Veröffentlicht: 14. Dezember 2025 · Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2025 · Autor: Sebastian Fiedler (Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.)

 

Leerverkauf (Short Selling) – Grundlagen, Funktionsweise und Risiken

Einführung

 

Der Leerverkauf – im englischen Sprachraum als Short Selling bezeichnet – ist eine Handelsstrategie, bei der Anleger auf fallende Kurse eines Finanzinstruments spekulieren. Während beim klassischen Aktienkauf („Long-Position“) ein steigender Kurs angestrebt wird, zielt der Leerverkauf darauf ab, von einer Wertminderung zu profitieren. Diese Form des Handels ist ein zentraler Bestandteil moderner Kapitalmärkte, erfordert jedoch ein fundiertes Verständnis der Mechanik und Risiken.

Was ist ein Leerverkauf?

 

Ein Leerverkauf beschreibt den Verkauf von Wertpapieren, die der Händler nicht besitzt, sondern von einem Broker oder institutionellen Anleger leiht. Ziel ist es, die geliehenen Aktien später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen und an den Verleiher zurückzugeben.

Der Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis – abzüglich Gebühren und Leihkosten.

Gedeckte und ungedeckte Leerverkäufe

 

In der Praxis wird zwischen zwei Formen unterschieden.

Gedeckter Leerverkauf

 

Beim gedeckten Leerverkauf leiht der Trader die Aktien vor dem Verkauf. Dies ist die heute übliche und in der EU zulässige Form. Der Broker bestätigt die Verfügbarkeit der Aktien, bevor die Short-Position eröffnet wird.

Ablauf eines klassischen (gedeckten) Leerverkaufs

 

Der Prozess lässt sich in vier Schritten darstellen:

  1. Leihe der Aktien Der Trader leiht sich Aktien über seinen Broker. Dieser wiederum bezieht die Aktien aus dem Bestand institutioneller Anleger, Fonds oder anderer Kunden.

  2. Verkauf der geliehenen Aktien am Markt Die geliehenen Aktien werden sofort zum aktuellen Marktpreis verkauft.

  3. Rückkauf der Aktien (Eindeckung) Sinkt der Kurs wie erwartet, kauft der Trader die gleiche Anzahl an Aktien zu einem niedrigeren Preis zurück.

  4. Rückgabe an den Verleiher Die Aktien werden an den ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis stellt den Gewinn dar.

Beispiel

 

  • Leihe und Verkauf: 100 Aktien zu je 50 € → Verkaufserlös 5.000 €

  • Rückkauf: 100 Aktien zu je 40 € → Kosten 4.000 €

  • Gewinn: 1.000 € (abzüglich Gebühren)

Ungedeckter Leerverkauf (Naked Short Selling)

 

Hier werden Aktien verkauft, ohne dass sie zuvor geliehen oder ihre Verfügbarkeit gesichert wurde. Ungedeckte Leerverkäufe sind in der EU und in Deutschland weitgehend verboten, da sie Marktstörungen verursachen können.

Absichten von Leerverkäufern

 

Leerverkäufe werden nicht nur aus spekulativen Gründen durchgeführt. Häufig verfolgen Short-Seller auch analytische oder marktstabilisierende Absichten:

1. Aufdeckung bilanzieller Schwächen

Professionelle Short-Seller analysieren Unternehmen oft sehr detailliert. Sie decken dabei auf:

  • Bilanzmanipulationen

  • Überbewertungen

  • Liquiditätsprobleme

  • Unhaltbare Geschäftsmodelle

Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass Short-Seller in einigen Fällen Missstände früher erkannt haben als Aufsichtsbehörden oder Analysten.

2. Korrektur von Marktineffizienzen

Wenn ein Unternehmen überbewertet ist, tragen Leerverkäufe zur Preisfindung bei und helfen, übertriebene Bewertungen zu korrigieren.

3. Absicherung (Hedging)

Institutionelle Anleger nutzen Leerverkäufe, um bestehende Long-Positionen abzusichern.

Risiken des Leerverkaufs

 

Leerverkäufe sind mit erheblichen Risiken verbunden:

1. Theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko

Während der Kurs einer Aktie maximal auf 0 € fallen kann, ist ein Anstieg nach oben unbegrenzt möglich. Steigt der Kurs statt zu fallen, muss der Trader die Aktien zu einem höheren Preis zurückkaufen – potenziell mit extremen Verlusten.

2. Margin-Anforderungen

Short-Positionen werden in der Regel auf Margin gehandelt. Steigt der Kurs, kann der Broker zusätzliche Sicherheitsleistungen (Margin Calls) verlangen.

3. Leihgebühren und Verfügbarkeitsrisiko

  • Für die Leihe fallen laufende Gebühren an.

  • Bei knappen oder schwer leihbaren Aktien können die Kosten erheblich steigen.

4. Short Squeeze

Ein Short Squeeze entsteht, wenn viele Short-Seller gleichzeitig versuchen, ihre Positionen einzudecken. Dies kann den Kurs stark nach oben treiben – ein bekanntes Beispiel ist GameStop (2021).

Regulatorische Aspekte

 

Leerverkäufe unterliegen in der EU und in Deutschland strengen Regularien:

  • Verbot ungedeckter Leerverkäufe bei vielen Finanzinstrumenten

  • Meldepflichten für Netto-Leerverkaufspositionen ab bestimmten Schwellen

  • Temporäre Verbote in Krisenzeiten möglich (z. B. 2008, 2020)

Ziel der Regulierung ist es, Marktmanipulationen zu verhindern und die Marktstabilität zu sichern.

 

Wie und wo können Anleger Short Selling betreiben? Leerverkäufe über CapTrader

 

Privatanleger können Leerverkäufe über spezialisierte Online-Broker durchführen. Ein Beispiel ist CapTrader*, ein deutscher Introducing Broker von Interactive Brokers. Über diese Anbindung erhalten Trader Zugang zu mehr als 160 Börsen weltweit und können eine breite Palette an Finanzinstrumenten handeln – darunter Aktien, ETFs, Futures, Optionen, Optionsscheine (Warrants) und zahlreiche weitere Derivate.

Da CapTrader den direkten Zugang zur Handelsinfrastruktur von Interactive Brokers bereitstellt, können Privatanleger dort auch gedeckte Leerverkäufe durchführen, sofern die jeweiligen Wertpapiere verfügbar sind und die regulatorischen Voraussetzungen erfüllt werden.

Wie Anleger durch Aktienleihe Geld verdienen können

 

Nicht nur Short-Seller profitieren von Leerverkäufen. Auch Langfristinvestoren können durch die Bereitstellung ihrer Aktien Erträge erzielen:

  • Viele Broker bieten ein Aktienleihe-Programm an.

  • Die Aktien werden an Short-Seller verliehen.

  • Der Eigentümer erhält dafür Leihgebühren (ähnlich wie Zinsen).

Die Aktien bleiben im Depot des Anlegers verbucht, können aber vorübergehend nicht aktiv genutzt werden.

Vorteile von Leerverkäufen

 

Trotz der Risiken erfüllen Leerverkäufe wichtige Funktionen im Markt:

  • Erhöhung der Marktliquidität

  • Verbesserung der Preisfindung

  • Möglichkeit der Absicherung

  • Aufdeckung von Unternehmensschwächen

  • Identifikation überbewerteter Unternehmen


 

 

Fazit

 

Leerverkäufe sind ein essenzielles, aber anspruchsvolles Instrument der Kapitalmärkte. Sie ermöglichen es, von fallenden Kursen zu profitieren oder Portfolios abzusichern. Aufgrund des hohen Risikos und der regulatorischen Anforderungen sollten sie jedoch nur von erfahrenen Anlegern eingesetzt werden, die die Mechanik, Kosten und potenziellen Gefahren vollständig verstehen.


Was ist ein Leerverkauf?

Ein Leerverkauf ist eine Handelsstrategie, bei der Aktien verkauft werden, die der Trader zuvor geliehen hat. Ziel ist es, die Wertpapiere später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen und so von fallenden Kursen zu profitieren.

Wie funktioniert ein Leerverkauf?

Der Trader leiht sich Aktien über seinen Broker, verkauft sie sofort am Markt und kauft sie später wieder zurück. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ergibt den Gewinn oder Verlust.

Welche Risiken hat ein Leerverkauf?

Das größte Risiko ist das theoretisch unbegrenzte Verlustrisiko, da Aktienkurse unbegrenzt steigen können. Zusätzlich entstehen Leihgebühren, Margin-Anforderungen und das Risiko eines Short Squeeze.

Was ist ein Short Squeeze?

Ein Short Squeeze entsteht, wenn viele Short-Seller gleichzeitig versuchen, ihre Positionen einzudecken. Dadurch steigt der Kurs stark an, was die Verluste der Short-Seller weiter erhöht.

Sind Leerverkäufe in Deutschland erlaubt?

Ja, gedeckte Leerverkäufe sind erlaubt. Ungedeckte Leerverkäufe sind in vielen Fällen verboten. Zudem gelten Meldepflichten für größere Netto-Leerverkaufspositionen.

Warum sind Leerverkäufe wichtig für den Markt?

Leerverkäufe erhöhen die Marktliquidität, verbessern die Preisfindung und helfen, überbewertete Unternehmen zu identifizieren. Sie sind ein fester Bestandteil effizienter Kapitalmärkte.

Kann jeder Anleger Leerverkäufe durchführen?

Nein. Leerverkäufe erfordern ein Margin-Konto und werden meist nur von erfahrenen Tradern genutzt. Viele Broker schränken Leerverkäufe für Einsteiger ein. Broker wie etwa CapTrader* remöglichen die Durchführung von Lerverkäufen



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