emittent einer Aktie
Wenn ein Unternehmen an die Börse geht und Aktien ausgibt, ist dieses Unternehmen der Emittent der Aktien.
Beispiel:
Die Muster AG gibt Aktien aus. Anleger können diese Aktien an der Börse kaufen. Dann ist die Muster AG der Emittent dieser Aktien.
Mit dem Kauf einer Aktie wird der Anleger Miteigentümer des Unternehmens. Er erwirbt einen Anteil am Eigenkapital und erhält bestimmte Aktionärsrechte, etwa Stimmrechte oder einen möglichen Anspruch auf Dividenden.
Bei Aktien ist der Emittent also das Unternehmen selbst.
Einfaches Beispiel: Emittent einer Anleihe
Bei einer Anleihe leiht der Anleger dem Emittenten Geld. Der Emittent verpflichtet sich, Zinsen zu zahlen und die Anleihe am Ende der Laufzeit zurückzuzahlen, sofern keine Zahlungsstörung eintritt.
Beispiel:
Ein Unternehmen gibt eine Anleihe über 500 Millionen Euro aus. Anleger kaufen diese Anleihe. Das Unternehmen ist der Emittent und damit Schuldner der Anleihe.
Der Anleger ist Gläubiger. Er besitzt keinen Unternehmensanteil wie bei einer Aktie, sondern eine Forderung gegenüber dem Emittenten.
Bei Anleihen ist daher besonders wichtig, wie kreditwürdig der Emittent ist.
Emittent bei Aktien, Anleihen und Derivaten
Der Begriff Emittent kommt in vielen Bereichen des Kapitalmarkts vor. Die Bedeutung unterscheidet sich je nach Produkt.
| Wertpapierart | Typischer Emittent | Bedeutung für Anleger |
|---|---|---|
| Aktie | Aktiengesellschaft | Anleger werden Miteigentümer des Unternehmens |
| Unternehmensanleihe | Unternehmen | Anleger geben dem Unternehmen Fremdkapital |
| Staatsanleihe | Staat | Anleger leihen einem Staat Geld |
| Zertifikat | Bank oder Finanzinstitut | Anleger tragen ein Emittentenrisiko |
| Optionsschein | Bank oder Finanzinstitut | Anleger tragen Produkt- und Emittentenrisiko |
| ETF | Fondsgesellschaft / Kapitalverwaltungsgesellschaft | Sondervermögen ist anders einzuordnen als Bankzertifikate - im Insolvenzfall vom Gesellschaftsvermögen der Fondgesellschaft getrennt |
Diese Unterschiede sind entscheidend. Ein Emittent einer Aktie ist nicht dasselbe wie ein Emittent eines Zertifikats.
Emission: Was bedeutet das?
Die Ausgabe eines Wertpapiers nennt man Emission. Der Emittent bringt das Wertpapier an den Markt.
Beispiele:
- Ein Unternehmen gibt neue Aktien aus.
- Ein Staat begibt eine Anleihe.
- Eine Bank emittiert einen Optionsschein.
- Ein Finanzinstitut legt ein Zertifikat auf.
Die Emission kann öffentlich oder privat erfolgen. Bei börsengehandelten Wertpapieren sind häufig Prospekte, Produktunterlagen, Zulassungsregeln und Veröffentlichungspflichten relevant.
Für Anleger ist wichtig: Die Emission ist der Moment, in dem ein Wertpapier in den Markt gebracht wird. Danach kann es je nach Produkt an der Börse oder außerbörslich gehandelt werden.
Warum geben Emittenten Wertpapiere aus?
Emittenten geben Wertpapiere aus, um Kapital zu beschaffen, Finanzprodukte anzubieten oder bestimmte Marktstrategien abzubilden.
Mögliche Gründe sind:
- Eigenkapital aufnehmen,
- Fremdkapital aufnehmen,
- Investitionen finanzieren,
- Wachstum finanzieren,
- Schulden refinanzieren,
- Infrastrukturprojekte finanzieren,
- Handels- oder Anlageprodukte bereitstellen,
- Absicherungs- oder Spekulationsprodukte emittieren.
Bei Aktien und Anleihen steht häufig die Finanzierung im Vordergrund. Bei Zertifikaten und Optionsscheinen steht eher die Strukturierung eines Finanzprodukts für Anleger im Vordergrund.
Emittent bei Aktien
Bei Aktien ist der Emittent die Aktiengesellschaft, die die Aktien herausgegeben hat.
Wenn Anleger Aktien kaufen, erwerben sie einen Anteil am Unternehmen. Sie sind dann Aktionäre.
Wichtige Punkte bei Aktienemittenten:
- Geschäftsmodell,
- Gewinnentwicklung,
- Bilanz,
- Dividendenpolitik,
- Management,
- Kapitalmaßnahmen,
- Hauptversammlung,
- Stimmrechte,
- Aktienrückkäufe,
- Kapitalerhöhungen.
Bei Aktien besteht kein klassisches Rückzahlungsversprechen wie bei einer Anleihe. Der Wert der Aktie hängt vom Marktpreis und der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens ab.
Wenn das Unternehmen insolvent wird, können Aktionäre einen großen Teil oder sogar das gesamte eingesetzte Kapital verlieren. Sie stehen im Insolvenzfall in der Regel hinter vielen Gläubigern.
Emittent bei Anleihen
Bei Anleihen ist der Emittent der Schuldner. Er leiht sich Geld von Anlegern und verpflichtet sich, Zinsen und Rückzahlung zu leisten.
Typische Anleiheemittenten sind:
- Staaten,
- Unternehmen,
- Banken,
- Bundesländer,
- Kommunen,
- supranationale Organisationen.
Bei Anleihen ist die Bonität des Emittenten besonders wichtig. Sie beschreibt, wie wahrscheinlich es ist, dass der Emittent seine Verpflichtungen erfüllen kann.
Anleger sollten bei Anleihen prüfen:
- Wer ist der Emittent?
- Wie hoch ist die Bonität?
- Gibt es ein Rating?
- Wie hoch ist die Verschuldung?
- Wie stabil sind Einnahmen und Cashflows?
- Wie lang ist die Laufzeit?
- Wie hoch ist der Kupon?
- Welche Rangstellung hat die Anleihe?
- Gibt es besondere Kündigungsrechte oder Bedingungen?
Eine hohe Rendite kann ein Hinweis auf höheres Risiko sein. Gerade bei Anleihen sollte deshalb nicht nur auf den Zinssatz geschaut werden.
Emittent bei Staatsanleihen
Bei Staatsanleihen ist der Staat der Emittent. Anleger leihen dem Staat Geld.
Beispiele:
- Deutschland emittiert Bundesanleihen,
- die USA emittieren US-Treasuries,
- Italien emittiert italienische Staatsanleihen,
- Frankreich emittiert französische Staatsanleihen.
Auch Staaten können unterschiedliche Bonität haben. Ein Industriestaat mit stabilen Finanzen wird am Markt meist anders bewertet als ein hoch verschuldeter Staat mit schwächerer Währung oder instabiler Haushaltslage.
Bei Staatsanleihen sind wichtig:
- Bonität des Staates,
- Währung,
- Laufzeit,
- Zinsniveau,
- Inflation,
- politische Stabilität,
- Schuldenquote,
- Zentralbankumfeld.
Staatsanleihen gelten nicht automatisch als risikolos. Besonders Fremdwährungsanleihen, lange Laufzeiten oder schwächere Schuldner können erhebliche Risiken enthalten.
Emittent bei Unternehmensanleihen
Bei Unternehmensanleihen ist ein Unternehmen der Emittent. Das Unternehmen nimmt Fremdkapital auf und zahlt Anlegern dafür Zinsen.
Für Anleger ist die Kreditwürdigkeit des Unternehmens entscheidend.
Wichtige Fragen sind:
- Wie stabil ist das Geschäftsmodell?
- Wie hoch ist die Verschuldung?
- Wie hoch sind Zinsdeckungsgrad und Cashflow?
- Gibt es ein Rating?
- Ist die Anleihe besichert oder unbesichert?
- Ist sie nachrangig oder vorrangig?
- Wie lang ist die Laufzeit?
- Wie hoch ist die Rendite im Verhältnis zum Risiko?
Eine Unternehmensanleihe kann attraktiv erscheinen, wenn sie einen hohen Kupon bietet. Dieser höhere Kupon ist aber häufig eine Entschädigung für höheres Risiko.
Emittent bei Zertifikaten
Bei Zertifikaten ist der Emittent meistens eine Bank oder ein Finanzinstitut. Das Zertifikat ist in der Regel eine Schuldverschreibung des Emittenten.
Das bedeutet: Anleger haben eine Forderung gegenüber dem Emittenten. Wenn der Emittent zahlungsunfähig wird, kann das Zertifikat erheblich an Wert verlieren oder wertlos werden, selbst wenn sich der Basiswert eigentlich positiv entwickelt hätte.
Das nennt man Emittentenrisiko.
Bei Zertifikaten sollten Anleger daher nicht nur auf den Basiswert und die Produktstruktur schauen, sondern auch auf den Emittenten.
Wichtige Fragen sind:
- Welche Bank hat das Zertifikat emittiert?
- Wie ist die Bonität des Emittenten?
- Welche Produktbedingungen gelten?
- Gibt es Kündigungsrechte?
- Wie wird der Rückzahlungsbetrag berechnet?
- Wie hoch ist der Spread?
- Wie transparent ist die Preisstellung?
Zertifikate können je nach Struktur sehr unterschiedlich sein. Das Emittentenrisiko bleibt aber ein zentraler Punkt.
Emittent bei Optionsscheinen
Auch bei Optionsscheinen ist der Emittent meist eine Bank oder ein Finanzinstitut.
Ein Optionsschein verbrieft ein Recht, wirtschaftlich an der Entwicklung eines Basiswerts teilzunehmen. Der Anleger kauft aber nicht direkt eine börsengehandelte Option an einer Terminbörse, sondern ein strukturiertes Wertpapier des Emittenten.
Deshalb bestehen mehrere Risiken gleichzeitig:
- Kursrisiko des Basiswerts,
- Zeitwertverfall,
- Volatilitätsrisiko,
- Spread,
- Liquidität,
- Emittentenpreisstellung,
- Emittentenrisiko.
Bei Optionsscheinen ist wichtig: Der theoretische Wert des Produkts ist nicht automatisch der handelbare Preis. In der Praxis stellt der Emittent oder Market Maker Geld- und Briefkurse.
Wenn der Emittent ausfällt, kann das Produkt wertlos werden, auch wenn die Markterwartung des Anlegers ursprünglich richtig war.
Was ist Emittentenrisiko?
Das Emittentenrisiko beschreibt das Risiko, dass der Herausgeber eines Wertpapiers seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann.
Das betrifft besonders Produkte, bei denen Anleger eine Forderung gegenüber dem Emittenten haben, zum Beispiel:
- Anleihen,
- Zertifikate,
- Optionsscheine,
- strukturierte Schuldverschreibungen.
Wenn der Emittent insolvent wird, kann der Anleger Geld verlieren. Das gilt auch dann, wenn der Basiswert des Produkts sich eigentlich günstig entwickelt hat.
Beispiel:
Ein Anleger kauft ein Zertifikat auf einen Aktienindex. Der Index steigt. Eigentlich wäre das Zertifikat im Gewinn. Wenn aber der Emittent zahlungsunfähig wird, kann der Anleger trotzdem einen hohen Verlust erleiden.
Das Emittentenrisiko ist deshalb ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Zertifikat und einem Investmentfonds oder ETF.
Emittentenrisiko bei Anleihen
Bei Anleihen ist das Emittentenrisiko besonders direkt. Der Emittent schuldet Zinszahlungen und Rückzahlung.
Wenn der Emittent zahlungsfähig bleibt, erhält der Anleger die vereinbarten Zahlungen. Wenn der Emittent ausfällt, kann es zu Zahlungsausfällen, Umschuldungen oder Verlusten kommen.
Mögliche Anzeichen für erhöhtes Emittentenrisiko:
- sehr hohe Rendite,
- schwaches Rating,
- steigende Verschuldung,
- sinkender Cashflow,
- negative Geschäftsentwicklung,
- politische Risiken,
- Währungsrisiken,
- schwieriger Kapitalmarktzugang.
Bei Anleihen gilt: Eine höhere Rendite ist selten kostenlos. Häufig spiegelt sie höhere Risiken wider.
Emittentenrisiko bei Zertifikaten und Optionsscheinen
Bei Zertifikaten und Optionsscheinen wird das Emittentenrisiko von Einsteigern häufig unterschätzt.
Viele Anleger konzentrieren sich auf:
- Basiswert,
- Hebel,
- Barriere,
- Laufzeit,
- Renditechance,
- Preis.
Der Emittent steht oft nur klein in den Produktinformationen. Trotzdem ist er entscheidend, weil das Produkt rechtlich eine Forderung gegenüber dem Emittenten darstellen kann.
Ein Optionsschein auf eine starke Aktie kann riskant sein, wenn der Emittent ausfällt. Ein Zertifikat auf einen soliden Index kann ebenfalls Verluste verursachen, wenn die Bank hinter dem Produkt zahlungsunfähig wird.
Deshalb sollten Anleger bei solchen Produkten immer prüfen, von wem das Wertpapier emittiert wurde.
Bonität und Rating des Emittenten
Die Bonität beschreibt die Kreditwürdigkeit eines Emittenten. Sie zeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass der Emittent seine Verpflichtungen erfüllen kann.
Ratings von Ratingagenturen können dabei eine Orientierung geben. Sie ersetzen aber keine eigene Prüfung.
Typische Fragen zur Bonität:
- Hat der Emittent ein Rating?
- Liegt das Rating im Investment-Grade-Bereich?
- Gibt es einen negativen Ausblick?
- Wie entwickelt sich die Verschuldung?
- Wie stabil sind Gewinne und Cashflows?
- Wie ist das Marktumfeld?
- Gibt es besondere politische oder regulatorische Risiken?
Bei Anleihen, Zertifikaten und Optionsscheinen ist die Bonität des Emittenten ein zentraler Risikofaktor.
Emittent vs. Schuldner
Bei vielen Wertpapieren ist der Emittent gleichzeitig Schuldner. Das gilt besonders bei Anleihen, Zertifikaten und Optionsscheinen.
Beispiel:
Eine Bank emittiert ein Zertifikat. Anleger kaufen dieses Zertifikat. Die Bank ist Emittent und schuldet die Zahlungen nach den Produktbedingungen.
Bei Aktien ist die Situation anders. Das Unternehmen ist zwar Emittent der Aktie, schuldet dem Aktionär aber keine feste Rückzahlung. Der Aktionär ist Miteigentümer, kein Gläubiger.
Das ist ein wichtiger Unterschied:
Aktie: Anleger ist Miteigentümer.
Anleihe: Anleger ist Gläubiger.
Zertifikat / Optionsschein: Anleger hat eine Forderung gegenüber dem Emittenten nach Produktbedingungen.
Emittent vs. Anbieter
Der Emittent ist nicht immer dasselbe wie der Anbieter oder die Plattform, über die ein Anleger kauft.
Beispiel:
Ein Anleger kauft über seinen Online-Broker einen Optionsschein einer Bank. Der Broker ist nur der Handelszugang. Die Bank ist der Emittent des Optionsscheins.
Auch bei ETFs kann der Broker ein anderer sein als die Fondsgesellschaft. Anleger sollten deshalb unterscheiden zwischen:
- Broker,
- Handelsplatz,
- Emittent,
- Kapitalverwaltungsgesellschaft,
- Verwahrstelle,
- Market Maker.
Diese Begriffe beschreiben unterschiedliche Rollen im Kapitalmarkt.
Emittent vs. Broker
Der Broker ist die Stelle, über die Anleger handeln. Der Emittent ist die Stelle, die das Wertpapier herausgegeben hat.
Beispiel:
Ein Anleger kauft über Broker A eine Anleihe von Unternehmen B. Broker A ist nicht der Emittent. Unternehmen B ist der Emittent.
Der Broker ermöglicht den Kauf. Der Emittent ist für die Verpflichtungen aus dem Wertpapier verantwortlich.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil das Risiko nicht nur beim Broker liegt. Auch der Emittent des Wertpapiers kann ein Risiko darstellen.
Emittent vs. Fondsanbieter bei ETFs
Bei ETFs ist die Situation anders als bei Zertifikaten oder Optionsscheinen.
Ein ETF ist ein Investmentfonds, der meist einen Index abbildet. Der Fonds wird von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft aufgelegt und verwaltet. Das Fondsvermögen ist rechtlich anders strukturiert als eine einfache Schuldverschreibung einer Bank.
Deshalb ist das Risiko eines ETF nicht identisch mit dem Emittentenrisiko eines Zertifikats. Bei einem klassischen physischen ETF investieren Anleger in ein Fondsvermögen, das die enthaltenen Wertpapiere hält. Dieses Fondsvermögen ist grundsätzlich getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft zu betrachten.
Das bedeutet aber nicht, dass ETFs risikolos sind. ETFs können im Wert fallen, wenn die enthaltenen Wertpapiere fallen. Außerdem gibt es je nach ETF Struktur-, Tracking-, Liquiditäts-, Währungs- und Kontrahentenrisiken.
Der wichtige Unterschied lautet:
Zertifikat / Optionsschein: Forderung gegenüber dem Emittenten.
ETF: Fondsstruktur mit eigenem Fondsvermögen, aber weiterhin Marktrisiko.
Emittent und Prospekt
Bei vielen Wertpapieren müssen Emittenten Informationsunterlagen bereitstellen. Dazu können Wertpapierprospekte, Basisinformationsblätter, endgültige Bedingungen oder andere Dokumente gehören.
Diese Dokumente sollen Anlegern wichtige Informationen liefern, zum Beispiel:
- Emittent,
- Produktart,
- Risiken,
- Kosten,
- Rückzahlungsprofil,
- Laufzeit,
- Basiswert,
- Kündigungsrechte,
- Zielmarkt,
- steuerliche Hinweise,
- Szenariorechnungen.
Anleger sollten diese Unterlagen vor dem Kauf prüfen. Gerade bei strukturierten Produkten reicht es nicht aus, nur auf eine kurze Produktübersicht oder den angezeigten Hebel zu schauen.
Emittent und Kapitalmarkt
Emittenten spielen eine zentrale Rolle am Kapitalmarkt. Ohne Emittenten gäbe es keine Aktien, Anleihen, Zertifikate oder Optionsscheine.
Der Kapitalmarkt verbindet Kapitalnehmer und Kapitalgeber:
- Unternehmen erhalten Kapital für Wachstum oder Finanzierung.
- Staaten finanzieren Haushalte und Projekte.
- Banken strukturieren Anlage- und Hebelprodukte.
- Anleger erhalten Investitionsmöglichkeiten.
Dabei ist Vertrauen entscheidend. Je glaubwürdiger und kreditwürdiger ein Emittent ist, desto leichter kann er häufig Kapital aufnehmen.
Warum der Emittent für Anleger wichtig ist
Anleger sollten immer wissen, wer der Emittent eines Wertpapiers ist.
Das ist wichtig, weil der Emittent Einfluss hat auf:
- Rückzahlungsfähigkeit,
- Zinszahlung,
- Produktbedingungen,
- Emittentenrisiko,
- Preisstellung,
- Transparenz,
- Bonität,
- Insolvenzrisiko.
Bei einfachen Aktien wird der Begriff Emittent oft weniger bewusst wahrgenommen, weil Anleger direkt auf das Unternehmen schauen. Bei Anleihen, Zertifikaten und Optionsscheinen sollte der Emittent dagegen ausdrücklich geprüft werden.
Wie finde ich den Emittenten eines Wertpapiers?
Der Emittent ist in den Produktinformationen angegeben.
Sie finden ihn häufig in:
- Wertpapierprospekt,
- Basisinformationsblatt,
- Produktinformationsblatt,
- Termsheet,
- endgültigen Bedingungen,
- Brokeranzeige,
- Börsenseite,
- Emittentenwebsite,
- Wertpapierstammdaten.
Bei Optionsscheinen und Zertifikaten ist der Emittent meist deutlich in der Produktbezeichnung oder in den Stammdaten genannt. Bei Anleihen steht der Emittent ebenfalls in den Anleihedaten.
Vor dem Kauf sollte geprüft werden, ob der Emittent bekannt, reguliert und kreditwürdig erscheint.
Beispiele für verschiedene Emittenten
Die folgenden Beispiele sind allgemein und keine Kaufempfehlung.
| Beispiel | Emittent | Wertpapierart |
|---|---|---|
| Eine Aktiengesellschaft gibt Aktien aus | Unternehmen | Aktie |
| Ein Staat begibt Staatsanleihen | Staat | Staatsanleihe |
| Ein Industrieunternehmen gibt Anleihen aus | Unternehmen | Unternehmensanleihe |
| Eine Bank emittiert einen Optionsschein | Bank | Optionsschein |
| Eine Bank emittiert ein Bonuszertifikat | Bank | Zertifikat |
| Eine Fondsgesellschaft legt einen ETF auf | Kapitalverwaltungsgesellschaft | ETF |
Diese Beispiele zeigen, dass der Begriff Emittent je nach Wertpapierart unterschiedlich einzuordnen ist.
Typische Missverständnisse beim Emittenten
„Der Broker ist der Emittent.“
Nicht unbedingt. Der Broker ist meist nur der Handelszugang. Der Emittent ist die Stelle, die das Wertpapier herausgegeben hat.
„Bei allen Wertpapieren ist das Emittentenrisiko gleich.“
Nein. Bei Aktien, Anleihen, Zertifikaten, Optionsscheinen und ETFs unterscheiden sich die rechtlichen Strukturen deutlich.
„Ein Zertifikat auf einen sicheren Index ist automatisch sicher.“
Nein. Neben dem Basiswert gibt es auch das Emittentenrisiko. Wenn der Emittent ausfällt, kann das Produkt trotz solider Indexentwicklung Verluste verursachen.
„Ein hoher Kupon bedeutet eine gute Anleihe.“
Nicht automatisch. Ein hoher Kupon oder eine hohe Rendite kann auf ein erhöhtes Risiko des Emittenten hinweisen.
„ETFs haben dasselbe Emittentenrisiko wie Zertifikate.“
Nein. ETFs sind Fondsprodukte und rechtlich anders strukturiert. Sie haben Marktrisiken und je nach Struktur weitere Risiken, aber nicht dasselbe einfache Emittentenrisiko wie eine Bankschuldverschreibung. ETF Anteile sind Sondervermögen, also bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft von der Gläubigermasse getrennt.
Praktische Hinweise für Anleger
Vor dem Kauf eines Wertpapiers sollten Anleger prüfen:
- Wer ist der Emittent?
- Welche Rolle spielt der Emittent bei diesem Produkt?
- Bin ich Aktionär, Gläubiger oder Käufer eines strukturierten Produkts?
- Gibt es ein Emittentenrisiko?
- Wie ist die Bonität des Emittenten?
- Gibt es Ratings?
- Welche Produktunterlagen liegen vor?
- Wie wird der Rückzahlungsbetrag berechnet?
- Gibt es besondere Kündigungsrechte?
- Wie transparent ist die Preisstellung?
- Passt das Produkt zur eigenen Risikobereitschaft?
Diese Fragen sind besonders wichtig bei Anleihen, Zertifikaten und Optionsscheinen.
Fazit
Ein Emittent ist der Herausgeber eines Wertpapiers. Das kann ein Unternehmen, ein Staat, eine Bank oder eine andere Institution sein.
Für Anleger ist wichtig, welche Rolle der Emittent im konkreten Wertpapier spielt. Bei Aktien ist der Emittent das Unternehmen, an dem Aktionäre beteiligt sind. Bei Anleihen ist der Emittent der Schuldner. Bei Zertifikaten und Optionsscheinen ist der Emittent meist eine Bank, gegenüber der Anleger eine Forderung aus dem Produkt haben.
Besonders bei Anleihen, Zertifikaten und Optionsscheinen sollte das Emittentenrisiko bewusst geprüft werden. Die Entwicklung des Basiswerts allein reicht nicht aus, wenn das Produkt zusätzlich von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten abhängt.
ETFs sind anders einzuordnen als Zertifikate oder Optionsscheine, weil sie als Fondsprodukte strukturiert sind. Trotzdem bleiben auch bei ETFs Marktrisiken, Trackingrisiken und je nach Struktur weitere Risiken bestehen.
Der wichtigste Merksatz lautet:
Vor dem Kauf eines Wertpapiers sollten Anleger wissen, wer der Emittent ist und welche Verpflichtungen oder Risiken damit verbunden sind.
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