Veröffentlicht: 01.Februar 2026 · Zuletzt aktualisiert: 01.Februar 2026
Autor: S. Fiedler – Day-Trader seit 2016
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

Was ist das Capital Asset Pricing Model (CAPM)?

 

Das Capital Asset Pricing Model (CAPM) ist ein theoretisches Modell der modernen Finanzmarkttheorie. Es beschreibt den Zusammenhang zwischen dem systematischen Risiko eines Wertpapiers und der erwarteten Rendite, die Anleger für dieses Risiko verlangen.

Ziel des CAPM ist es, eine Antwort auf die Frage zu geben:

Welche Rendite sollte ein Anleger für das Eingehen eines bestimmten Marktrisikos erwarten?

Das Modell wird häufig zur Bewertung von Aktien, zur Bestimmung von Eigenkapitalkosten sowie als Grundlage für weitere Bewertungsverfahren wie das Discounted‑Cashflow‑Modell (DCF) verwendet.

Grundidee des CAPM

 

Das CAPM baut auf der Portfoliotheorie auf und geht davon aus, dass Anleger ihre Portfolios so strukturieren, dass unsystematische Risiken durch Diversifikation weitgehend eliminiert werden. Übrig bleibt das systematische Risiko, das alle Marktteilnehmer betrifft und nicht vollständig vermeidbar ist.

Dieses systematische Risiko wird im CAPM durch den Beta‑Faktor gemessen.

Die CAPM‑Formel

 

Die erwartete Rendite eines Wertpapiers ergibt sich nach dem CAPM aus folgender Beziehung:

Erwartete Rendite=rf+β⋅(rm−rf)

Bedeutung der Variablen:

  • rf – Risikofreier Zinssatz

  • rm – Erwartete Marktrendite

  • β – Beta‑Faktor des Wertpapiers

  • rm−rf – Marktrisikoprämie

Die Bestandteile des CAPM im Detail

Risikofreier Zinssatz

Der risikofreie Zinssatz stellt die Rendite dar, die ein Anleger ohne Eingehen eines Marktrisikos erzielen kann. In der Praxis werden hierfür häufig Staatsanleihen hoher Bonität als Näherung verwendet.

Er bildet die Basisrendite, die unabhängig von Marktschwankungen erwartet wird.

 

Marktrisikoprämie

Die Marktrisikoprämie beschreibt den zusätzlichen Ertrag, den Anleger für Investitionen in risikobehaftete Anlagen wie Aktien erwarten. Sie ergibt sich aus der Differenz zwischen der erwarteten Marktrendite und dem risikofreien Zinssatz:

Marktrisikopra¨mie=rm−rf

 

Beta‑Faktor

Der Beta‑Faktor misst, wie stark ein Wertpapier im Vergleich zum Gesamtmarkt schwankt:

  • Beta = 1,0 → marktgleiches Risiko

  • Beta > 1,0 → überdurchschnittliche Schwankungen

  • Beta < 1,0 → unterdurchschnittliche Schwankungen

Beta quantifiziert damit das systematische Risiko, das auch bei optimaler Diversifikation bestehen bleibt.

Beispielrechnung: Erwartete Rendite nach CAPM

 

Zur Veranschaulichung betrachten wir ein konkretes Rechenbeispiel mit leicht veränderten Annahmen:

Gegebene Werte:

  • Risikofreier Zinssatz: 2 %

  • Erwartete Marktrendite: 9 %

  • Beta‑Faktor der Aktie: 1,3

Schritt 1: Berechnung der Marktrisikoprämie

9%−2%=7%

Schritt 2: Anpassung an das individuelle Risiko (Beta)

1,3⋅7%=9,1%

Schritt 3: Addition des risikofreien Zinssatzes

2%+9,1%=11,1%

Ergebnis

Die erwartete Rendite der Aktie beträgt nach dem CAPM 11,1 % pro Jahr.

Interpretation der CAPM‑Berechnung

 

Das Ergebnis bedeutet: Ein Anleger würde für diese Aktie langfristig eine Rendite von rund 11,1 % erwarten, um das eingegangene Marktrisiko angemessen zu kompensieren.

  • Liegt die eigene Renditeerwartung über diesem Wert, kann die Aktie als attraktiv erscheinen.

  • Liegt sie darunter, wäre das Risiko aus CAPM‑Sicht nicht ausreichend vergütet.

Anwendung des CAPM in der Praxis

In der Praxis wird das CAPM häufig verwendet als:

  • Mindestverzinsung für Investitionen

  • Eigenkapitalkostensatz

  • Diskontierungszinssatz in DCF‑Modellen

Besonders bei Unternehmensbewertungen dient das CAPM dazu, zukünftige Cashflows auf ihren heutigen Wert abzuzinsen.

Zusammenhang mit Portfoliotheorie und Diversifikation

 

Das CAPM basiert auf der Annahme, dass Anleger ihre Portfolios breit diversifizieren. Dadurch wird das unsystematische Risiko reduziert, während das systematische Risiko bestehen bleibt.

Dieses verbleibende Risiko wird durch den Beta‑Faktor erfasst und ist der einzige Risikofaktor, den das CAPM berücksichtigt.

Effizienzkurve und Kapitalmarktlinie

Im theoretischen Rahmen des CAPM spielen zwei Konzepte eine zentrale Rolle:

  • Effizienzkurve: Zeigt alle Portfolios mit der höchsten erwarteten Rendite für ein gegebenes Risiko.

  • Kapitalmarktlinie (CML): Stellt alle Kombinationen aus risikofreier Anlage und optimalem Marktportfolio dar.

Der Schnittpunkt von Effizienzkurve und Kapitalmarktlinie markiert das optimale Portfolio im Sinne des CAPM.

 

Erklärung: Effizienzkurve, Kapitalmarktlinie und das optimale Portfolio

Die Grafik zeigt zwei zentrale Konzepte der modernen Portfoliotheorie und des Capital Asset Pricing Model (CAPM): die Effizienzkurve (Efficient Frontier) und die Kapitalmarktlinie (Capital Market Line, CML). Beide helfen Anlegern, das Verhältnis von Risiko und erwarteter Rendite besser zu verstehen und fundierte Investitionsentscheidungen zu treffen.

 

1. Achsen und Grundstruktur

  • X‑Achse: Risiko, gemessen als Standardabweichung (Volatilität)

  • Y‑Achse: Erwartete Rendite eines Portfolios

Jeder Punkt in der Grafik stellt ein Portfolio dar – also eine Kombination aus verschiedenen Wertpapieren.

 

2. Die Effizienzkurve (konkav verlaufend)

Die Effizienzkurve zeigt alle effizienten Portfolios, die für ein gegebenes Risiko die höchstmögliche erwartete Rendite liefern. Portfolios unterhalb dieser Kurve gelten als ineffizient, da sie bei gleichem Risiko weniger Rendite bieten.

 

3. Die Kapitalmarktlinie (Gerade, tangiert Effizienzlinie)

Die Kapitalmarktlinie beginnt beim risikofreien Zinssatz (z. B. Staatsanleihen) und verläuft tangential zur Effizienzkurve. Sie zeigt alle möglichen Kombinationen aus:

  • einer risikofreien Anlage

  • und dem optimalen Marktportfolio

Die Kapitalmarktlinie bietet Anlegern die beste Rendite pro Risikoeinheit – also das effizienteste Verhältnis von Risiko zu Ertrag.

CAPM_Capital Asset Pricing Modell_Effizienzkurve_Kapitalmarktlinie

4. Das optimale Portfolio (grün)

Der Schnittpunkt zwischen Kapitalmarktlinie und Effizienzkurve markiert das optimale Portfolio. Es ist jenes Portfolio, das bei gegebener Markterwartung und Risikoneigung die beste Kombination aus Rendite und Risiko bietet.

 

5. Portfolio A und Suboptimale Portfolios (Kreise)

  • Portfolio A liegt unterhalb der Effizienzkurve → ineffizient → gleiche Rendite wäre mit weniger Risiko möglich

Alle weiteren Portfolios sind suboptimal, da sie nicht auf der Effizienzkurve liegen.

 

6. Didaktische Kernaussage

Die Grafik veranschaulicht:

  • Effiziente Portfolios maximieren Rendite bei gegebenem Risiko

  • Die Kapitalmarktlinie zeigt, wie Anleger durch Kombination mit risikofreien Anlagen ihr Risiko-Rendite-Profil verbessern können

  • CAPM identifiziert das optimale Portfolio als Tangentialpunkt zwischen Marktlinie und Effizienzkurve

Grenzen und Kritik am CAPM

 

Trotz seiner Bedeutung weist das CAPM mehrere Einschränkungen auf:

  • Annahme effizienter Märkte

  • Verwendung historischer Daten zur Beta‑Berechnung

  • Konstanter risikofreier Zinssatz

  • Vereinfachte Darstellung komplexer Marktmechanismen

Das CAPM eignet sich daher eher als Orientierungs‑ und Vergleichsmodell denn als exaktes Prognoseinstrument.

Vorteile des CAPM

 

  • Klare Struktur und einfache Anwendung
  • Verständliche Verknüpfung von Risiko und Rendite

  • Geeignet zur Portfolio‑Analyse und Bewertung

  • Weit verbreitet und anerkannt

Fazit: CAPM als theoretisches Fundament der Finanzanalyse

 

Das Capital Asset Pricing Model liefert einen klaren Rahmen, um Risiko und Rendite systematisch zu verknüpfen. Auch wenn das Modell auf vereinfachenden Annahmen basiert, bleibt es ein zentrales Werkzeug zur Einordnung von Investitionen und zur Strukturierung von Portfolios.

In Kombination mit Diversifikation und einer realistischen Einschätzung seiner Grenzen kann das CAPM Anlegern helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen.

 

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar.